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Neue Biogassorten haben nicht nur Masse

Analog zum Silomaisanbau für die Rindviehfütterung ist auch für die Biogasnutzung ein leichter Anbaurückgang aufgrund der letztjährigen hohen Erträge festzustellen. Die Stagnation im Ausbau neuer bzw. bei der Erweiterung bestehender Biogasanlagen ist weiterhin vorhanden. Hieran wird sich ohne einen Wechsel der politischen Rahmenbedingungen auch wenig ändern. Ein Zubau neuer Biogasanlagen ist lediglich im Bereich der sogenannten 75 kW Gülleanlagen erkennbar, die jedoch nicht auf Einsatz von Energiepflanzen angewiesen sind.

Eine ausführliche Ergebnisdarstellung der diesjährigen Landessortenversuche Silomais in den drei Reifegruppen früh (bis S 220), mittelfrüh (S 230 bis S 250) sowie mittelspät (ab S 260) ist bereits veröffentlicht worden. Ebenso wurden auch die zusammengefassten mehrjährigen Ergebnisse detailliert für die einzelnen Regionen Niedersachsens (Nord, Süd, Ost) dargestellt. Diese ein- und vor allem mehrjährigen Ergebnisse aus den Landessortenversuchen bilden auch die Grundlage für die Biogas-Sortenempfehlung.

Die Landessortenversuche (LSV) Silomais wurden an bis zu 11 Standorten (mittelfrühes Sortiment) niedersachsenweit durchgeführt. Entsprechend der Anbaubedeutung der Reifegruppen in den jeweiligen klimatischen Regionen wurden die Sortimente früh bzw. mittelspät nur auf den für sie relevanten Standorten geprüft; d.h. die frühen Sorten bevorzugt in klimatisch eher ungünstigen Regionen und die mittelspäten Sorten schwerpunktmäßig in Regionen mit tendenziell günstigeren Abreifebedingungen. Dank der Hinzunahme weiterer Versuchsstandorte aus benachbarten Bundesländern ist es möglich regionalbezogene Sortenempfehlungen auszusprechen, um den entsprechenden standörtlichen Boden- bzw. Klimabedingungen Rechnung zu tragen.

Die Darstellung der Sorten (s. Sortenempfehlung Biogas) in diesem Artikel wurde auf die für die Biogasnutzung empfohlenen Sorten beschränkt.

 

Basis der Sortenempfehlung für Biogas ist der Trockenmasseertrag und das Abreifeverhalten der Sorten. Insbesondere das Abreifeverhalten der Sorten war 2015 vornehmlich in den nördlichen Landesteilen ein wichtiger Gesichtspunkt der Sortenbeurteilung. Wer hier zu optimistisch mit spät abreifenden Sorten im Frühjahr die Aussaat durchgeführt hatte, wurde entweder durch geringe TM-Gehalte und/oder durch eine deutlich verzögerte Ernte „bestraft“.

Neben dem sortenspezifischen Abreifeverhalten ist bei der Anbauplanung in jedem Fall zu berücksichtigen, wie der Mais in Fruchtfolgen eingebunden wird. Soll beispielsweise eine Vornutzung von Grünroggen oder Ackerfuttergras im Frühjahr erfolgen, ist eine spätere Maisaussaat mit entsprechend früher abreifenden Sorten einzuplanen. Auf der anderen Seite sollte bei Vorgabe einer zeitigen Wintergetreideaussaat auch hier das Augenmerk auf eine sichere Abreife der angebauten Sorten gelegt werden. Eine zeitige Ernte noch im September kann ebenfalls erforderlich sein, wenn Zwischenfrüchte im Rahmen von Greening-Maßnahmen noch im September bestellt werden müssen oder aber im Mais angelegte Untersaaten ausreichende Entwicklungsmöglichkeiten im Herbst erhalten sollen. Bei einer Wintergetreideaussaat zur GPS-Ernte nach der Maisernte hat sich ebenfalls ein früher Aussaattermin als günstig erwiesen. Versuche zeigen, dass Wintergetreide die Vegetationszeit im Oktober oftmals effektiver in Ertrag umsetzt als ein später abreifender Mais. Probleme der Befahrbarkeit in einem feuchten Herbst sind dabei noch unberücksichtigt. Alle diese Gründe können dafür sprechen, die Sortenwahl nicht ausschließlich auf den maximalen Ertrag auszurichten, sondern hohe Erträge mit früher abreifenden Sorten zu realisieren. Lediglich in klimatisch günstigen Regionen mit einer guten Befahrbarkeit der Böden im Herbst macht der Anbau später abreifender Sorten Sinn, wenn sie genügend Zeit haben ihr Ertragsvermögen auszuschöpfen.

