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Grünlanddüngung 2016 - Reserven nutzen

In diesem Jahr ist die zeitnahe Düngung mit den anfallenden flüssigen und festen Wirtschaftsdüngern auf vielen Betrieben ein akutes Problem. Grünlandböden, aber auch viele Ackerflächen ermöglichen aufgrund der feuchten Oberböden keine schonende Gülleausbringung.

 

Fahrschäden sind mit schweren Maschinen auch bei leicht überfrorenen Grünlandflächen kaum zu vermeiden und eine Ausbringung vor Vegetationsbeginn könnte in diesem Jahr  schwierig werden.

Stickstoffwirkung

Auf leichteren Böden und durchlässigen Standorten sind spätere Ausbringungszeiträume (Vegetationsbeginn) von Vorteil, da bei frühzeitiger Düngung Nährstoffverluste durch Auswaschung (Nitrat, Kalium) möglich sind und die rasche Bodenerwärmung auch bei Gülledüngung im Februar-März eine rechtzeitige Stickstoffmobilisierung ermöglicht.

Moorstandorte und Marschböden unterliegen einer verzögerten Umsetzungsdynamik und ergrünen erst nach einer ersten Frühjahrsdüngung zum Vegetationsbeginn, aber nicht so frühzeitig wie dies bei vorzeitiger organischer Düngung im Zeitraum Januar / Februar der Fall wäre.

Um auch 2016 die erforderlichen Ertrags- und Qualitätsansprüche  im Grundfutter erreichen zu können, kann die mineralische Stickstoffergänzung zum ersten Aufwuchs unter diesen Umständen etwas angepasst (erhöht) werden. Dies ist vor dem Hintergrund der N-Bilanzierung aber nur dann sinnvoll, wenn die Anrechnung der geplanten N-Zufuhr aus dem Wirtschaftsdünger in den Folgeaufwüchsen erfolgt und zu einem späteren Zeitpunkt mineralischer Stickstoff eingespart werden kann. Die Ertragswirksamkeit des Ammoniumstickstoffs aus der Gülle kann durch den Einsatz von Zusatzstoffen zur Nitrifikationshemmung über den ersten Schnitt hinaus erhalten bleiben.

Die N-Düngeempfehlungen für das Grünland auf Mineralböden (Tabelle 1) gelten bereits seit 2010. Die mit dem aktuellen Entwurf der neuen Düngeverordnung vorgesehene Differenzierung nach Standorten und Nutzungen wurde darin bereits vorweggenommen.

Allerdings wird es zu weiteren Einschränkungen bei der N-Düngeempfehlung auf Moorstandorten kommen. In Niedersachsen werden geschätzt 92.000 ha Niedermoorgrünland und 117.000 ha Hochmoorgrünland (ATKIS-Basis DML 2015) bewirtschaftet, das entspricht zusammen etwa 30 % der niedersächsischen Dauergrünlandflächen.

Auf diesen, infolge hoher Wassersättigung länger kalten und „biologisch trägen“ Standorten wird eine erhöhte frühjahrsbetonte mineralische Stickstoffdüngung empfohlen, um den Vegetationsbeginn voranzutreiben (Tabelle 2). Die sommerliche N-Düngung sollte dagegen eher verhalten sein, um das C:N-Verhältnis in der oberen Bodenschicht nicht zu stark  zu verengen. In Verbindung mit der Erwärmung von  Luft und Boden würden dadurch Mineralisationsprozesse und die Moor­zersetzung gefördert. Langfristig kommt es dabei zur Beeinträchtigung der Tragfähigkeit von Moorböden.

Auf dem Niedermoorgrünland sind, beeinflusst durch Mineral- und Nährstoffeinträge aus dem zuführenden Grundwasser, im Vergleich zu Hochmooren höhere Nährstoffgehalte kennzeichnend. Deshalb stehen im Sommer auf Niedermoorgrünland höhere N-Mengen durch Mineralisation zur Verfügung als auf dem Hochmoorgrünland. Die Stickstoffdüngung auf den Niedermoorstandorten sollte deshalbim Vergleich zu Hochmoorgrünland deutlich eingeschränkt und auf 2-3 Gaben begrenzt werden.

