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Ackergras- und Kleegrasmischungen für das Frühjahr

Lange Zeit spielten die Ackergras- und Kleegrasmischungen nur noch eine untergeordnete Rolle. Gegenwärtig ist ein gewisser Aufwärtstrend für diese Futterkulturen zu erkennen. In diesen Beitrag wird der Fokus auf den Anbau von Ackergras- und Kleegrasmischungen gelegt, die vorzugsweise im Frühjahr ausgesät werden.

 

Nicht nur durch das Greening sondern auch durch pflanzenbauliche- und fütterungsseitige Aspekte ist gegenwärtig ein gewisser Aufwärtstrend für diese Futterkulturen zu erkennen. So haben beispielsweise die letzten beiden Jahre in besonderem Maße die Grenzstandorte des Silomaises deutlich gemacht. Das Acker- oder auch das Kleegras könnte auf solchen Grenzstandorten eine bessere Anbaualternative sein. Insbesondere für das Ackergras ergeben sich dabei zugleich weitere Vorteile aufgrund des höheren Stickstoffbedarfes und des effizienten Einsatzes von Gülle im Verlaufe des Vegetationsjahres.

Mehr Eiweiß aus dem Grundfutter zu produzieren, gehört zu einer weiteren aktuellen Initiative. Wer diesem Ziel Rechnung trägt, verbessert zugleich den Betriebsgewinn durch Einsparung des Zukauffutters.

Zu diesem Aspekt ist auch die Fütterung von GVO- freiem Futter einzuordnen, was  gleichzeitig hilft, das Image der Landwirtschaft gegenüber den Verbrauchern zu verbessern. An dieser Stelle kommt wiederum der Anbau von Grob- und Feinleguminosen sowie von Kleegras ins Spiel.

In diesen Beitrag wird der Fokus auf den Anbau von Ackergras- und Kleegrasmischungen gelegt, die vorzugsweise im Frühjahr ausgesät werden.

Einjährige Mischungen

Von den einjährigen Mischungen zur Frühjahrsblanksaat gibt es zwei Auswahlmöglichkeiten zwischen einer Ackergras- und einer Kleegrasmischung.

Die nicht winterfeste Ackergrasmischung A2 ist vorzugsweise zur Schnittnutzung mit 3 bis 4 Schnitten vorgesehen.

Die Mischung setzt sich zusammen aus dem Einjährigen Weidelgras mit 33 % und dem Welschen Weidelgras mit 67 % Mischungsanteilen. Im Hinblick auf den Futterwert ergänzen sich beide Grasarten sehr gut, denn das Welsche Weidelgras bleibt als Obergras bei Frühjahrsaussaat ein blatt- und energiereiches Untergras, während das Einjährige Weidelgras durch die Schoss- und Ährenbildung die für Wiederkäuer wichtige Struktur liefert.

Die Erträge sind stark von den Niederschlägen abhängig. Für einen raschen Aufgang und ein schnelles Gedeihen sind niederschlagsreiche Bedingungen nach der Saat von Vorteil. Die grundlegenden Hinweise für die Saatvorbereitung sind dem Kasten „Was vor der Saat für die Entwicklung guter Bestände zu beachten ist“ zu entnehmen.

Auch die einjährige und gleichfalls nicht winterfeste Kleegrasmischung mit der Bezeichnung A6 wird vorzugsweise zur Mahdproduktion mit ca. 3 Schnitten genutzt. Von der A6- Mischung stehen zwei Varianten zur Auswahl, die entweder Perser- oder Alexandrinerklee enthalten.

Die Mischung mit Alexandrinerklee setzt sich aus jeweils 25 % des Einjährigen und Welschen Weidelgrases sowie 50 % des Alexandrinerklees zusammen. Es wird eine Aussaatstärke von 30 kg je Hektar empfohlen.

