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7. Fachforum Schwein- eine Plattform für Informationsaustausch und ausgiebige Diskussionen

Die Münsterlandhalle in Cloppenburg wurde am 04.Februar 2016 bereits zum siebten Mal zum Treffpunkt für Schweinehalter. Der Unternehmensbereich Tier hielt auch in diesem Jahr am bewährten Konzept einer eintägigen Fachveranstaltung mit Vorträgen und einer gleichzeitigen Fachausstellung fest und bot damit eine Plattform für einen Informationsaustausch sowie ausgiebige Diskussionen aktueller Themen. Die Veranstaltung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen – unter Mitwirkung des Deutschen Landwirtschaftsverlags, der Bauförderung Landwirtschaft e.V. und mit Unterstützung durch die Oldenburger Schweinezuchtgesellschaft e.V. – lockte rund 2000 Besucher in die Kreisstadt. Erstmals fanden die Vorträge in einem separaten Vortragszelt statt.

Tobias Horn von der IQ-Agrar Service GmbH stellte die Lage des Salmonellenauftretens anhand eines seit 13 Jahren laufenden Monitorings in knapp 24.000 Schweinemastbetrieben dar. Im Jahr 2003 wurde im QS-System ein Monitoring auf Salmonelleninfektionen in Schweinmastbetrieben durchgeführt. Es verfolgt das Ziel, das Risiko, Salmonellen aus Schweinebeständen in die Lebensmittelkette einzutragen, zu reduzieren. Anfangs konnte die Prävalenz aller QS-Mäster stetig reduziert werden. Seit etwa 2012 steigt der Anteil von Betrieben der Kategorien II und III wieder deutlich an. Der Nordwesten Deutschlands ist von dieser negativen Entwicklung zudem besonders betroffen. Es besteht das Ziel, die Einstufung so anzupassen, dass ein steigender Salmonellendruck frühzeitig erkannt wird und die Betriebe somit schnellstmöglich Maßnahmen zur Reduzierung vornehmen können. Eine grundlegende Abkehr vom System der Kategorisierung nach dem Anteil positiver Proben wird kurzfristig jedoch nicht erfolgen. Auswertungen zeigen zum anderen, dass manche Schweinehalter nach einem Abrutschen in Salmonellenkategorie III erfolgreich Gegenmaßnahmen ergreifen und gleichzeitig eine relativ große Zahl der Mäster lange Zeit Schweine mit einem hohen Eintragsrisiko erzeugen. Für diese Betriebe soll die Pflicht zur Beratung verbindlicher als bisher geregelt und gleichzeitig die Angebote für eine qualifizierte begleitende Beratung gefördert werden.

Möglichkeiten der Strategieanpassung zur Salmonellenreduzierung in Schweinebetrieben stellte Dr. Schulte Wülwer von der LWK Niedersachsen vor. Seit nunmehr 12 Jahren müssen die QS-angeschlossenen und seit acht Jahren auch alle anderen Schweinemastbetriebe ihren Salmonellenstatus regelmäßig nachweisen. Anders als beim Geflügel werden die Schweinebestände nicht nach den tatsächlichen Salmonellenfunden sondern nach dem Vorkommen von Salmonellenantikörpern in eine Risikoklasse I bis III eingeteilt. Betriebe mit Einstufung in die höheren Risikoklassen Kategorie II und -III sind verpflichtet gezielte Maßnahmen zur Salmonellenreduzierung vorzunehmen. Kategorie III-Betriebe müssen zusätzlich unter Hinzuziehung des Tierarztes bakteriologische und epidemiologische Untersuchungen durchführen, um so die Ursache für den Salmonelleneintrag zu ermitteln.

Ruth Beverborg, Leiterin des Sachgebietes Betriebswirtschaft der LWK Niedersachsen, forderte von den Landwirten Engagement. In ihrem Vortrag „Veränderte Rahmenbedingungen erfordern neue Strategien in der Schweinehaltung“ stellte sie die schwierige Situation der Betriebe vor. Neben den desaströsen Preisen seien die Novellierung der Düngeverordnung, die Novellierung des Baugesetzbuches und der Filtererlass in Niedersachsen nur einige Herausforderungen, denen sich die Branche stellen müsste. In vielen schweinehaltenden Betrieben stünden aktuell Maßnahmen zur Liquiditätssicherung und Konsolidierung im Vordergrund. Liquiditätsplanungen seien dabei sehr hilfreich. Außerdem müssten die Risiken im Betrieb minimiert werden, forderte Beverborg. In vielen Betrieben gäbe es noch große innerbetriebliche Reserven, die generiert werden könnten – ein sogenanntes Drehen an kleinen Schrauben. „Wachstum, ohne größer zu werden“ heiße deshalb die Devise.