Wirtschaftsdünger gezielt einsetzen

Die Minimierung von Nitrat- und Ammoniakverlusten bei der Nährstoffzufuhr mit Wirtschaftsdüngern sollte besonders beachtet werden. Für die optimale Ernährung der Pflanzenbestände mit dem Wirtschaftsdünger Gülle sind dabei wesentliche Kriterien zu berücksichtigen. Die Bodennahe Ausbringung mit Schleppschuhtechnik hat sich für die Grünlandbewirtschaftung in den meisten Fällen als am besten geeignet erwiesen. Nur eine gut homogenisierte Gülle mit günstigen Fließeigenschaften gewährleistet eine gleichmäßige Nährstoffverteilung ohne technische Probleme. Die Separierung von Gärresten erfolgt bereits auf einigen Biogasbetrieben und verspricht auch bei der Grünlanddüngung mit Rindergülle Vorteile.

In vielen Betrieben dient die Rindergülle als vollwertige Quelle für die Grundnährstoffversorgung. Dies kann auch bei verzögerter Ausbringung so sein, wenn die jährlich mit dem Wirtschaftsdünger ausgebrachten Hauptnährstoffe in ausreichender Menge enthalten sind. Da die Nährstoffgehalte in Wirtschaftsdüngern starken Schwankungen unterliegen, ist in regelmäßigen Abständen eine Untersuchung der eigenen Gülle anzuraten, bevor die weitere Düngeplanung durchgeführt wird. Die Proben können aus dem gut homogenisierten Güllelager während der Tankbefüllung entnommen und gut verschlossen in einem 1 Ltr.-Gefäß (75%  Füllung) zusammen mit dem Analyseauftrag versandt werden (www.lufa-nord - west.de).

Reserven nutzen

Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Grunddüngung ist auch die regelmäßige Überprüfung der Nährstoffverfügbarkeit der Grünlandböden. Auch die daraus abgeleiteten Düngeempfehlungen sind nach Nutzungsart (Schnitt – Weide) und Nutzungsintensität (Anzahl Schnitte) differenziert (Tabelle 4)

Wechselgrünland sollte, im Gegensatz zum Dauergrünland, etwa in Krumentiefe beprobt werden (0 - 30 cm). Im Dauergrünland mit mehr als 5 Jahren Nutzungsdauer wird eine Bodenprobenahme nur in den oberen 10 cm entnommen, weil nur diese Bodenschicht bei dauerhaft ungestörter Grasnarbe wesentlich durchwurzelt wird.

Kalium ist neben Stickstoff der wichtigste Baustein für das Gräserwachstum. Auf schwach sorptionsfähigen Standorten kann es leicht zu Mangelsituationen kommen, während die tonigen Mineralböden eine mehrjährige Vernachlässigung der Kaliumdüngung viel besser kompensieren. Für Marschstandorte werden deshalb deutlich reduzierte Empfehlungen zur Kaliumdüngung des Grünlands gegeben. Bei 4 Schnitten werden mit 100 dt Trockenmasse Gras mindestens 240 kg K2O (2,2 % K in T.) bei der Ernte vom Feld gefahren.

Bei einer durch Prozesswasser stark verdünnten und durch maisbetonte Grundfutterration kaliumreduzierten Rindergülle werden heute etwa gleich viel Kalium wie Stickstoff gedüngt. Bei Ausbringung von 200 kg N/ha brutto (170 kg netto bei 85 % Anrechenbarkeit) mit der Rindergülle entspricht das Kaliumangebot aus diesem Wirtschaftsdünger nur annähernd dem tatsächlichen Pflanzenbedarf. Sofern Reserven in der Bodenlösung vorhanden sind,ermöglicht die Gehaltsklasse C (hoch versorgt) vorübergehend ein solches Kosten reduzierendes Vorgehen. Mittelfristig würde der Verzicht auf die mineralische Kalium-Ergänzungsdüngung auf intensiv genutztem Grünland in den meisten Betrieben ein Versorgungsdefizit in den Grünlandböden nach sich ziehen.

Der Phosphorentzug der Grünlandpflanzen ist wesentlich geringer als der Kaliumbedarf. In 3-4 Schnitten (80 – 100 dt TM) werden etwa 70-90 kg P2O5 je ha entzogen (0,36 % P in T.). Dieser Düngebedarf kann durch eine durchschnittliche Rindergülle, wie oben beschrieben voll abgedeckt werden. Bei sehr niedriger Bodenversorgung (Gehaltsklassen A, B) kann der P2O5-Bedarf durch den Einsatz phosphorreicher Wirtschaftsdünger aus Schweinehaltungen vergleichsweise günstig ausgeglichen werden.

