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Vorläufige Nmin-Richtwerte 2017: Winterungen

Die ersten Nmin-Ergebnisse für die Winterungen 2017 liegen vor. Im Vergleich zu den Vorjahren bewegen sich die aktuell gemessenen Nmin-Werte auf einem z.T. deutlich höheren Niveau, wobei zwischen den Boden-Klima-Räumen und den Einzelschlägen erhebliche Schwankungen liegen.

Die Nmin-Richtwerte sind im Rahmen der geltenden Düngeverordnung ein wesentlicher Bestandteil zur Ermittlung des Düngebedarfs. Derzeit steht eine Neufassung der Düngeverordnung kurz bevor, für die Düngung der Winterkulturen gelten aber noch die Vorgaben der bestehenden Düngeverordnung. Für eine ordnungsgemäße und angepasste N-Düngung ist zunächst für jede Kultur der entsprechende Düngebedarf zu ermitteln. Die Stickstoffdüngung kann nur dann richtig bemessen werden, wenn neben dem N-Bedarf der Kultur auch das N-Angebot des Bodens, d.h. die verfügbare Stickstoffmenge bekannt ist.

Für die einzelnen Kulturen sind aus umfangreichen Versuchen spezifische Sollwerte ermittelt worden. Diese entsprechen dem jeweiligen N-Bedarf der Kultur und dienen als Berechnungsgrundlage der Düngeplanung. Dokumentiert sind sie in den „Empfehlungen zur Stickstoffdüngung nach der Nmin-Methode“. Mit Korrekturfaktoren werden unterschiedliche Standorteigenschaften und Bewirtschaftungsverhältnisse (Zwischenfrucht, langjährige organische Düngung, Bestandesentwicklung zu Vegetationsbeginn) bei der Bemessung der Düngung berücksichtigt.

Des Weiteren ist vom Sollwert der aktuelle gemessene und in der durchwurzelbaren Zone von 0 – 90 cm verfügbare Nmin-Gehalt des Bodens abzuziehen. Dieser Stickstoff liegt größtenteils in der Nitratform vor und ist in der Regel sofort pflanzenverfügbar. Die Ermittlung des Nmin-Wertes zu den Winterkulturen sollte vor der 1. Düngungsmaßnahme erfolgen. Der Nmin-Gehalt wird dann bei Winterraps zur 1. N-Gabe zu Vegetationsbeginn, bei Wintergetreide zur 1. N-Gabe bei organischer Düngung oder zur 2. N-Gabe zum Schossen bei mineralischer Düngung abgezogen. Werden auf den Betriebsflächen keine eigenen Nmin-Untersuchungen durchgeführt, so können die Nmin-Richtwerte der LWK Niedersachsen für die Bedarfsermittlung herangezogen werden.

Aktuelle Nmin-Werte

Wie in den Vorjahren wurden im Rahmen der Nmin-Testflächen rund 350 Praxisschläge für die Winterungen untersucht. Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt in Abhängigkeit von den jeweiligen Boden-Klima-Räumen (BKR) in Niedersachsen. Dort sind Regionen mit ähnlichen Boden- und Klimaverhältnissen und zusammengefasst.

Die aktuell gemessen Nmin-Werte liegen auf einem deutlich höheren Niveau gegenüber den Vorjahren. Auch liegt wie in jedem Jahr eine erhebliche Schwankungsbreite vor. Die Winterweizen-Flächen wurden nach Vorfrüchten differenziert und die Winterraps-Flächen nach organischer Düngung im Herbst getrennt dargestellt. So führte beim Winterraps eine Herbstdüngung im Mittel zu einem Anstieg der Frühjahrs-Nmin-Werte um ca. 20 – 30 kg N/ha. Auch bei Winterweizen liegen die Nmin-Werte über dem langjährigen Trend. Selbst auf leichten, sandigen Böden liegen die Nmin-Werte vor allem bei Stoppelweizen und Weizen mit den Blattvorfrüchten Raps, Kartoffel im Mittel um bis zu 20 kg höher. Dieser Trend setzt sich insbesondere auf den langjährig organisch gedüngten Böden (BKR 48; 50) fort. Aber auch auf den mineralisationsstarken Standorten (BKR 45;47, 11;34;45H und 52) liegen die Nmin-Werte bei Weizen mit Blattvorfrucht und Stoppelweizen in diesem Jahr deutlich höher. Die Verteilung im Bodenprofil ist bei allen untersuchten Flächen recht ähnlich. Der größte Teil des Nmin-Vorrates befindet sich in den unteren beiden Schichten, wobei ein deutlicher Überhang oft in der Schicht zwischen 60 bis 90 cm zu erkennen ist.

Die Häufigkeitsverteilung zeigt, dass 52 % aller Flächen Nmin-Werte bis 50 kg N/ha aufweisen, aber im Mittel ein großer Anteil (35%) über 50 kg N/ha liegt (siehe PDF-Anhang). Besonders groß ist dieser Anteil bei den Weizenflächen. Auch weisen bei Rübenweizen etwas mehr als 25 % der Flächen Nmin-Werte größer 100 kg N/ha auf.

