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Krankheitsmanagement im Winterweizen wird schwieriger

 

Bisher haben wir es nach einem sehr kalten Februar im weiteren Verlauf bis Anfang April mit deutlich unterdurchschnittlichen Temperaturen und damit einhergehend mit einem kaum feststellbaren Vegetationsfortschritt zu tun. Nun stellt sich die Frage, ob eine ähnliche geringes Krankheitsauftreten wie in 2017 zu erwarten ist.  

Zunächst einmal suggeriert die angesprochene Vegetationsruhe ein etwas geringeres Krankheitsaufkommen zu Schossbeginn. Abzuwarten bleibt jedoch noch die Witterung des Aprils, dessen Kühle im Vorjahr zu einer kompakteren Vegetationsperiode geführt hat. Schon jetzt liegt jedoch die Vermutung nahe, dass die Vegetationsstadien aufgrund der bisherigen sehr verhaltenen Entwicklung vergleichbar zügig durchlaufen werden und somit weniger Zeit für Infektionen mit Blattkrankheiten verbleibt. Die Witterung in dieser Zeit als entscheidender Faktor bleibt jedoch abzuwarten.

 

Gelbrost nicht ganz vergessen!

Nach drei Gelbrost-Jahren in Folge, jeweils nach einem warmen Winter, hat diese Krankheit in 2017 nur eine sehr untergeordnete

Rolle gespielt. Die Ausgangssituation scheint in diesem Jahr vergleichbar zu sein. Als wichtiger Faktor ist hier die Sortenresistenz zu nennen, die zwar für den Erreger grundsätzlich nicht unüberwindbar ist, zunächst aber eine effektive Abwehrmaßnahme ohne Einsatz von Pflanzenschutzmitteln darstellt. Als begleitende Maßnahme sollten auch als resistent eingestufte Sorten regelmäßig auf Befall kontrolliert werden, um mögliche Veränderungen des Erregers rechtzeitig zu registrieren. Sollte Gelbrostbefall festgestellt werden, ist der Schutz der oberen 3 Blätter für eine Ertragssicherung entscheidend. Bekanntlich spitzt das dritte Blatt von oben in ES 31, dem 1-Knotenstadium. Wenn bis zur Ausbildung des Fahnenblattes keine Behandlungslücken von deutlich mehr als 2 Wochen gelassen wurden, konnte in Versuchen der Blattapparat auch der hoch anfälligen Sorte Asano frei von Gelbrost gehalten werden. Hingegen haben vorgezogene Maßnahmen vor Schossbeginn kaum zur Gesunderhaltung der oberen Blätter beigetragen. Unter Berücksichtigung des derzeit geringen Auftretens dieser Krankheit und der Tatsache, dass alle bedeutenden Sorten dem Gelbrost deutlich mehr entgegenzusetzen haben als die hoch anfällige Sorte Asano, ist davon auszugehen, dass in der Regel maximal 2-3 Fungizidmaßnahmen für eine Absicherung gegen ertragswirksamen Krankheitsbefall ausreichen, sofern Gelbrost überhaupt nennenswert auftritt.

 

Fungizide gezielt einsetzen!

Um einerseits Ertragsverluste abzusichern und andererseits auch nicht zu viel Geld auszugeben ist es angeraten, einen angepassten Fungizideinsatz zu betreiben. Anpassungen erfordern die Krankheitsanfälligkeit der angebauten Sorte, die Vorfruchtkonstellation, die Bodenbearbeitung und damit das Infektionspotenzial auf der Anbaufläche und letztlich natürlich die Witterung und damit die Intensität des Krankheitsauftretens. Da zudem die Aspekte des Resistenzmanagements auch beim Fungizideinsatz zu berücksichtigen sind, verbietet sich ein einheitliches Behandlungsregime für alle Fallkonstellationen. 

 

Resistenzgefahr nicht unterschätzen!