Spielt Qualität eine Rolle?

Zu diesem Thema scheiden sich die Geister. Die Ansichten gehen von „Entscheidend ist der Trockenmasseertrag“ über „viel Stärke bringt auch viel Gas“ bis hin zu „eine hohe Restpflanzenverdaulichkeit fördert die Gasausbeute“. Wie sich die Unterschiede in der Biomassezusammensetzung konkret auf die Gasausbeute auswirken, ist leider nach wie vor nicht abschließend geklärt. Es steht zu befürchten, dass die ersten Biogasanlagen wieder vom Netz gehen, bevor es eine einheitliche und nachvollziehbare praxisrelevante Bewertung gibt. In der Praxis werden zum Teil sehr wohl Unterschiede in der Gasausbeute bei unterschiedlichen Silagen wahrgenommen, die auf konkrete Parameter jedoch noch nicht eindeutig zurückzuführen sind. Zur Qualitätsbeurteilung der Silomaissorten muss daher weiterhin auf die für die Rindviehfütterung relevanten Parameter, wie NEL-Gehalt, Stärkegehalt und –ertrag sowie die Verdaulichkeit der Restpflanze zurückgegriffen werden, die entsprechend in den Sortenempfehlungen neben Ertrag und Abreife aufgeführt sind.

Vertragsanbauer von Mais für eine Biogasanlage orientieren sich bei der Sortenwahl, soweit sie nicht bereits von der aufnehmenden Biogasanlage vorgegeben sind, an den Abrechnungsmodalitäten. Hier erfolgt in der Regel die Abrechnung auf Basis TM-Ertrag.

Zunehmend einig ist man sich in Bezug auf die optimalen TM-Gehalte zum Zeitpunkt der Ernte. Viele Biogasanlagenbetreiber streben als optimale TM-Gehalte nicht mehr nur 32 % an, sondern möchten bewusst die Stärkeeinlagerung der Sorten ausnutzen und erst mit höheren TM-Gehalten von etwa 34 bis 36 % ernten. Bei den für Biogasbetriebe in der Regel groß dimensionierten Silomieten vermindern diese höheren TM-Gehalte entsprechend auch die Gefahr der Sickersaftbildung. Ein konsequentes Silomanagement mit intensivem Festfahren und einer sorgsamen Abdeckung ist dabei Pflicht.

Da sich die Maisernte bei Biogasanlagen in der Regel über einen längeren Zeitraum erstreckt, ist auch das konkrete Abreifeverhalten der Sorten von Bedeutung. Die farbliche Hinterlegung der Spalte 1 in der Sortentabelle beschreibt, ob es sich um eine Sorte mit stärkerem „stay green Verhalten“ (dunkelgrün hinterlegte Zelle) oder um eine in der Restpflanze rasch abreifende Sorte (hell hinterlegte Zelle) handelt. Sorten mit „stay green“ Verhalten sind in der Regel ernteelastischer und weisen bei verspäteter Beerntung weniger Probleme bei der Silierung auf.

