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Pferdehalter und -züchter informieren sich auf dem 4. Fachforum Pferd

Zum vierten Mal veranstaltete die Landwirtschaftskammer Niedersachsen am 15. Februar 2012 das Fachforum Pferd in Sage. 120 Pferdehalter und –züchter hatten sich zusammen gefunden, um über aktuelle Themen Informationen zu erhalten und zu diskutieren. Schon bevor die Tagung begann, konnten die Besucher bei den ausstellenden Firmen Neuigkeiten in Erfahrung bringen oder auch Kontakte knüpfen und erhalten.

In seiner Begrüßung hob der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Arendt Meyer zu Wehdel, die Bedeutung der Pferdezucht und -haltung hervor. Die Pferdezucht hat in den letzten Jahren Einschränkungen hinnehmen müssen. Es wurden weniger Stuten gedeckt, die Anzahl der eingetragenen Zuchtstuten sank bundesweit. Das vergangene Jahr brachte für alle Pferdehalter steigende Preise vor allem bei Stroh und Heu. Gerade in schwierigen Zeiten mit einer Änderung der Züchterschaft und der Pferdehalter sind Fortbildungsveranstaltungen wichtig. Waren früher weitgehend Landwirte in der Zucht aktiv, so sind es heute vielfach Personen ohne landwirtschaftlichen Hintergrund und ohne eine langjährige Erfahrung mit dem Tier. Die fundierte Beratung nimmt dabei einen besonders hohen Stellenwert ein.

Den vielerorts vorhandenen Mangel an qualitätvollem Grundfutter sprach Barbara Höck von der Firma deukavallo in ihrem Vortrag „Was tun im Winter – Alternativen für den Mangel an Grundfutter“, an. Der knapp ausgefallene erste Heu-/Silageschnitt und die feuchte Witterung bei der Getreideernte haben zu knappen Grundfutter- und Stroherträgen sowie schlechten Qualitäten geführt. Wer sein Futter zukaufen muss, erkennt spätestens jetzt den Bezug zwischen Angebot und Nachfrage. Grundfutter ist knapp, die Preise steigen, manchmal ist auch kaum Grundfutter zu erwerben.

Durch seinen Verdauungstrakt ist das Pferd aber auf eine entsprechende Menge „kaufähigen“ Grundfutters angewiesen. Nur Kraftfutter zu geben scheidet hier aus. Gutes Raufutter dient der Ernährung, aber auch der Beschäftigung. Gerade bei Pferden, die auf Spänen oder anderen Einstreumaterialien stehen, fehle das Stroh zur Beschäftigung und Ernährung. Wenn ein Pferd über eine längere Zeit kein Futter zu sich nehmen kann, steigt die Gefahr der Magengeschwüre, da der saure Magensaft ständig produziert wird und in diesem Fall die Magenwand angreifen würde. Die Versorgung mit Nährstoffen über gute Heu- oder Heulagequalitäten kann für ein Pferd mit geringer Leistung schon weitgehend ausreichen. Bei dem Ersatz von Heu durch Stroh steigt die Gefahr der Verstopfungskoliken, da Stroh bedingt durch den hohen Ligningehalt nicht so verdaulich ist wie Heu bzw. Heulage. Ein Problem bei niedrigen Temperaturen kann auch eine zu geringe Wasseraufnahme sein. Pferde trinken gern wohl temperiertes Wasser.

Heucobs können einen Teil der Grundfutterration ersetzen, aber es fehlt die Struktur, die das Pferd für die Speichelbildung benötigt. Nur beim Kauen produziert das Pferd Speichel, der wichtig für die Verdauungsvorgänge im Magen ist. Luzerneheu kommt in Norddeutschland in der Pferdefütterung kaum zum Einsatz, bedingt durch die schwierigen Erntebedingungen und den rel. hohen Proteingehalt. Maissilage kann gefüttert werden, bietet aber viel Energie und wenig Rohfaser und Struktur, da es sehr kurz gehäckselt wird. Sportpferde beginnen bei Maissilagefütterung schnell zu schwitzen.