Etwas andere Gras- und Kleeanteile sind in der Mischung mit Perserklee enthalten. Das Einjährige- und Welsche Weidelgras machen jeweils 30 % der Mischung aus, der Rest ist mit 40 % dem Perserklee zuzuordnen. Mit 32 kg je Hektar ist die Saatstärke für diese Mischung etwas höher im Vergleich zur Mischung mit Alexandrinerklee zu wählen.

Bleibt der hohe Kleeanteil der Mischung auch im Bestand erhalten, ist eine N-Düngung nicht erforderlich.

Sowohl In der A6- als auch in der A2-Mischung sind beim Einjährigen Weidelgras nur die im Hauptfruchtanbau bewährten mehrschnittigen Sorten des Einjährigen Weidelgrases empfohlen, die Tabelle 1 zu entnehmen sind.

Luzernemischungen

Für die Saat ab April eignet sich gleichfalls der Anbau von Luzerne entweder als Reinsaat (A8-Mischung) oder im Gemenge mit Gras (A9-Mischung).

Dort, wo noch keine prinzipiellen Erfahrungen mit dem Anbau von Luzerne bestehen, sollte auch die Luzerne in Reinsaat vorzugsweise als Mischung gedrillt werden.

In dem Faltblatt “ Qualitätsstandard Mischungen für den Ackerfutterbau 2016/17“ ist seit nunmehr zwei Jahren eine spezielle Mischung für die Reinsaat von Luzerne mit der Bezeichnung A8 aufgeführt. Die Mischung muss aus mindestens zwei Sorten bestehen, um eine maximale Ertragsstabilität sicherzustellen. Das Verwenden von beimpftem Saatgut mit den entsprechenden Knöllchenbakterien (Rhizobien) ist stets dort zu bevorzugen, wo über viele Jahre keine Leguminose mehr angebaut wurde. Zur Etablierung der Mischung ist auf einen ausreichenden pH-Wert (möglichst > 6) zu achten. Flache Drillsaat in ein gut abgesetztes Saatbett fördert den Aufgang. Wichtig ist, dass sich die Luzerne im Ansaatjahr gut etabliert und dadurch eine ausreichende Winterfestigkeit erlangt.

Wegen der hohen Stickstofffixierleistung der Mischung besteht grundsätzlich kein zusätzlicher N-Düngerbedarf, allenfalls eine Startgabe von 30 kg N/ha.

Weitere Hinweise zur erfolgreichen Etablierung von Luzerne finden Sie im Kasten “Wertvolle Hinweise für den Luzerneanbau“.

Im Gegensatz zu den Gräsern bestockt die Luzerne nicht. Jeder Ausfall einer einzelnen Pflanze bedeutet einen Ertragsverlust, das Entstehen von Lücken und das Einwandern von Unkraut. Die richtige Pflege und Nutzung dieser sehr empfindlichen Leguminose ist deshalb von besonderer Bedeutung.

Vor dem Hintergrund wird für die Luzerne ein relativ großer Nutzungszeitraum von zwei bis mehr Jahren angegeben, je nach Stand und Bestandesdichte der Luzerne.

Bei Ernte im Knospenstadium zeichnet sich das Futter durch einen sehr hohen Rohproteingehalt und guten Strukturwert aus.

Die Luzernemischung in Reinsaat eignet sich zur Aussaat als ökologische Vorrangfläche (mit dem Faktor 0,7 anrechenbar).

Ist ein Anbaurisiko der Luzerne zu erwarten, kann man auch mit einer Luzernegrasmischung vorliebnehmen, die unter der Bezeichnung A9 firmiert.

In der A9 Mischung wurden mit Wiesenschwingel und Wiesenlieschgras zwei Graspartner ausgewählt, die im Wachstum nicht zu stark mit der Luzerne konkurrieren.

