Webcode: 01032685

Ist das Futtermittel zu beanstanden? - Toleranzen und Analysenspielräume für Einzel- und Mischfuttermittel

Wenn ein Landwirt wissen möchte, ob sein geliefertes Futter der Deklaration auf dem Lieferschein entspricht, muss eine Probe in einem Labor untersucht werden. Um die Ergebnisse später bei möglichen Rechtsstreitigkeiten verwenden zu können, ist ein amtlicher Probenehmer einzuschalten. Um zu prüfen, ob der Befund der Futtermittelanalyse mit der Deklaration übereinstimmt, muss der Landwirt die futtermittelrechtlichen Toleranzen kennen. Handelt es sich um einen Zusatzstoff, sind darüber hinaus die Analysenspielräume von Bedeutung.  Diese werden vom VDLUFA regelmäßig überarbeitet.

1. Toleranzen für die Inhaltsstoffe

Die Angaben über Gehalte von Inhaltsstoffen (analytische Bestandteile und Gehalte) in Einzel- und Mischfuttermitteln gelten noch als richtig, wenn die festgestellten Gehalte von den angegebenen um nicht mehr als die in Übersicht 1 aufgeführten Werte abweichen. Die Werte beziehen sich auf die Gesamttoleranz und schließen die verfahrensbedingten Fehlerbereiche bei der Probenahme und der Analyse ein.

Übersicht 1:   Toleranzen für ausgewählte Inhaltstoffe (analytische Bestandteile)

Analytischer

Bestandteil

Angegebener

Gehalt

Zulässige Abweichung

 

%

unterschreitend

überschreitend

Rohprotein

Rohasche

unter 8

1,0 Einheiten

1,0 Einheiten

8 bis unter 24

12,5 %

12,5 %

24 und mehr

3,0 Einheiten

3,0 Einheiten

Rohfett

unter 8

1,0 Einheiten

2,0 Einheiten

8 bis unter 24

12,5 %

25 %

24 und mehr

3,0 Einheiten

6,0 Einheiten

Rohfaser

unter 10

1,7 Einheiten

1,7 Einheiten

10 bis unter 20

17,5 %

17,5 %

20 und mehr

3,5 Einheiten

3,5 Einheiten

Stärke

Gesamtzucker

unter 10

1,7 Einheiten

3,4 Einheiten

10 bis unter 20

17,5 %

35 %

20 und mehr

3,5 Einheiten

7,0 Einheiten

Calcium

Kalium, Magnesium,

Natrium

unter 1

0,2 Einheiten

0,4 Einheiten

1 bis unter 5

20 %

40 %

5 und mehr

1,0 Einheiten

2,0 Einheiten

Gesamtphosphor

unter 1

0,2 Einheiten

0,2 Einheiten

1 bis unter 5

20 %

20 %

5 und mehr

1,0 Einheiten

1,0 Einheiten

salzsäureunlösliche

Asche

unter 1

Unterschreitung ist

zulässig

0,2 Einheiten

1 bis unter 5

20 %

5 und mehr

1,0 Einheiten

Wasser

unter 2

Unterschreitung ist

zulässig

0,4 Einheiten

2 bis unter 5

20 %

5 bis unter 12,5

1,0 Einheiten

12,5 und mehr

8 %

NEL

ME1)

 

0,25 MJ/kg

0,40 MJ/kg

 

1)          Für die Angabe des Energiewertes für Geflügelfuttermittel gilt die Toleranz gemäß Berechnungsmethode in Anhang VII der Verordnung  (EG) Nr. 152/2009.

 

Beispiele:

1. In einem Milchleistungsfutter werden 16 % Rohprotein analysiert, 18 % sind deklariert. Die Toleranz ist eingehalten: 18 % Rohprotein - 2,25 % (12,5 % von 18 %) = 15,75 % Rohprotein. Das Futter ist nicht zu beanstanden.

2. Im. Sojaschrot werden 41,2 % Rohprotein analysiert, 44 % sind angegeben. Die Lieferung ist nicht zu beanstanden, da die Toleranz nicht unterschritten wird:  44 % Rohprotein - 3 Einheiten = 41,0 %.

2. Toleranzen für Zusatzstoffe

Die Toleranzen in Übersicht 2 beziehen sich nur auf die technische Toleranz und schließen keine Fehler bei der Probenahme und der Analyse ein. Deshalb müssen die Analysenspielräume zusätzlich berücksichtigt werden.

Ist ein gesetzlicher Mindest- oder Höchstgehalt für einen Zusatzstoff festgelegt, so sind die in Übersicht 2 festgelegten technischen Toleranzen nur oberhalb des Mindestgehaltes bzw. nur unterhalb des Höchstgehaltes anzuwenden.