Um Grundfutter einzusparen, können Heuraufen/Heunetze Verwendung finden. So werden die Verluste minimiert. Wichtig ist die Vorsorge, dass die Pferde nicht in die Netze treten können. Bei der Grundfuttergabe sprechen wir von ca. 1,0 kg pro 100 kg Lebendgewicht, bei Knappheit müsste ggf. auf 0,5 kg Grundfutter pro 100 kg Lebendgewicht reduziert werden. Auf jeden Fall kann das fehlende Raufutter nicht allein durch Krippenfutter ersetzt werden.

Dr. Axel Brockmann, Leiter des Landgestütes Celle, stellte die Schwierigkeiten, aber auch die Chancen der Staatsgestüte überregional dar. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft würde auch wirtschaftliche Probleme mit sich bringen. Die Pferdezucht hat in den letzten Jahren Einschränkungen hinnehmen müssen. Der Verkauf von Fohlen bzw. ausgebildeten Pferden ist schwieriger geworden. Die Züchter haben reagiert und die Bedeckungszahlen sind gesunken. Auch qualitätvolle Zuchtstuten verlassen die Höfe. Fremdinvestoren steigen in die Pferdehaltung bzw. –zucht ein, besonders auch in den Hengstmarkt. Hengsthalter glauben an ihre Hengste und halten an ihnen fest, bis sich die Nachkommen eines Hengstes erfolgreich präsentieren können. Ein Fremdinvestor, der u. U. einen Hengst teuer erstanden hat, glaubt an den schnellen Erfolg. Stellt der sich nicht ein, so verlassen diese Investoren auch häufig wieder die Bühne.

Die Zucht wird internationaler. Im Ausland müssen die Verbände zusammen stehen. Dort besteht die Nachfrage nicht nach Pferden aus verschiedenen Zuchtgebieten, sondern nach deutschen bzw. niedersächsischen Pferden. Die Pferdezuchtverbände sind weltweit tätig. Auch der Versand von Sperma hört an den Landesgrenzen nicht auf. Der Austausch von Zuchttieren und der Samenversand sind gängige Praxis. Partnerschaften mit international bekannten Reitern, z. B. Eva Bitter mit Stakkato und Perigueux, sowie die Vorstellung einiger Hengste im Turniersport gehören zum Marketing. Die Sicherung und der Ausbau von Marktanteilen vor allem im Ausland gehören zu den wichtigen Aufgaben des Landgestütes und der Verbände. China, Russland, Südamerika sind die Märkte der Zukunft. In diesen Ländern hat die deutsche Pferdezucht bereits einen guten Ruf.

Neben der Vereinigung der europäischen Staatsgestüte hat sich seit neuestem auch ein Verbund der deutschen Staatsgestüte gebildet. Mit neuen Slogans wie z. B. „Vielfältige Auswahl für vielfältige Ansprüche“, „Die Wiege der Pferdezucht“ oder „Erfahrung kann man nicht erfinden“ gehen die Gestüte in die Öffentlichkeit.

Viel Wert legt Dr. Brockmann auch auf die Qualität und Entwicklung der Mitarbeiter. Die Beratung der Züchter muss erhalten bleiben. Dennoch wird eine Reduzierung der Deckstellen nicht aus bleiben, auch wenn man flächendeckend präsent bleiben wird. Um in der Öffentlichkeit weiterhin wahrgenommen zu werden, wurde auch die pädagogische Arbeit gestärkt, z. B. über die „Kinderhengstparaden“, Arbeit mit Schulen und Kindergärten. Nur wenn die Kinder bereits mit den Pferden Kontakt haben, werden sie sich vielleicht für das Reiten interessieren. Doch von der Schulseite kommen Probleme auf die Pferdehaltung zu. Kinder und Jugendliche haben bei den heutigen Schulformen nur noch selten Gelegenheit, sich dem Reitsport zu widmen. Auch fehlende gute Ausbilder sind vieler Orts ein Problem.