Wo liegen die Ursachen?

Die Nmin-Mengen im Boden werden neben den Düngungsmaßnahmen und der N-Abfuhr über die Erträge maßgeblich durch Umweltparameter wie Niederschläge und Temperatur beeinflusst. Beim Rückblick auf den letzten Herbst 2016 wird deutlich, dass von August bis Januar ein deutliches Niederschlagsdefizit auftrat. Üblicherweise ist unter niedersächsischen Verhältnissen, je nach Standort - ab Ende Oktober auf den leichten Standorten und ab Ende November auf den schweren Standorten - mit beginnender Sickerwasserbildung zu rechnen. Die Niederschlagsdifferenz zum langjährigen Mittel betrug je nach Region zwischen - 34 bis - 181 mm in diesem Winterhalbjahr. Davon waren die meisten Regionen in Niedersachsen extrem betroffen, eine Ausnahme bildete nur das nordöstliche Niedersachsen mit deutlich geringeren Niederschlagsdefiziten.

Die geringen Niederschläge des letzten Herbstes bzw. Winters dürften zu einer geringen Sickerwasserbildung und damit auch zu einer vergleichsweise niedrigen Sickerwasserrate im Boden geführt haben. Die Verlagerung von Nitrat in tiefere Bodenschichten, die zudem maßgeblich abhängig ist vom Bodenausgangssubstrat, ist in diesem Jahr deshalb noch nicht so weit fortgeschritten. Ein Beleg dafür ist, dass sich der überwiegende Teil des Stickstoffs im unteren Teil der Wurzelzone zwischen 60 – 90 cm befindet.   

Auch waren von Ende August bis Anfang Oktober sowie auch teils im Dezember durchweg überdurchschnittlich hohe Bodentemperaturen zu verzeichnen. Dieses dürfte ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf das Mineralisationsgeschehen gehabt und in Abhängigkeit von der Bodenart zu einem Anstieg der Nmin-Gehalte im Boden geführt haben. Unter dem Einfluss von fehlenden Niederschlägen entwickelte sich insbesondere der Winterraps regional sehr heterogen. Bei schwacher Herbstentwicklung ist auch die N-Aufnahme dieser Rapsbestände geringer und somit verbleibt der mineralisierte Stickstoff im Boden.

Mit Rückblick auf die Ertragssituation des letzten Jahres blieb vor allem Raps, aber auch Weizen und Gerste hinter der Ertragserwartung zurück. Somit kann auch die geringere N-Abfuhr der Vorfrucht zu höheren und über den trockenen Winter konservierten Nmin-Werten geführt haben. 

Zukünftige Düngeplanung

Die Messung des Nmin-Bodenvorrates wird auch zukünftig ein grundlegender Bestandteil der novellierten Düngeverordnung sein. Künftig muss jeder Betrieb vor dem Ausbringen wesentlicher Nährstoffmengen die Düngebedarfsplanung dokumentieren. Die neuen N-Bedarfswerte sind verbindlich, eine erhöhte Düngung ist nur auf der Grundlage einer Genehmigung möglich.

Vor dem Hintergrund dieser Zusammenhänge muss sehr sorgsam mit hohen Nmin-Werte zu Vegetationsbeginn umgegangen werden. Die Andüngung sollte bei höheren Nmin-Werten und bei guter Bestandentwicklung eher verhalten sein, bei normaler Entwicklung im Bereich der Sollwert-Empfehlung liegen. Bei hohen Nmin-Werten, wenn der überwiegende Teil des Stickstoffs in der untersten Schicht (60 bis 90 cm) vorliegt, sollte ab Ende der Bestockung die Versorgung des Bestandes mittels Schnelltestverfahren (N-Tester o.ä. Verfahren) vegetationsbegleitend untersucht werden, um zu prüfen, ob dieser Stickstoff noch verfügbar ist oder durch Niederschläge seit der Nmin-Probenahme aus dem Wurzelraum verlagert wurde.

Liegen keine eigenen Nmin-Werte vor, so sollte der Düngebedarf anhand der vorliegenden Werte berechnet werden. Eigene Nmin-Untersuchungen sind vor allem dann angeraten, wenn auf den eigenen Flächen abweichende Standort- und Bewirtschaftungsmaßnahmen vorliegen. Die Richtwerte für die Sommerungen werden in den nächsten Ausgaben herausgegeben, da der Probenahmetermin immer so nah wie möglich am Beginn der Vegetationsperiode für die jeweilige Frucht liegen sollte. Bis Mitte April werden wir abschließend über die Nmin-Untersuchungen in den Regionen des Kammergebietes informieren.


Kontakt:
Dr. Dagmar Matuschek
Pflanzenbau und Grundwasserschutz
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E-Mail:
Tim Eiler
Düngung
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Stand: 15.03.2017



PDF: 23122 - 167.940429688 KB   Boden-Klima-Räume   - 168 KB