Die verwendeten Graskomponenten sichern zudem eine dichte Narbe. Durch die Graskomponente ist diese Mischung besser zur Silagegewinnung geeignet als die Luzernereinsaat. Die Mischung liefert sowohl Struktur als auch viel Rohprotein, wenn sie im richtigen Erntestadium, d.h. noch vor der Blüte geerntet wird.

In Trockenperioden ist auch eine kurzfristige Beweidung der Mischung in Portionsbeweidung (nicht über mehrere Tage als Kurzrasenweide!) möglich. Die Anforderungen an den Standort und den Saattermin gleichen denen der Luzernereinsaatmischung A8.

Fazit

Mit Acker- oder Leguminosengras lässt sich hochwertiges Futter in Ertrag und Qualität produzieren. Für die Frühjahrssaat stehen die Qualitätsstandard Mischungen A2, A6, A8 und A9 zur Verfügung. Hierbei sind die A2 und A6-Mischungen nicht winterfest. Die Mischungen mit Luzerne (A8 und A9) eignen sich hingegen für den zwei- bis mehrjährigen Anbau.

Im Internet können Sie das aktuelle Faltblatt “ Qualitätsstandard Mischungen für den Ackerfutterbau 2016/17“ herunterladen und damit die Gesamtübersicht der Mischungen und Sortenempfehlungen einsehen. Dort sind auch weitere mehrjährige Acker- und Kleegrasmischungen aufgeführt, die im Frühjahr unter Deckfrucht angebaut werden können.


 „Was vor der Saat für die Entwicklung guter Bestände zu beachten ist“

  • Ackergras gedeiht auf allen ackerfähigen Standorten
  • gute Wasserversorgung ist von Vorteil für sichere Ertragsleistungen im Vegetationsverlauf
  • ungeeignet sind Moorflächen und zur Vernässung neigende Böden
  • bei der Auswahl der Mischung auf die im nordwestdeutschen Raum empfohlenen Sorten oder gezielt auf das rote bzw. magentafarbene Kontrollsiegel zur Freiwilligen Mischungskontrolle achten
  • ein gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett herrichten
  • die Feinsämereien nur flach ablegen
  • mit einem Walzgang nach der Saat für den kapillaren Anschluss sorgen

 


“Wertvolle Hinweise für den Luzerneanbau“

  • bevorzugt tiefgründige, kalkreiche Standorte
  • günstig sind die nachfolgend aufgeführten Mindest-pH-Werte in Abhängigkeit der Bodenart: 6,0 für schwach lehmigen Sand, 6,2 für stark lehmigen Sand und 6,5 … 6,8 für sandigen Lehm
  • von vornherein für ein unkrautarmes, ebenes und gut abgesetztes Saatbett sorgen
  • Bodengehaltswerte prüfen inklusiv Bor und Molybdän
  • mindestens drei Wochen vor Saat sollte Kalidüngung abgeschlossen sein, diesen möglichst einarbeiten
  • beimpftes Saatgut verwenden
  • Saatstärke für A 8 mit 25 kg/ha, für A9 mit 30 kg /ha
  • Blanksaaten günstiger als Saat unter Deckfrucht
  • Saatstärken unter Deckfrucht für A8 mit 15 kg/ha und für A9 mit 25 kg/ha
  • N-Startgabe 30 – 40 kg N/ha (auch organische Gabe) von Vorteil
  • im Ansaatjahr sollte Luzerne mindestens einmal zur Blüte kommen
  • im Hauptnutzungsjahr zwischen letztem und vorletztem Schnitt Nutzungspause von 7 Wochen einräumen
  • nicht zu tief mähen
  • zu häufiges Befahren vermeiden, da Luzerne druckempfindlich ist
  • Anbaupausen beachten: bei Reinsaaten 5 bis 6 Jahre, im Gemenge 4 – 5 Jahre
  • Sorten mit geringer Krankheitsanfälligkeit, speziell Luzernewelke wählen

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Komm. Leiterin Feldversuchsstation für Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung, Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
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Stand: 15.03.2017