In einem weiteren Vortrag von Christoph Biestmann, BBS Bersenbrück, ging es um Praxiserfahrungen mit der Teilfixierung von Sauen im Abferkelbereich – ein Kooperationsprojekt zwischen der Hochschule Osnabrück und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, bei der die Pro Dromi-Abferkelbucht unter Praxisbedingungen getestet wurde. Jeweils sechs Jungsauen bildeten in sechs Wiederholungen die Kontroll- bzw. Versuchsgruppe in baugleichen Buchten (6,5 m² Grundfläche). In dieser Untersuchung wurde der Ferkelschutzkorb in der Versuchsgruppe jeweils am 6. Lebenstag der Ferkel geöffnet. Bei den biologischen Leistungen der Sauen, insbesondere bzgl. der Erdrückungsverluste, ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Dabei betrugen die Saugferkelverluste 9,8 % (Kontrolle) bzw. 10,2 % (Versuchsgruppe). Die Saugferkel der Versuchsgruppe hatten ab dem Öffnungszeitpunkt der Ferkelschutzkörbe signifikant höhere Lebendmassezunahmen als die Nachkommen der Kontrolle. Im Bereich Verhaltensbeobachtung nahmen die Kontrollsauen signifikant häufiger die Position „Sitzen“ ein. Auch deren Nachkommen saßen, lagen, und standen signifikant häufiger, jeweils außerhalb des Ferkelnestes. Hingegen nutzten die Saugferkel der Versuchsgruppe signifikant häufiger das Ferkelnest.

Schließlich hieß es noch „Risiko: Betriebsleiterausfall – wie vorsorgen?“. Es ging dabei um  die Möglichkeiten, durch gezielte Vorsorgemaßnahmen sinnvolle Absicherungen für die Familie und den Betrieb zu betreiben. Wiebke Wohler von der Landwirtschaftskammer stellte lebhaft und praxisnah Situationen und Möglichkeiten vor. Der Ausfall des Betriebsleiters wegen Krankheit, dauerhafter Berufsunfähigkeit oder gar Tod – schnell kann etwas Unvorhergesehenes passieren. Ohne Vorsorge kann es dann schnell sein, dass fremde Personen Entscheidungen für die Familie oder auch den Betrieb fällen (müssen). Für diese und weitere Fälle vorzusorgen ist elementare Betriebsleiteraufgabe. Dafür bedarf es einen Blick in die Verträge, Versicherungen und Vollmachten. Grundsätzlich wird deutlich, wie unverzichtbar die Absicherung der großen persönlichen Risiken (Koma, Berufsunfähigkeit und Tod) ist. Passende vertragliche Regelungen, Verfügungen und Versicherungen können die Zukunft des Betriebes sowie die Existenz der mit dem Hof verbundenen Personen sichern. Unpassende oder fehlende Regelungen auf der anderen Seite können Mensch und landwirtschaftlichen Betrieb in existenzielle Not bringen.

Die Veranstaltung war wie bereits in den vergangenen Jahren sehr gut besucht. Viele Fragen der Gäste an die Referenten und Diskussionsrunden an den 80 Ausstellungsständen zeigten, dass die Branche – wie bereits von Kammervizepräsident Hermeling betont – engagiert mitwirkt, den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden.


Sehen Sie dazu die 13 minütige Zusammenfassung und ein Interview mit
Dr. Ludwig Diekmann
, Leiter Unternehmensbereich Tier

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Kontakt:
Dr. Heiko Janssen
Fachreferent Schweinezucht, Schweinehaltung
Telefon: 0441 801-637
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:
Silke Schierhold
Beraterin Geflügel
Telefon: 0441 801-695
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:


Stand: 11.03.2016



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