Ein neuer Weg in der Hähnchenfütterung? Phasenverschiebung und Weizenzulage
In einem 38-tägigen Mastversuch der Landwirtschaftskammern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurden zwei Futterkonzepte an jeweils drei Herkünften getestet. Dabei wurde geprüft, inwieweit die Darm- und die Fußballengesundheit durch die Fütterung positiv beeinflusst werden kann. Da die Ergebnisse der Mastleitung und Schlachtkörperbewertung bereits in der Ausgabe 22/2011veröffentlicht wurden, wird nachfolgend die Fütterung näher dargestellt.
In der Startphase wurden die Hähnchen der Versuchsgruppe durch Phasenverschiebung, ein Verschneiden von Starter und Mastfutter 1 und zusätzlicher Weizengabe verhaltener ernährt. Dadurch sollten die Tiere in der frühen Entwicklungsphase nicht so schnell wachsen und dann in der Ansatzphase, also acht bis zehn Tage vor Mastende, durch ein „Aufwerten“ des Alleinfutters kompensatorisches Wachstum zeigen. Ein Aufwerten wurde durch eine Reduzierung des Weizenanteils bis auf Null am 31. Masttag erreicht (Abb.1). Die Tiere der Kontrollgruppe wurden mit 100 % RAM-Futter (Tag 1-10 Starter, Tag 11-16 Mast 1, Tag 17-30 Mast 2, Tag 31-38 Endmast) standardgemäß versorgt.
Abbildung 1: So wurde in der Versuchsgruppe gefüttert (s. anliegende Datei)
Das Starterfutter war in beiden Gruppen gleich. Hauptkomponenten der Mischfutter waren Mais, Weizen und Sojaschrot, wobei das Mastfutter der Versuchsgruppe etwas mehr Sojaschrot und keinen Rapskuchen enthielt. In der Tabelle 1 (s. anl. Datei) sind die analysierten Nährstoffe dargestellt.
Die anliegende Abbildung 2 zeigt, wie sich das Protein- und Energieangebot durch den Weizeneinsatz im Versuchsverlauf geändert hat.
Der analysierte Rohproteingehalt des Versuchsfutters lag in der gesamten Mastperiode z.T. deutlich niedriger als im Kontrollfutter. Das Minimum wurde am 23. und 24. Tag mit 18,6 % Rohprotein erreicht, in dieser Zeit betrug der Weizenanteil 24 %. Das Futter der Kontrollgruppe hingegen enthielt mit 20,2 % deutlich mehr Rohprotein. Auch die Energieversorgung der beiden Gruppen zeigte unschiedliche Verläufe: mehr Energie für die Versuchsgruppe zu Beginn, aber insbesondere vom 19. bis 30. Tag deutlich weniger Energie als die Kontrollgruppe.
Wie hat sich die unterschiedliche Fütterung ausgewirkt? Alle Tiere erzielten extrem hohe Leistungen bei hervorragendem Gesundheitsstatus. Die mit Standardfutter versorgten Tiere der Kontrollgruppe erzielten im Durchschnitt Endgewichte von 2759 g und die Tiere der Versuchsgruppe 2671 g, wobei es nur bei Ross 308 gesicherte Unterschiede gab. Bei allen drei Herkünften war die Kontrollgruppe im Futterverbrauch je kg Zuwachs signifikant besser als die Versuchsgruppe. Die Schlachtkörpergewichte der mit Standardfutter versorgten Hähnchen lagen Im Mittel um 56 g höher als die der Versuchsgruppe, ebenso verhielt es sich beim Brustfiletgewicht (Ø 38 g). Während die Ross-Herkünfte signifikant bessere Fußballen bei proteinreduzierter Fütterung aufwiesen, war dies bei Cobb 500 nicht der Fall.
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Ob in der z.T. geringeren Nährstoffversorgung oder in den unterschiedlichen Protein-Energie-Verhältnissen eine mögliche Ursache für die unterschiedlichen Leistungen der beiden Gruppen liegt, oder - was nahe liegend ist - die Weizenzulage eher hätte beendet werden müssen, ist in weiteren Versuchen zu klären. Fakt ist aber, dass auch mit einer derart reduzierten Eiweißversorgung höchste Leistungen erzielt werden können.
Nährstoffausscheidungen
Durch die reduzierten Rohproteingehalte schieden die Hähnchen der Versuchsgruppe etwas weniger Stickstoff aus. Der Phosphatanfall war aber höher, da das Endmastfutter phosphorreicher war und mehr Futter je kg Zuwachs benötigte wurde.
Tabelle 2: Stickstoff- und Phosphatanfall der Kontroll- (K) und der Versuchsgruppe (V) (s. Anlage)
Zusammenfassung
In einem Hähnchenmastversuch wurde eine 4-Phasen-Standardfütterung (RAM) mit dem Konzept Phasenverschiebung plus Weizenzulage verglichen und an drei Herkünften getestet. In beiden Futtergruppen wurde ein außergewöhnlich hohes Leistungsniveau erreicht, der Gesundheitsstatus war hervorragend. Die Proteinreduzierung verbesserte die Fußballengesundheit bei zwei Herkünften. Das Ziel, das kompensatorische Wachstumsvermögen voll auszuschöpfen, wurde nicht erreicht. Der Einsatz des Endmastfutters ohne Weizenzulage erfolgte vermutlich beim Schlachtalter von 39 Tagen zu spät.