Wenn ein festgelegter Höchstgehalt nicht überschritten wird, darf die Abweichung des angegebenen Gehaltes nach oben bis zum Dreifachen der Toleranz betragen. Eine Ausnahme gilt für Mikroorganismen: Hier stellt der Höchstgehalt den zulässigen oberen Gehalt dar. Dieser Abschnitt wird derzeit unterschiedlich ausgelegt, so dass Klärung geboten ist.

Es ist nicht entscheidend, ob die Zusatzstoffe zugesetzt werden oder nativ enthalten sind  (z. B. Lysin).

Übersicht 2: Toleranzen für Zusatzstoffe

Angegebener Gehalt

Zulässige Abweichung

unter 0,5 Einheiten

0,5 bis unter 1 Einheit

1 bis unter 500 Einheiten

500 bis unter 1000 Einheiten

1000 und mehr Einheiten

40 %

0,2 Einheiten

20 %

100 Einheiten

10 %

Eine Einheit = 1 mg, 1.000 IE, 1 x 109 KBE bzw. 100 Enzymaktivitätseinheiten des jeweiligen Zusatzstoffes je kg Futtermittel. 1 % = 10.000 Einheiten

3. Analysenspielräume des VDLUFA

Analysenspielräume (ASR) werden nur noch für Konzentrationsbereiche abgeleitet, für die Daten aus Ringanalysen verfügbar sind. Übersicht 3 enthält die ASR für ausgewählte Zusatzstoffe.

Übersicht 3: Analysenspielräume für ausgewählte Zusatzstoffe (Stand 1.7.2016)

 

ermittelter Gehalt

Analysenspielraum

    Lysin, Methionin, Cystin

    Threonin, Tryptophan

0,08 – 0,3 %

0,3 – 0,46 %

0,46 – 2,85 %

2,85- 3,7 %

3,7 – 10 %

20 % R

0,06 E

13 % R

0,37 E

10 % R

         Harnstoff

0,7 – 1,5 %

1,5 – 4,5 %

0,2 E

13 %

Jod

28,5 – 145 mg/kg

25 % R

Kupfer

5 – 500 mg/kg

500 – 915 mg/kg

915 – 4.900 mg/kg

22 % R

110 E

12 % R

Zink

18 – 11.500 mg/kg

16 % R

Selen

0,1 – 0,45 mg/kg

0,45 – 0,75 mg/kg

0,75 – 13,6 mg/kg

13,6 – 20,5 mg/kg

20,5 – 76 mg/kg

55 % R

0,25 E

33 % R

4,5 E

22 % R

Vitamin A

7.800 – 100.000 IE/kg

100.000 – 125.000 IE/kg

125.000 – 375.000 IE/kg

375.000 – 450.000 IE/kg

450.000 – 1.020.000 IE/kg

 

30 % R

30.000 E

24 % R

90.000 E

20 % R

 

Vitamin D 3

1.000 – 3.080 IE/kg

3.080 – 5.500 IE/kg

5.500 – 46.000 IE/kg

46.500 – 67.600 IE/kg

67.600 – 16.700.000 IE/kg

50 % R

1.540 E

28 % R

12.880 E

19 % R

Vitamin E

34 – 120 mg/kg

120 – 188 mg/kg

188 – 17.700 mg/kg

25 % R

30 E

16 % R

E = Einheiten absolut (% absolut, sofern keine anderen absoluten Angaben gemacht sind), bezogen auf das Futtermittel
% R = % relativ, bezogen auf den ermittelten Geha

Beispiel:

In einem Mineralfutter werden 2.000 mg Vitamin E/kg deklariert, aber nur 1500 mg/kg analysiert. Ist eine Beanstandung zulässig?
2.000 mg Vitamin E entsprechen 2.000 Einheiten.
Der analysierte Gehalt darf folglich um maximal 10 % vom deklarierten Wert abweichen (Toleranz).

   2.000 mg
   -  200 mg


= 1.800 mg

Vitamin E (deklarierter Gehalt)
(= 10 % Toleranz)

Vitamin E (noch rechtlich zulässiger Gehalt)

 

   1.500 mg

   + 240 mg


= 1740 mg

Vitamin E (Analysenbefund)

(= 16 % Analysenspielraum)

Vitamin E

 

 

Ergebnis:

Da der analysierte Wert (inkl. Analysenspielraum) von 1740 mg den noch zulässigen Wert von 1800 mg unterschreitet, ist das Mineralfutter zu beanstanden.

Analysenspielräume werden auch für einige unerwünschte Stoffe ausgewiesen, z.B. für die Fusariumtoxine Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEA).

Übersicht 3: Analysenspielräume für DON und ZEA

 

ermittelter Gehalt

Analysenspielraum

    Deoxynivalenol

140 – 32.000 µg/kg

40 % R

         Zearalenon

11 – 2.800 µg/kg

60 % R

 


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4525
E-Mail:


Stand: 11.08.2017