Sollte eine erhöhte P-Bodenversorgung vorliegen, ist mit  Blick auf die Düngeverordnung allerdings vorsichtig zu agieren. Sollte eine Gehaltsklasse D oder gar E vorliegen, ist dringend von einer weiteren P-Düngung aus o.g. Quellen abzuraten, da diese nach Einführung der novellierten Düngeverordnung ab 2016 zwingend zu reduzieren sind.

Die Kalkung von Dauergrünland wird in vielen Regionen eher vernachlässigt. Auf stark humosen, anmoorigen und Moorböden ist dies meist gerechtfertigt, da die Nährstoffverfügbarkeit nicht eingeschränkt ist und eine Kalkung dieser Standorte zu unerwünscht beschleunigter Mineralisation und Abbau der organischer Masse führen würde. Mineralstandorte können dagegen von regelmäßiger Kalkung profitieren und sollten nicht erst nach Unterschreitung des pH-Zielwertes aufgekalkt werden (Tabelle 3). Die Einwirkdauer des Kalks im Grünland (oberflächige Ausbringung) sollte bei der Terminierung berücksichtigt werden. Höhere Kalkbedarfe sollten durch jährliche Kalkgaben über mehrere Jahre verteilt werden. Der beste Termin für eine Kalkung des Grünlandes ist im Herbst nach der letzten Nutzung. Dann ist auch die Kalkherkunft (Kreide-, Konverter-, Mergelkalk) nicht entscheidend, der Kalk kann über Winter einwaschen und seine Wirkung im Boden rechtzeitig entfalten. Branntkalk ist allerdings nicht auf einer intakte Grasnarbe zu düngen, weil es damit zu Verbrennungen der Grasnarbe kommen würde.

Schwefel

Die Untersuchung der Grassilagen auf den Schwefelgehalt und das daraus abzuleitende Verhältnis zu Stickstoff gibt Auskunft über die Schwefelversorgung der vorliegenden Ernte. Ein Verhältnis von 10:1 bis 12:1 Mengenanteilen (N:S) in der Grassilage lässt auf eine ausreichende Schwefelversorgung schließen. Ein Verhältnis von >12:1 (N:S) deutet allerdings auf latenten Schwefelmangel hin und kann nur durch direkte Schwefeldüngung vermieden werden. Im Intensivgrünland unter Schnittnutzung werden etwa 25-30 kg Schwefel von den Pflanzen mit dem Erntegut abgefahren, weitere 10-15 kg sind in der Wurzelmasse gespeichert, so dass ein Schwefelbedarf von etwa 40 kg / ha besteht.

Auch bei der Schwefeldüngung hilft der Wirtschaftdünger mit. Etwa 0,5 kg Schwefel sind in 1 m3 Rindergülle enthalten, so dass bereits 25-30 kg S/ha mit 2-3 Gaben Rindergülle zur Verfügung stehen. In angesäuerter Gülle wird zusätzlich Schwefel als Schwefelsäure oder ASL zugesetzt. Schwefel ist außerdem Bestandteil organischer Verbindungen und wird in kohlenstoffreichen Böden (Moore) bei wärmeren Bodentemperaturen aus dem Humusvorrat mineralisiert wie Stickstoff. Ein grundsätzlicher S-Düngebedarf aus mineralischer Herkunft  besteht in der Regel nur auf sehr leichten Böden (Sand) ohne regelmäßige Zufuhr wirtschaftseigener Düngemittel. Geeignete mineralische Ergänzungsdünger sind Kaliumdüngemittel auf Sulfatbasis (Kaliumsulfat, Kainit) oder schwefelhaltige Stickstoffdüngemittel (z.B. Sulfan).

 

Fazit

Die im Futterbaubetrieb anfallenden Nährstoffe aus der Tierhaltung sind bestmöglich im Grünland zu verwerten. Die günstige Nährstoffzusammensetzung der Wirtschaftsdünger aus Milchvieh- und Rinderhaltung mit Grünland als Haupt-Futtergrundlage ermöglicht eine ausgewogene Düngung und vergleichsweise geringe Kosten für die mineralische Grund- und Stickstoff- Ergänzungsdüngung. Die gute fachliche Praxis der Düngung wird mit der Bundes-Düngeverordnung beschrieben. Zu den geplanten Neuerungen hierzu wird in einer der nächsten Ausgaben ausführlich berichtet werden.


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
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Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
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Stand: 29.02.2016



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