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Weitere Feldkontrollen und Virustestung 2017

Auspflanzung und Entwicklung der Kartoffeln in diesem Frühjahr waren teilweise erheblich verzögert. Demzufolge konnte bei vielen Pflanzkartoffel-Vermehrungen erst später mit der Feldbesichtigung begonnen werden. Rund 250 Vermehrungsbestände können erst Mitte Juli abschließend durch den Feldbesichtiger beurteilt werden. Nun sind Art und Umfang der weiteren Feldkontrollen und der anschließenden Virustestung festgelegt worden.

 

Die Durchführung von mindestens zwei Feldbesichtigungen ist gesetzlich vorgegeben. Denn die Anerkennungsverfahren sollen erfolgreich bearbeitet werden und der Pflanzgut-Empfänger soll qualitativ hochwertige Ware erhalten. In jedem Feldbestand wurden durch den Feldbesichtiger vielfältige Anforderungen an die Pflanzkartoffeln überprüft, die alle darauf ausgerichtet sind, hochwertiges Pflanzgut zu erzeugen. Durch Pflanzgut übertragbare Krankheiten waren ein Schwerpunkt bei der Besichtigung: Viruskrankheiten, welche durch Blattläuse als Vektoren oder auch mechanisch übertragbar sind, sowie die bakterielle Schwarzbeinigkeits-Krankheit (Erwinia- bzw. Dickeya-Erreger) durften nur bis zu bestimmten Obergrenzen auftreten. Aber auch die Blattlausfreiheit selbst sowie Vorgaben an die Mindestentfernung wurden geprüft. Jeder Bestand musste ordnungsgemäß mit dem Produktionsziel Pflanzkartoffeln geführt sein: eine sinnvolle Bestandesdichte war erforderlich, Durchwuchs von alten Kartoffeln vergangener Anbaujahre wurde erfasst und bewertet; auf möglichen Nematodenbefall wurde der Blick gelenkt; Probleme durch fehlerhafte Bearbeitung oder Behandlung (z.B. durch Pflanzenschutzmittel oder erheblicher Unkrautbesatz) durften im Grundsatz nicht vorhanden sein. War eine Bereinigung notwendig, musste diese ordnungsgemäß erfolgen: Reste von Pflanzen mit Schwarzbeinigkeits-Symptomen sowie bereits gebildete Tochterknollen bereinigter Stauden mussten entfernt sein. In allen Feldern hat der Feldbesichtiger überprüft, ob die Anforderungen zum Vorgewende, zu Trennreihen, Abtrennungen und dem Nicht-Überfahren von Pflanzen erfüllt sind. Diese mögen fomal erscheinen, stellen jedoch ein Muss dar im Sinne von Sortenreinheit und phytosanitärer Klarheit und sie sollen - nach Absterben des Krautes - eine korrekte Probenahme im Feld ermöglichen. Ebenfalls informatorisch erfasst, aber nicht gewertet, wird der Befall mit Rhizoctonia solani, dem Erreger der Wurzeltöterkrankheit.

Abgeschlossen wurde damit also die „reguläre“ Feldbesichtigung, bei der alle aufgezeigten Anforderungen sowohl zum ersten Termin als auch eben später zur zweiten Feldbesichtigung erfüllt sein mussten. Allerdings steht (mit Stand Anfang Juli) noch bei 992 Feldern die zweite Feldbesichtigung aus; 61 Felder haben sogar noch nicht di erste Feldbesichtigung absolviert. Demnach sind bisher insgesamt rund 1,4% der Vermehrungsfläche entsprechend 85 ha der insgesamt angemeldeten 6.143 ha ohne Erfolg feldbesichtigt oder zurückgezogen. Dabei wurden viruskranke Pflanzen bisher in mehr als 580 der insgesamt 2.802 Vermehrungen gefunden, allerdings lediglich bei 2 Vermehrungen in Höhe von mehr als 2,0%, der seit 2016 geltenden Norm für Z/B-Pflanzgut, der niedrigsten Kategorie und Klasse. Insgesamt findet sich in den Pflanzkartoffelbeständen relativ wenig Virusbefall.