 

Sortenempfehlungen

Im frühen Sortiment hat die Sorte SY Amboss aufgrund der hohen Ertragsleistungen eine niedersachsenweite Empfehlung für die Biogasnutzung erhalten. Cathy kombiniert hohe Trockenmasseerträge mit einer gleichzeitig guten Energiedichte, wobei die guten Leistungen vor allem im Süden und Osten erzielt wurden. Sie ist für diese Regionen sowohl für die qualitätsbetonte Rindviehfütterung als auch im Bereich maisbetonte Rationen und für den Biogaseinsatz empfohlen. Tokala behält ihre Biogasempfehlung in den Regionen Nord und Ost. Die in diesem Sortiment spät abreifende Sorte LG 30217 überzeugte vor allem im Süden mit hohen Ertragsleistungen. Ebenfalls für den Süden erreichen Laurinio und Farmflink eine Anbauempfehlung. Von den fünf erstmals im LSV geprüften Sorten erreichen LG 30248, Mallory und SY Talisman dank sehr hoher TM- und Energieerträge für Biogas und maisbetonte Rationen eine vorläufige Anbauempfehlung.

 

Höhenlagen

Speziell für die klimatisch eher ungünstigeren Standorte wurden die Ergebnisse der Versuchsstandorte aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zusammengestellt um entsprechende Anbauempfehlungen auszusprechen. Die Prüfsorten des frühen Sortimentes wurden um ausgewählte Sorten mit der Reifezahl S 230 aus der mittelfrühen Reifegruppe ergänzt. Hier erreichten eine Vielzahl von Sorten überdurchschnittliche Erträge, sodass zahlreiche Sorten eine Anbauempfehlung für den Bereich Biogas erhalten haben. Zu nennen sind aus der frühen Reifegruppe: Cathy, Tokala, Zoey, Laurinio, SY Werena, LG 30223, LG 30215, Messago, Rianni CS, Babexx und Kwinns, sowie die einjährig geprüften Sorten LG 30248, Mallory, SY Talisman, Stacey und SY Pracht.

Von den mitgeprüften Sorten mit Reifezahl S 230 erreichten die Sorten Farmicus, Toninio, Panvinio, und Carolinio KWS dank hoher Erträge eine Anbauempfehlung. Dank sehr guter Leistungen im ersten Prüfjahr wurde auch für SY Welas und Farmfire speziell für die Biogasnutzung eine vorläufige Anbauempfehlung für diese Standorte ausgesprochen.

Sorten aus der mittelfrühen Reifegruppe  bilden in der Praxis den überwiegenden Anbauschwerpunkt der Biogassorten. Aufgrund der Vielzahl an geprüften Sorten ist auch eine höhere Anzahl an Sorten für die Biogasnutzung empfohlen worden.

Am ertragsstärksten erwies sich die zweijährig geprüfte Sorte Simpatico, die qualitativ allerdings eher unterdurchschnittlich einzustufen ist. ES Metronom und Farmplus erreichen ebenfalls eine landesweite Biogasempfehlung und sind regional auch für die Rindviehfütterung interessant. LG 30252 überzeugte landesweit und P 8372 vor allem im Süden und Osten als massenbetonter Typ. SY Kardona im Osten und Farmicus im Norden sowie Grosso im Süden erhalten eine regionale Anbauempfehlung für Biogas und zusätzlich in bestimmten Regionen auch für die maisbetonte Rindviehfütterung. Barros behält im Süden die Anbauempfehlung für Biogas. Die 2015 nicht mehr mitgeprüfte Sorte Fernandez bleibt auf Grund ihrer in den vergangenen Jahren erzielten überdurchschnittlichen Trockenmasseerträge bei allerdings unterdurchschnittlichen Qualitäten in der Biogasempfehlung für den südlichen und nördlichen Bereich. Mittelfrühe qualitätsbetonte Sorten, die im vergangenen Jahr noch eine Empfehlung erhielten, sind durch neuere, ertragsstärkere Sorten hinausgedrängt worden. Anlagenbetreiber die parallel zu ihrer Anlage auch eine Rindviehherde versorgen müssen, sollten von daher die vollständige Sortendarstellung des allgemeinen Sortenartikels bei ihrer Sortenentscheidung mit einbeziehen.