Neben den Strobilurinen und den Azolen sind auch die Carboxamide aus der Wirkungsgruppe der SDHIs von einer Resistenzentwicklung betroffen. Dies zeigen auch aktuelle Untersuchungen von Septoria-Isolaten aus behandelten Parzellen nicht nur in England, sondern auch in Norddeutschland. Wenn diese Isolate auch anscheinend eine etwas geringere Überlebensfähigkeit besitzen, so zeigt die aktuelle Resistenzentwicklung doch die Brisanz dieses Themas auf. Um diese Resistenzentwicklung nicht unnötig voranzutreiben, sollten die SDHIs und Strobilurine nur einmal pro Vegetationsperiode eingesetzt werden. Als Einsatztermin hat sich eine Anwendung auf das geschobene Fahnenblatt (ES 39) bis zum beginnenden Ährenschieben (ES 51) bewährt, um die lange Dauerwirkung dieser Wirkstoffgruppen ausnutzen zu können.

Da die unterschiedlichen Azole jeweils ein spezifisches Selektionsmuster aufweisen, sollte innerhalb einer Spritzfolge außerdem zwischen den Azolen (inklusive Prochloraz) gewechselt werden. Dies ist jetzt umso wichtiger, da der Resistenzbaustein Bravo in 2018 nicht mehr zur Verfügung steht. Die vermeintliche Alternative Dithane Neotec ist leider in den Bereichen Krankheitsbekämpfung, Anwenderfreundlichkeit, Nützlingsschonung und Mischbarkeit als dem Bravo nachstehend zu beurteilen und stellt somit keine adäquate Alternative dar. Hinzu kommt die Tatsache, dass mit der Neuzulassung dieses Präparates ein Gewässerabstand von 10 m bei 90 % Abdriftminderung einzuhalten ist. In der laufenden Saison wird nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch noch Ware mit der alten Zulassung mit 5 m Gewässerabstand verfügbar sein, die noch bis zum 30.09.2019 angewendet werden darf. 

 

Neue Fungizide und Packs

Zur Saison ist als nennenswerte Neuerung Ascra Xpro zugelassen worden. In der zugelassenen Aufwandmenge von 1,5 l/ha sind die Wirkstoffe Bixafen 65 g/l, Fluopyram 65 g/l und Prothioconazol 130 g/l enthalten. Somit wird das bekannte Produkt Aviator Xpro um ein zweites SDHI bereichert, das bereits aus dem Fungizid Propulse im Raps bekannt ist. Einsatzschwerpunkt ist der Schutz des oberen Blattapparates des Weizens. Der einzuhaltende Gewässerabstand beträgt 1 m bei 90 % Abdriftminderung. Aus unseren Feldprüfungen geht hervor, dass es in der Leistung mit Elatus Era + Sympara und Adexar gleichzusetzen ist.

Eine weitere Neuerung stellt das Mehltaufungizid Property mit einer zugelassenen Aufwandmenge von 0,5 l/ha dar. Der Wirkstoff Pyriofenone (180 g/l) im Property ähnelt dem aus dem Flexity bekannten Metrafenone. Aus Gründen des Resistenzmanagements wird das Produkt nur im Pack mit Opus Top im Verhältnis 0,5 + 1,5 l/ha vermarktet. Opus Top enthält mit Fenpropimorph bereits einen weiteren Mehltau-Wirkstoff.

 