Weitere Prüfung auf Schwarzbeinigkeit

Schwarzbeinigkeit wurde bisher bei rund 340 Vermehrungen gefunden. Hier ist der Grenzwert für die niedrigste Stufe Z/B aufgeweicht auf 1,2% (neu geltend seit 2016). Bei den stärker betroffenen Vermehrungen (Befall >0,4%) findet jedoch eine dritte Besichtigung auf Schwarzbeinigkeit statt. Die Ende Juni/Anfang Juli aufgetretenden Niederschläge leisten der Krankheit weiteren Vorschub: Nässe und Spritzwasser begünstigen die Verbreitung der Bakterien.

An die Feldbesichtigung schließt sich die dreigeteilte Beschaffenheitsprüfung an: zunächst folgt an i.d.R. im Feld gezogenen Kartoffelproben die Virustestung als Augenstecklings- und oft Labor-Test; dann die Testung auf Bakterielle Ringfäule und Schleimkrankheit als Labor-Test; und als dritter Schritt die Prüfung auf Knollenkrankheiten und äußere Mängel als Knollen-Bonitur bei der Aufbereitung des Pflanzgutes im Lager. Für die Anerkennung von Vorstufen- und aller Klassen von Basispflanzgut ist ein Virustest generell Voraussetzung. Hier wird nach dem Augenstecklingsverfahren auf alle sechs Viruskrankheiten getestet: Y-, Blattroll-, X-, S-, M-, A-Virus. Die sogenannten Augenstecklinge werden visuell auf Viruskrankheiten beurteilt. Zusätzlich erfolgt an Blättern aller Stecklinge eine serologische Untersuchung im ELISA-Test im Labor auf die genannten 6 Kartoffelviren. Dieser Labor-Test zeigt auch latenten, mit dem Auge nicht sichtbaren Befall.

Befreiung vom Virustest

Für Pflanzkartoffeln ist ein Virustest im Anerkennungsverfahren vorgeschrieben, auch bei der Erzeugung Zertifizierten Pflanzgutes ist dieser im Grundsatz erforderlich. Die Anerkennungsstelle kann aber auf die Prüfung auf Viruskrankheiten verzichten, wenn das Resistenz-Verhalten der Sorte und die Tatsache, dass nur geringe Infektionsmöglichkeiten bestanden haben, die Annahme rechtfertigen, dass das geerntete Pflanzgut die Anforderungen an den Virusbefall erfüllt, die in der Beschaffenheitsprüfung eingehalten werden müssen. Bei der Entscheidungsfindung spielen verschiedene Gesichtspunkte eine Rolle. Heranzuziehen sind u.a. die vom Bundessortenamt bei der Sortenzulassung festgestellten und danach in unseren seit etlichen Jahren durchgeführten Nachkontrollanbauten beobachteten Resistenzeigenschaften der Sorten gegenüber dem Y-Virus als bedeutendstem Kartoffelvirus. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist natürlich die Blattlauslage. Blattläuse sind Vektoren für die Übertragung der bedeutendsten Viren. Deshalb ist ihr Auftreten ein Maßstab für die Übertragungswahrscheinlichkeit von Viren. Der Frühjahrsflug war in diesem Jahr zwar in gewissem Maße vorhanden, jedoch bisher kein zu erwartender nennenswerter Sommerflug, es gibt aufgrund der letztjährigen Virussituation relativ wenig virusinfizierte Pflanzen, so dass die unmittelbare Virus-Übertragungsgefahr wiederum nicht als hoch zu bewerten ist.

Deshalb werden die Vermehrungsvorhaben mit dem Ziel der Erzeugung Zertifizierten Pflanzgutes der Klasse A von 29 Sorten (siehe Tabelle) vom Virustest befreit, wenn

