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Neue Proteinwerte für Rapsprodukte

Für unsere Milchkühe sind Soja- und Rapsextraktionsschrot die klassischen Eiweißfuttermittel. Deshalb ist es umso wichtiger, ihren Proteinwert möglichst genau zu kennen. Ein wichtiger Parameter ist das nutzbare Rohprotein (nXP), das neben dem Energiegehalt auch vom Anteil an unabbaubarem Rohprotein (UDP) abhängt. Da Rapsprodukte zunehmend in der Fütterung von Milchkühen eingesetzt werden, wurden in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche Untersuchungen von Rapsschrot und Rapskuchen durchgeführt, um den Proteinwert besser einschätzen zu können.

Dabei wurden als Untersuchungsmethode die Nylonbeutelmethode, der modifizierte Hohenheimer Futterwerttest und die chemische Fraktionierung angewendet, um den Umfang des Proteinabbaus im Pansen zu ermitteln. Eine Arbeitsgruppe des DLG-Arbeitskreises Futter und Fütterung hat die Untersuchungsergebnisse bewertet und folgende UDP-Anteile empfohlen:

 Übersicht 1: UDP-Anteile (% des Rohproteins) bei Raps- und Sojaprodukten
                            (Passagerate 5 % je Stunde)

 

neu

bisher

Rapssaat

15

20

Rapskuchen (kaltgepresst)

15

30

Rapsextraktionsschrot

35

30

Sojaextraktionsschrot

30

30

 Die im Jahr 2002 angepassten UDP-Anteile lagen bei 30 % für Rapskuchen, Soja- und Rapsschrot und bei 20 % für Rapssaat. Für Sojaschrot wurde der bisherige Wert jetzt bestätigt. Im Vergleich zum kaltgepressten Rapskuchen wurden deutlich höhere UDP-Anteile beim Rapsschrot gemessen. Die Ursache liegt in der thermischen Behandlung bei der Aufbereitung, d. h. je mehr Wärme auf das Futtermittel während der Verarbeitung wirkt, desto mehr UDP ist am Prozeßende enthalten. Da keine Ergebnisse zur Rapssaat vorliegen, wird analog zum Rapskuchen ein UDP-Wert von 15 % empfohlen.

 Bei einem Rapsschrot mit z.B. 35 % Rohprotein erhöht sich der nXP-Gehalt durch die neue Bewertung von 208 auf 222 g/kg. Im Vergleich dazu enthält Sojaschrot mit 43 % Rohprotein 245  g nXP/kg.

 Eine Untersuchung von zehn Rapsextraktionsschroten zeigt, dass auch bei Verwendung unterschiedlicher Methoden vergleichbare Ergebnisse erzielt werden. Es wird aber auch der Einfluss der Pansenpassagerate deutlich: Eine schnelle Passagerate von 8 %/Stunde erhöht den UDP-Anteil, da weniger Zeit für den Proteinabbau bleibt (Übersicht 2). In dieser Untersuchung erhöht ein Anstieg der Passagerate von 5 auf 8 %/Stunde den UDP-Anteil von 36 auf 46 %, gemessen mit der Nylonbeutelmethode (Einlegen von mit Futter gefüllten Nylonbeuteln in den Pansen). Hieraus folgt, dass eine Standardisierung auf eine Passagerate von 5 %/Stunde  (üblich für Kühe mit einer Leistung von 15 bis 30 kg Milch) unabdingbar ist,  um die Werte vergleichen zu können.

 Übersicht 2: UDP-Anteil von zehn Chargen Rapsextraktionsschrot bei unterschiedlichen
                     Passageraten (Kneer et al., 2010, Steingass, 2011)

Passagerate

5 % je Stunde

8 % je Stunde

UDP (%) in situ

36

46

 

(28 – 45)

(37 – 56)

UDP (%) in vitro (modifizierterHFT)

35

49

 

(29 – 43)

(43 – 57)

 Da der Rohprotein- und Energiegehalt von Rapsschrot niedriger ist als der von Sojaschrot, bleibt auch bei Erhöhung des UDP-Anteils sein nXP-Gehalt geringer. Trotzdem kann Sojaschrot ohne Probleme vollständig durch Rapsschrot ersetzt werden, wenn die Einsatzmengen entsprechend angepasst werden.

 


Kontakt:
Andrea Meyer
Fachreferentin Fütterung von Rindern und Schweinen, Futtermittelrecht, Futterberatungsdienst e.V., Versuchswesen Tier
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4521
E-Mail:


Stand: 14.12.2011