Leitkrankheit Fusarium

Je nach Witterung kann ein verstärktes Auftreten von Ährenfusariosen während der Blüte nicht ausgeschlossen werden. Im vergangenen Jahr mit Gewitterniederschlägen während der Weizenblüte ist es nur wegen der vorangegangenen langen Trockenheit mit wenigen recht kleinräumigen Ausnahmen nicht zu deutlichen Fusarium-Infektionen gekommen. Das Ausmaß dieser Krankheit wird unter witterungsfördernden Bedingungen in besonderem Maße durch die Vorfrucht, die Bodenbearbeitung und die Sorte bestimmt. Die Risikofaktoren sind der Tabelle zu entnehmen. Ein schlagspezifisches Fusariumrisiko von 1 oder weniger sollte dabei angestrebt werden, da für diesen Risikobereich in Niedersachsen für viele vorangegangene Jahre keine Überschreitungen von Toxin-Grenzwerten festgestellt wurden. Durch einen Einsatz von Azol-Fungiziden während der Getreideblüte können die Toxinwerte um ca. 50 % und unter günstigen Voraussetzungen um 60 - 70 % gesenkt werden. Ackerbauliche Voraussetzungen, die für den Schlag deutlich über den Risikofaktor 2 hinausgehen, können deshalb nicht in allen Jahren allein durch Fungizidmaßnahmen ausgeglichen werden. Für Fusarium-anfällige Konstellationen (Risikofaktor größer 1) ist trotz der relativ hohen Kosten eine Blütenspritzung einzuplanen. Auch im Rahmen einer Resistenzvermeidungsstrategie bei den SDHIs ist ein Abschluss der Fungizidstrategie mit Azolen zur Blüte als vorteilhaft anzusehen, da die länger wirkenden Carboxamide dann in der späten Entwicklungsphase nicht allein selektieren.

 

Blattgesundheit als zweiter bestimmender Faktor

Das Anfälligkeitsprofil der Sorten gegenüber den anderen Krankheiten, die Vorfruchtkonstellation und die Bodenbearbeitung bestimmen auch die Intensität des Fungizideinsatzes bis zum Ährenschieben. Wenn der Halmbrucherreger mit Fungiziden bekämpft werden soll, bedeutet dies meist einen nicht unerheblichen finanziellen Aufwand. Die Bekämpfungserfolge lassen in den letzten Jahren jedoch sehr zu wünschen übrig, so dass man sich nicht auf die chemische Halmbruchbekämpfung verlassen sollte. Auch aus Jahren nach milden Wintern gibt es kaum Versuche mit der Kombination aus ertragswirksamem Befall und einer effektiven Bekämpfung. Der vergangene Winter und die verhaltene Herbstentwicklung suggeriert zudem eine vergleichsweise entspannte Ausgangslage, so dass in die Bekämpfung dieser Krankheit nicht zu viel Geld investiert werden sollte. Grundsätzlich erhöhen anfällige Sorten, häufig Getreide in der Fruchtfolge, frühe Saattermine und befallsfördernde Witterung die Befallshäufigkeit mit diesem Pathogen.

Mehltau hat bedingt durch Sortenunterschiede, Bestandesdichte, standortspezifische N-Dynamik und natürlich durch Unterschiede in der Jahreswitterung in Niedersachsen eine sehr unterschiedliche Bedeutung. Bei starkem Mehltaudruck sollte ein Mehltauspezialist wie Vegas 0,2 l/ha oder Talius 0,2 l/ha den genannten Mischungen zugesetzt werden. Als Mehltau-wirksame Fertigformulierung kann z. B. auch Capalo oder andere Kombipräparate mit Mehltauwirkung zu Schossbeginn eingesetzt werden.

Die in der Tabelle „Beispiele zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten“ aufgeführten Empfehlungen für verschiedene Situationen sind ausgewählte Spritzfolgen aus einem großen Strauß von Möglichkeiten. Mit den hier dargestellten Spritzfolgen liegen sowohl in Versuchen und in der Praxis gute Erfahrungen vor.

Fazit:

  • der Fungizideinsatz sollte situationsspezifisch erfolgen
  • wesentliche Faktoren sind Sortenresistenz, Vorfrucht und Krankheitsauftreten
  • zukünftig werden die Krankheitsbekämpfung und die Resistenzvermeidung durch den Wegfall verschiedener Wirkstoffe noch schwieriger

Kontakt:
Dr. Christoph Brandfaß
Leiter Fachgruppe Pflanze
Telefon: 05551 6004-333
Telefax: 05551 6004-311
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Stand: 16.04.2018