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Milchkühe bald auf der Weide

Wenn die Temperaturen in nächster Zeit wieder deutlich ansteigen, ist in diesem Jahr mit einem Weideaustrieb der Kühe noch im April zu rechnen. Weidegras ist immer noch ein relativ preiswertes Grundfutter und kann somit zur Senkung der Futterkosten in der Sommerfütterung beitragen. Auch der Verbraucher wünscht sich Kühe auf der Weide. So erklärt sich, dass bei dem aktuellen Trend zu regionalen Produkten auch die Weidemilch derzeit vermehrt nachgefragt wird.

Der Weidegang hat für die Kühe einige Vorteile, denn er ermöglicht eine freie Bewegung auf einer gewachsenen, federnden Grasnarbe. Die Klauen reinigen sich gut und trocknen besser ab, so dass die dauernde Belastung durch Kot und Harn entfällt. Vorteilhaft ist, dass sich die Kühe auf der Weide ohne begrenzende Liegeboxenabtrennungen hinlegen bzw. wieder aufstehen können. Und auch Klimareize wie natürliches Licht, Sonnenstrahlen und frische Luft wirken sich positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere aus.

Die Kühe können auf der Weide schmackhaftes Gras aufnehmen, dass gerade zu Weidebeginn im Frühjahr energie- und proteinreich aber gleichzeitig auch sehr strukturarm ist. Gerade die geringe Strukturwirksamkeit des Grases ist bei der Fütterung zu beachten, will man eine Pansenübersäuerung mit möglichen negativen Konsequenzen (allgemein schlechtere Gesundheit, vermehrte Lahmheiten und Eutergesundheitsstörungen usw.) vermeiden. Daher muss die Umstellung von der Stall- auf die Weidefütterung immer langsam über einen längeren Zeitraum erfolgen. Die Weidedauer sollte daher anfangs auf wenige Stunden begrenzt und dann kontinuierlich verlängert werden. Gleichzeitig muss zusätzlich strukturreiches Futter wie Grassilage als Ergänzung zugefüttert werden.  

Optimales Weidemanagement

Wenn die Trittfestigkeit der Böden gegeben ist, sollten die Flächen möglichst frühzeitig beweidet werden. Einerseits regt der frühe Tritt die Bestockung der Gräser an. Gleichzeitig führt der frühe Austrieb zu einer dichteren Grasnarbe und einem gleichmäßigeren Grasaufwuchs.

Mit einem optimalen Weidemanagement können in der Milchviehhaltung gute Leistungen erreicht werden. Dabei ist ein besonderes Augenmerk auf die Bestandesführung und die Auswahl des richtigen Weidesystems zu legen. Ziel sollte es sein, über die gesamte Weideperiode ein möglichst konstantes Futterangebot und eine gleichbleibende Futterqualität zu gewährleisten. Da das Nährstoffangebot und auch die Futtermenge im Lauf der Weideperiode aber stark schwanken können, ist viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl für eine optimale Versorgung der Kühe auf der Weide erforderlich. Generell ist darauf zu achten, dass Kühe möglichst kein überaltertertes Gras fressen müssen, da dies meist zu deutliches Leistungseinbußen führt.

Ganztagsweide geht zurück

Allgemein ist festzustellen, dass der Anteil der Betriebe, die die Kühe nur noch halbtags weiden lassen, mit steigendem Leistungsniveau der Herde zunimmt. Und dies ist nachvollziehbar, denn verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Kühe, die nur noch halbtags weiden, durch eine gezielte Zufütterung im Stall besser versorgt werden und deshalb konstant höhere Milchleistungen erreichen und zudem auch weniger an Körpergewicht verlieren.

Zur besseren Strukturversorgung bei Weidegang kommen Grassilage, Maissilage oder Heu/Stroh in Frage. Die Konsistenz des Kotes zeigt dabei an, ob die Ration einen ausreichenden Strukturfutteranteil enthält. Der deutliche Überhang an Stickstoff im Pansen (hoher RNB-Wert in der Rationsberechnung) führt bei Weidetieren häufig zu hohen Harnstoffwerten in der Milch und damit zu einer Belastung der Leber. Hier muss über eine Zufütterung von Maissilage und durch geeignete Ausgleichsfutter, Körnermais oder Trockenschnitzel gegengesteuert werden.

Damit die Ration wiederkäuergerecht bleibt, aber auch wegen der starken Grundfutterverdrängung, sollte die Kraftfuttermenge bei ganztägiger Weide begrenzt werden. Abhängig von der Milchleistung liegen die Höchstmengen bei Kühen bei maximal 7,5-8 kg Kraftfutter pro Tag und 6,5-7 kg bei Färsen (die oberen Werte gelten für großrahmige Tiere). Höhere Kraftfuttergaben haben bei energiereichem Weidegras nur einen begrenzten Effekt auf die Höhe der Milchleistung, da die Energieversorgung insgesamt aufgrund der starken Verdrängung des Grases kaum verbessert wird. Leistungen deutlich über 30 kg Milch lassen sich auf einer Ganztagsweide kaum noch ausfüttern. Bei einer Halbtagsweide mit Zufütterung von Gras- und Maissilage im Stall kann die Kraftfuttermenge auf maximal 8,5-9 kg bei Kühen und 7-7,5 kg bei Färsen gesteigert werden kann. Bei besonders leistungsstarken Tieren ist die Weide im Hinblick auf eine leistungsgerechte Energie- und Nährstoffversorgung eher problematisch zu sehen. Bei solchen Kühen kann der Verzicht auf eine Weidehaltung durchaus sinnvoll sein.   

Wasserversorgung beachten

Eine gute Versorgung mit qualitativ einwandfreiem Wasser ist auch auf der Weide die Basis für eine hohe Futteraufnahme. Kühe benötigen je nach Temperatur und Milchleistung etwa 80 bis 150 l Wasser pro Tag. Daher ist auf ein ausreichendes Wasserangebot zu achten, wobei sich mehrere Tränkestellen (große Bottiche / Tränkewannen) möglichst mit Hauswasseranschluss bewährt haben. Der Wasserwagen mit einer einzelnen Schalentränke oder die Weidepumpe, die immer noch in Praxisbetrieben anzutreffen sind, reichen für die Versorgung von Hochleistungskühen absolut nicht aus. Grundsätzlich sollten die Wege zu den Tränkestellen kurz sein, da Kühe relativ bequem sind und freiwillig nicht gern zu weiter entfernten Tränken gehen. Wichtig ist auch, dass die Tränkewannen regelmäßig gereinigt werden, da sich Algen und Keime im Sommer sehr schnell vermehren können. Leider gibt es in der Praxis zum Teil noch erhebliche Defizite, da diese Reinigungsarbeiten oft genug nicht oder nicht konsequent durchgeführt werden. Offene Wasserstellen und Gräben, in denen sich unhygienisches Oberflächenwasser sammelt, sind zur Wasserversorgung von Kühen grundsätzlich ungeeignet.


Kontakt:
Dr. Jakob Groenewold
Fachreferent Rinderhaltung
Telefon: 0441 801-471
Telefax: 0441 801-634
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Stand: 19.04.2017