Innerhalb der mittelfrühen Reifegruppe wurden zahlreiche Neuzulassungen erstmals im Landessortenversuch geprüft. Positiv hervorzuheben ist, dass es sich bei den ertragsstarken Sorten nicht ausschließlich um reine Massentypen handelt, sondern sie auch aufgrund akzeptabler Qualitäten eine vorläufige Anbauempfehlung für Biogas und Rindviehfütterung erhalten. Landesweit überzeugten Corfinio KWS, Agro Polis, Frederico KWS und P 8201. Im Norden und Osten erreichte ES Amulet und im Süden und Osten SY Welas überdurchschnittliche Erträge und wurden in der Gesamtbeurteilung auch für die maisbetonte Rindviehfütterung niedersachsenweit positiv eingestuft.

In der Reifegruppe Mittelspät sind für klimatisch günstige Standorte Sorten mit einem stark differenzierten Abreifeverhalten geprüft worden. Agro Vitallo und ES Peppone überzeugen wiederum mit einer sehr hohen Ertragsleistung und sind aufgrund ausreichender bzw. guter Energiedichte auch für die Rindviehfütterung geeignet. Pauleen, Ampatico KWS und Atletas sind aufgrund ihrer hohen Trockenmasseerträge ausschließlich für die Biogasnutzung landesweit empfohlen. SY Campona erhält als einzige mehrjährig geprüfte Sorte in dieser Reifegruppe eine Empfehlung für qualitäts- und ertragsbetonte Silagen sowie für die Regionen Nord und Ost dank hoher TM-Erträge auch eine Biogasempfehlung. Die spät abreifende Sorte ES Yeti überzeugte im Osten in der Nutzungsrichtung maisbetonter Silomaistyp und zusätzlich im Osten und Süden für den Bereich Biogas. Ebenfalls als sehr spät abreifend sind die Sorten Palmer und die 2015 nicht mehr geprüfte Sorten P 0746 anzusprechen. Da sie trotz unterdurchschnittlicher TM-Gehalte hohe TM-Erträge erreichten, verbleiben sie für klimatisch sehr günstige Standorte im Süden und Osten in der Biogasempfehlung. Von den erstmalig geprüften Kandidaten in dieser Reifegruppe überzeugte Walterinio KWS durch sehr hohe TM-, Stärke-, und Energieerträge bei gleichzeitig durchschnittlichen Qualitäten, sodass diese Sorten eine vorläufige generelle Anbauempfehlung für die Rindviehfütterung sowie für die Biogasnutzung erhält. Kilomeris erweist sich als ertragsbetonte Sorte für den Bereich Biogas. Sehr spät abreifend aber hochertragreich zeigt sich MAS 26 T und könnte unter Berücksichtigung der niedrigen TM-Gehalte nur für die Regionen Süden und Osten interessant sein. Kantorus überzeugte im Norden durch hohe Erträge.

Die Ergebnisse der neu in die Landessortenversuche aufgenommenen Sorten zeigen für die Nutzungsrichtung Biogas, dass die Zahl der rein auf Massenertrag ausgerichteten Typen stark rückläufig ist. Vielmehr finden sich bei den ertragsstarken neuen Sorten viele Kandidaten, die ein deutlich verbessertes Qualitätsniveau aufweisen. Dieser Trend sollte sich für die Biogasausbeute in den Silagen positiv auswirken. Die in der Empfehlungstabelle dargestellten Sorten und deren Eigenschaften  bilden die aus ertraglicher Sicht erfolgversprechendsten Kandidaten für ihre Sortenentscheidung. Welche zusätzlichen Abreife- und Qualitätsparameter ergänzend bei der Sortenwahl berücksichtigt werden, muss individuell vom Landwirt bzw. Biogasanlagenbetreiber für seinen Standort und den Bedingungen vor Ort entschieden werden.


Kontakt:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Carsten Rieckmann
Berater Energiepflanzen
Telefon: 0511 3665-4357
Telefax: 0511 3665-4500
E-Mail:


Stand: 10.12.2015



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