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Sortenergebnisse LSV Körnermais - Rückblick und Sortenempfehlung

Nach der zum Teil deutlich verspäteten Silomaisernte erreichte der Körnermais in diesem Jahr ähnlich verzögert die Reife. Nicht alle Bestände haben die notwendige Druschreife erreicht. Insgesamt waren die Restfeuchtegehalte im Erntegut in diesem Jahr leicht erhöht, was die Trocknungskosten steigen ließ. Die Erträge erreichten beim Körnermais kein Rekordniveau und lagen leicht unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Die späte Abreife und die zum Teil deutlich geringeren Erträge im nördlichen Niedersachen waren Folge der schwierigen Witterung im Frühjahr und im Frühsommer. Ab Anfang Mai hatte der wärmeliebende Mais mit niedrigen Temperaturen zu kämpfen, so dass viele Bestände von Anfang an eine schwierige Jugendentwicklung hatten. Nur sehr früh gesäter Mais konnte noch ein wenig von den besseren Bedingungen im April profitieren und zeigte dies später auch deutlich im besseren Ertrag und Abreifeverhalten. Wärmere Bedingungen setzten erst zur dritten Junidekade ein. Bis dahin hatten die Maisbestände eine schwere Zeit, in der es nicht immer gelang den Pflanzenschutz optimal und ohne negative Auswirkungen für den Mais zu gestalten. Der Reihenschluss wurde erst verzögert erreicht. Die Frühsommertrockenheit, welche mit der kühlen Phase einherging, hat den Mais kaum belastet, da dieser witterungsbedingt ohnehin kaum wachsen konnte. Mit dem Ansteigen der Temperaturen setzte auch Regen ein, so dass ab diesem Zeitpunkt optimale Wachstumsbedingungen herrschten. Nun versuchten die Bestände ihren Entwicklungsrückstand aufzuholen, was im südlichen Niedersachsen auch sehr gut gelang. Die Blüte der Maisbestände wurde jedoch um einige Tage verzögert erreicht, was zur Folge hatte, dass dem Mais diese für ihn normalerweise hocheffektiven Sommertage zur Kolbenbildung fehlten. Diese „Verspätung“ von wenigen Tagen führte zusammen mit einem feuchtkühlen September dazu, dass sich die Abreife der

Bestände deutlich verzögerte. Im nördlichen Niedersachsen waren diese Auswirkungen noch gravierender, so dass vielfach eine geplante Körnermaisnutzung der Maisbestände nicht oder nur sehr spät und schwierig möglich war. Die besten Chancen auf ein Erreichen der Druschfähigkeit des Korns hatten dabei die frühen und gut abreifenden Sorten, die im Sortenratgeber Körnermais der LWK Niedersachsen auch entsprechend ausgewiesen sind (siehe Tabelle „Sortenratgeber Körnermais“). In diesem wertvollen Hilfsmittel zur Sortenwahl werden auch der Kornertrag und der um Schwund und Trocknungskosten bereinigte Markterlös dargestellt und bewertet. Die Sortenempfehlungen für Körnermais werden dabei auf Basis der bereinigten Marktleistung und die für CCM auf Basis des Kornertrags ausgesprochen. Darüber hinaus sind hier auch Informationen zu Lageranfälligkeit, Wuchshöhe, Stängelfäule- und Blattfleckenempfindlichkeit enthalten. Die Abreife ist bei Körnermais mit das wichtigste Erfolgskriterium, da die Trocknungskosten (0,11 €/dt und %-Gesamtfeuchte bei 17 €/dt Erlös) einen deutlichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit haben.

Die genannten Sorteneigenschaften werden anhand der Landessortenversuche Körnermais, unter Einbeziehung der Zulassungsprüfungen (WP oder EUP), ermittelt und mehrjährig ausgewertet (siehe Ergebnistabellen „Nord“ und „Süd“). Auf dieser Basis werden die Sorten bewertet und die Besten bekommen eine Anbauempfehlung. Die Neuzulassungen müssen für eine Empfehlung aufgrund der geringeren Datenmasse ein höheres Leistungsniveau erreichen, als bereits mehrjährig LSV-geprüfte Sorten. Die Tabellen weisen in diesem Jahr 15 neue Sorten aus, das entspricht in etwa einem Drittel des Prüfsortiments. Dies zeigt die hohe Fluktuation in den Prüfungen. Einige Neuzulassungen werden bereits im nächsten Jahr nicht weitergeprüft werden, da ihre Leistungen nicht überzeugen konnten. Andere werden noch einige Jahre weitergeprüft werden können, da sich bereits nach dem ersten Jahr abzeichnet, dass sie auch über Jahre hinweg zum Spitzensortiment gehören werden. Ältere Sorten zeigen zum Teil, dass sie nicht mehr dem aktuellen Leistungsniveau entsprechen und mittlerweile vom Züchtungsfortschritt überholt werden. Auch diese werden im kommenden Jahr nicht mehr weitergeprüft und machen „Platz“ für die Neuzulassungen 2016. Aus diesem Vorgehen ergibt sich, dass die allermeisten wirklich leistungsstarken Sorten im LSV gegeneinander geprüft werden und nur das Spitzensegment des Sortenmarktes auch tatsächlich für den Anbau empfohlen wird.