So bleiben für das Landgestüt Celle vielfältige Aufgaben. Die Anzahl der Bedeckungen muss stabil gehalten werden, genetische Ressourcen müssen bewahrt werden, die wissenschaftlichen und pädagogischen Arbeiten dürfen nicht außer Acht gelassen werden und als wichtigste Aufgabe mit muss die Politik überzeugt werden, dass das Landgestüt Celle nach wie vor für die Zukunft gerüstet ist.

Über den Embryotransfer (ET) und seine Zuchtphilosophie referierten der erfolgreiche Züchter Otto-Boje Schoof und sein Sohn Neel-Heinrich Schoof aus Hedwigenkoog. Erfolgreiche Pferde, z. B. die Stute Viola, die Mutter von Olympiasieger und Weltcupsieger Dobels Cento, gehören zur Zuchtstätte Schoof.

ET wird in der praktischen Pferdezucht nach wie vor nur in einigen Betrieben angewandt. In der Zucht können nur gesunde und vitale Stuten bestehen. Gelegentlich wünschen sich Züchter, wertvolle Stutengene in der Zucht intensiver zu verbreiten. Im Normalfall kann eine Stute max. ein Fohlen pro Jahr bekommen.

Otto-Boje Schoof bewirtschaftet mit seiner Familie einen 160 ha Betrieb in der Nähe von Büsum. Marktfruchtbau, Hähnchenmast, Rindermast und ca. 10 Zuchtstuten gehören zum Betrieb. Der Züchter erläuterte, dass grundsätzlich jüngere Stuten besser als Spenderstuten geeignet sind als ältere Stuten, da die Embryonen vitaler sind. Zudem dauert der Transport durch den Eileiter bei älteren Stuten länger. Das Interieur sollte man nicht außer Acht lassen. Gerade bei sensiblen Stuten gelingt der ET nicht immer. Ein wichtiger Einflussfaktor daneben kommt der Samenqualität zu. Über allem steht aber die vielseitige und ausgewogene Ernährung der Stuten auch in Hinblick auf Aminosäuren- und Vitaminversorgung. Bei Sportstuten muss eine Umstellungszeit berücksichtigt werden. Damit der ET zum Erfolg wird, sollten ca. drei bis vier zyklussynchrone Empfängerstuten vorhanden sein. Nur dann ist gewährleistet, dass mind. eine Stute genau zu der Stute passt, der der Embryo entnommen werden soll. Für das ET-Programm nimmt Otto-Boje Schoof jährlich drei bis fünf Hengste mit sicheren Zuchtwerten aus bewährten Leistungsstämmen. Hengste, die sich auch im Sport bewährt haben, werden bei der Auswahl bevorzugt.

Pro Stute rechnet der engagierte Züchter drei Spülungen. Rechnet man mit 60 % Trächtigkeit, einem Ausfall durch Resorption, Krankheiten und Exterieurmängel, so bleiben bei 100 Spülungen (von 35 Stuten in den letzten Jahren) ca. 40 Fohlen übrig. Diese Nachkommen werden nach der Aufzucht u. a. mittels Hengst- oder Stutenleistungsprüfung scharf selektiert. In Abhängigkeit der Anzahl der gewonnenen Embryonen kostet eine Trächtigkeit bis zu 6.000 €. Insofern muss jeder Züchter genau überlegen, für welche seiner Stuten ein ET in Frage kommt.

Für eine leistungsfähige Pferdezucht muss die Aussagekraft der Zuchtwerte verbessert werden. OCD sowie Fruchtbarkeitsparameter gehören weiterhin zu den Herausforderungen. Dennoch wird bei aller möglichen Technik im Besamungs- und Embryotransferwesen das Gespür des Züchters für die Anpaarungen und die Blutlinien immens wichtig bleiben.


Kontakt:
Ulrike Struck
Fachreferentin Pferdezucht und -haltung
Telefon: 0581 8073-300
Telefax: 0581 8073-160
E-Mail:


Stand: 22.02.2012



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