l Blattlausfreiheit bei den 2 abgeschlossenen Feldbesichtigungen bestand.
l keine Nachbesichtigung wegen Virusbesatz erforderlich war.
l aufgrund von Anmeldung oder Feldbesichtigung keine anderen Tatbestände zur Testung führen (z.B. Verdachtsteste)
l Blattlausfreiheit zum 3. Kontrolltermin ab 20. Juli 2017 besteht.
l kein Wiederaustrieb zum 4. Kontrolltermin ab 24. August 2017 vorhanden ist.
Diese Vermehrungen von Sorten aller Reifegruppen müssen also noch 2 weitere Kontrollen durchlaufen; dabei geht es nur noch um Blattlausfreiheit bzw. Wiederaustrieb. Damit ist im Z/A-Bereich nach derzeitigem Stand eine Verminderung des Testumfangs um 396 Schläge möglich; für diese 396 Vorhaben der genannten 29 Sorten besteht also die Möglichkeit der Befreiung vom Virustest. Dagegen den Virustest durchlaufen müssen auch im Bereich der Erzeugung von Z/A-Pflanzgut alle anderen 186 der in Niedersachsen zur Vermehrung angemeldeten Sorten; wobei längst nicht von allen Sorten Vermehrungen der Kategorie Z/A existieren. Alle Z/B-Vermehrungen sowie Vermehrungen von Z-Pflanzgut mit Ausgangsmaterial aus demselben Betrieb werden generell auf Virus getestet. Soll die Möglichkeit der Testbefreiung in Anspruch genommen werden, muss dies der Anerkennungsstelle vom Anmelder rechtzeitig angezeigt werden, ansonsten findet die obligatorische Virustestung statt. Von testbefreiten Partien wie auch von den Partien im Virustest wird wieder ein Nachkontrollanbau durchgeführt, der der eigenen Kontrolle des Anerkennungssystems und der Kontrolle der Erzeugerseite dient.

Gefahr Wiederaustrieb

Die Krautminderung sollte erst dann vorgenommen werden, wenn die entsprechende physiologische Reife des Bestandes vorliegt. Auch die erreichte Knollengröße spielt natürlich eine Rolle. Treiben Mutterknollen von Kartoffelstauden wieder erneut aus, tritt also Wiederaustrieb auf, so stellt dieses junge und nährstoffreiche Gewebe einen ausgesprochenen Attraktionspunkt für Blattläuse dar: die Virusinfektionsgefahr mit nachfolgender Virusableitung in die bereits gebildeten Tochterknollen ist dann besonders groß. Deshalb verfährt der Feldbesichtiger bei der Kontrolle auf Wiederaustrieb sehr restriktiv. Den abschließenden Teil der Beschaffenheitsprüfung bei Pflanzkartoffeln stellt die visuelle Prüfung der Knollen jedes Vermehrungsvorhabens dar. Diese Prüfung erfolgt bei der Aufbereitung und vor dem Abpacken durch die Vertragsfirmen. Dabei stellt der Probenehmer gewissenhaft Knollenkrankheiten und äußere Mängel einer Partie fest, was ggf. Konsequenzen hinsichtlich der Verwendung der Partie als Pflanzkartoffeln haben kann. 

Möglichkeit zur Testbefreiung

Die Möglichkeit der Befreiung vom Virustest von Z/A-Pflanzgut besteht 2017 bei folgenden 29 Sorten:

I a

Sehr frühe

Speisesorten

 

Osira

Rosara

 

 

Salome

II a

Frühe

Speisesorten

 

 

Belana

Birte

 

 

Vineta

Wega

 

II b

Frühe

Wirtschaftssorten

 

 

Tomensa

 

III a

Mittelfrühe

Speisesorten

Concordia

Laura

Mariola

Miss Malina

 

Omega

Red Fantasy

Solara

Soraya

III b

Mittelfrühe

Wirtschaftssorten

 

Eldena

 

 

Opal

IV a

Mittelspäte bis späte

Speisesorten

 

Jelly

 

 

IV b

Mittelspäte bis späte

Wirtschaftssorten

 

 

Amado

Eurostarch

 

Kuras

VI

EU-Sorten

 

Anuschka

Bellarosa

Euroflora

Melody

 

 

Princess

Rumba

Zuzanna

Alle anderen, hier nicht genannten Sorten müssen auch in der beantragten Klasse Z/A auf Virus getestet werden.


Kontakt:
Willi Thiel
Leiter Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4370
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4353
Telefax: 0511 3665-994353
E-Mail:


Stand: 12.07.2017