Die Körnermais-Anbauempfehlungen stellen sich in diesem Jahr wie folgt dar:

Region Süd

In der eigentlichen Körnermaisanbauregion Niedersachsens, dem klimatisch begünstigten Süden, werden die Sorten Laurinio (K 200), Ricardinio (K 220), Amagrano (K 210), Colisee (K 220), Rivaldinio KWS (K 240), Tiberio (K 230), Farmplus (K 220) und ES Metronom (K 240) weiterhin für den Anbau als Körnermais empfohlen. Die Neuzulassungen Santimo (K 210), Vitally (K 230), Stacy (K 210) und SY Talisman (K 230) werden darüber hinaus für den Probeanbau empfohlen, da diese besonders überzeugende Marktleistungen erbracht haben.

Region Nord

Im nördlichen Niedersachsen werden die Sorten Laurinio (K 200), Ricardinio (K 220), Amagrano (K 210), Colisee (K 220), Tiberio (K 230) und ES Metronom (K 240) für den Anbau als Körnermais empfohlen. Für den Probeanbau werden die Neuzulassungen Santimo (K 210), Vitally (K 230) und Liprimus (K 210) empfohlen.

In der Region Nord sollte bei der Sortenwahl für den Körnermaisanbau, abhängig von den jeweiligen Standorteigenschaften, besonders auf die Abreife geachtet werden. Ein Jahr wie 2015 zeigte hierbei deutlich Grenzen auf, die es in einer Bewertung des Anbaurisikos zu beachten gilt. Im Norden bedeutet dies für die meisten Standorte, dass das Augenmerk auf früh abreifende Sorten gelegt werden sollte, welche in diesem Merkmal mit mindestens einem „+“ gekennzeichnet sind. Einzig in Gunstlagen ist der Anbau späterer Sorten sinnvoll möglich.

Sortenempfehlungen für CCM

Die Nutzung von Mais als CCM nimmt zu. Dies ist bei relativ niedrigen Preisen für Silomais oder hohen Erträgen nicht verwunderlich, denn so können auf diese Weise Übermengen, die auf den Siloplatten keinen Platz mehr finden würden, platzsparend als Reserve oder für eine Weitervermarktung gelagert werden. Eine Vermarktung ist insofern nicht uninteressant, als dass aufgrund der hohen Energiedichte bei CCM auch eine deutlich höhere Transportwürdigkeit als für Silomais besteht.

CCM wird mittlerweile nicht nur in der Schweinemast eingesetzt. Auch in der Fütterung von Milchkühen und Biogasanlagen hat es seinen festen Platz gefunden.

Maissorten mit Anbauempfehlungen für Silomais und CCM stehen durchaus zur Verfügung, so dass eine flexible Nutzung möglich ist (siehe auch Silomaissortenempfehlungen in Ausgabe 49).

Region Süd

Für das südliche Niedersachsen werden die Sorten P 8134 (K 250), Claudinio (K 250), Rivaldinio KWS (K 240), P 9027 (ca. K 250), Grosso (K 250), Toninio (K 240), Metronom (K 240) und Millesim (K 250) für den CCM-Anbau empfohlen.

Mit den Sorten Santimo (K 210), Liberator (K 240), SY Talisman (K 230) und ES Crossman (K 220) stehen neu, ertragsstarke Sorten für den Probeanbau zur Verfügung und erhalten eine Anbauempfehlung.

Region Nord

Im nördlichen Niedersachsen werden zur CCM-Produktion die Sorten Grosso (K 250), Millesim (K 250), Claudinio (K 250), Rivaldinio KWS (K 240), P 8134 (K 250) und Alduna (K 250) aufgrund ihrer hohen Erträge an günstigen Standorten empfohlen. Jedoch spielt im nördlichen Niedersachsen die maximal zu erreichende Abreife eine entscheidende Rolle, so dass in weniger günstigen Lagen auf früher abreifende Sorten zurückgegriffen werden sollte. Die Empfehlungen für den Probeanbau bieten hier mit Santimo (K 210) und Vitally (K 230) zwei früher abreifende Sorten; zusätzlich werden auch SY Talisman (K 230) und Liberator (K 240) empfohlen.

Durch die Nutzung des Maises als Druschfrucht ist eine flexible Ernte und Vermarktung des hoch ertragsreichen Maises möglich. Durch eine geschickte Sortenwahl ist es möglich in jeder Nutzungsrichtung gute bis sehr gute Ergebnisse zu erzielen. Daneben ist es auch möglich nur eine Teilfläche des betrieblichen Maisanbaus flexibel und als Puffer zu planen. So kann auf witterungsbedingte sehr hohe oder niedrige Erträge im Silomaisanbau flexibel reagiert werden. Eine kapitalintensive Bevorratung mit Silage wird dadurch nicht notwendig, gleichzeitig kann über die Marktfrucht Körnermais die Liquidität und der Gewinn des Betriebes optimiert werden.

Die Sortenempfehlungen der LWK Niedersachsen, sowie unsere Berater vor Ort, helfen, die für den jeweiligen Standort optimal angepasste Sortenwahl zu treffen.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 16.12.2015



PDF: 183/6CA4A362-E761-5A68-A80E7930DBF5A972.pdf - 2271.83300781 KB   Sortenratgeber Silomais 2016   - 2272 KB  
PDF: 183/AAA5BBA5-91D7-B2A2-9833053059435CC1.pdf - 200.946289062 KB   KM-Sortenratgeber Grafiken 2016   - 201 KB  
PDF: 183/AAA6D4D2-DC6B-EF7B-734B21D414AE7A3E.pdf - 183.994140625 KB   Regionalergebnisse KM 10-15   - 184 KB