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Silphie weckt immer mehr Interesse

In 2011 wurde sehr viel über die bis dahin nahezu unbekannte Energiepflanze berichtet. Es werden ihr viele positive Eigenschaften und gute Erträge zugeschrieben. Einzig das Pflanzjahr ist mit Aufwand und auch Problemen insbesondere beim Pflanzenschutz verbunden. Gerade auf Grenzstandorten ist die Durchwachsene Silphie eine gute Alternative zum Mais. Für 2012 gibt es bereits wieder viele Landwirte, die Interesse am Anbau der Durchwachsenen Silphie haben.

Versuchergebnisse in Niedersachsen
An den drei Versuchsstandorten Werlte (EL), Poppenburg (HI) und Dasselsbruch (CE), wurden N-Düngungsversuche mit der Durchwachsenen Silphie angelegt, die im Herbst 2010 und 2011 im zweiten bzw. dritten Anlagejahr beerntet wurden. Die Bestände hatten sich optisch 2010 sehr gut entwickelt. Auf den leichteren Standorten Werlte und Dasselsbruch wurden durchschnittliche Erträge von ca. 120 dt TM/ha und auf dem Bördestandort Poppenburg 165 dt TM/ha erzielt (Tabelle 1). Allerdings lagen die TM-Gehalte mit gut 22 % deutlich unter den angestrebten Werten von ca. 28 %.
Im zweiten Erntejahr konnten die Erträge auf allen Standorten gesteigert werden. Mit durchschnittlich 158 dt TM/ha wurde ein guter Ertrag erzielt. Hingegen konnten auch 2011 die angestrebten Trockenmassegehalte nicht erreicht werden. Die Phase des Hauptwachstums mit der größten Massenbildung der Silphie ist von März bis Juni. Diese Zeit war in 2011 durch große Trockenperioden geprägt. Somit sind die höheren Erträge auf eine verbesserte Etablierung der Bestände zurückzuführen.

Unterschiedliche Bestände
Die Erfahrungen der Betriebe in 2011, die erstmalig Silphie gepflanzt haben, sind sehr verschieden. Die Flächen waren zuvor oft Brachen oder wurden als Wildacker bzw. Blühstreifen genutzt. Somit war oftmals schon das Unkrautpotenzial erhöht. Häufig wurde auf Erdbeerpflanzmaschinen zurückgegriffen. Auch ist die Entwicklung der Bestände zum Herbst hin recht unterschiedlich. Es sollten mindestens 10 Blätter erreicht werden und eine Rosette von einem Durchmesser von 30 bis 35 cm. Nur so ist die Konkurrenzkraft der Silphie ausreichend, um 2012 gut zu starten und alle Unkräuter zu unterdrücken.  Sollte die Entwicklung der Pflanzen nicht so weit sein, ist es ratsam, im zeitigen Frühjahr noch einmal eine Herbizidmaßnahme durchzuführen.

Schwierigkeiten im Pflanzenschutz
Die allgemeine Empfehlung lautete, nach Pflanzung der Silphie mit der Spritzung bis zu 14 Tage zu warten. Diese Zeit ist nötig, um ein sicheres Anwachsen der Jungpflanzen sicherzustellen. In der Praxis erwiesen sich die Spritztermine nach diesem Zeitpunkt bei Verwendung von bodenaktiven Herbiziden jedoch als zu spät. Die Keimung der Unkräuter setzte schon wesentlich eher ein. Ein anschließender Einsatz von blattaktiven Mitteln, erwies sich oft als schwierig. Es gibt bisher eine sehr geringe Auswahl an geeigneten Mitteln. Die Silphie ist gegenüber den meisten Herbiziden sehr empfindlich. Vor diesem Hintergrund sollten zukünftige Silphieanbauer bereits sechs bis sieben Tagen nach der Pflanzung die Anwendung durchführen. Versuche aus 2011 zeigten hier keine Probleme mit der frühen Sprizung. Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass alle eingesetzten Mittel eine Genehmigung nach § 18 Pflanzenschutzgesetzt benötigen. Auch wurden in 2011 in Thüringen und in Niedersachsen Herbizidverträglichkeitsversuche angelegt. Somit stehen dem Anbauer in 2012 schon mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Wichtig ist immer eine vor der Pflanzung optimal vorbereitete Fläche, frei von jeglicher Verunkrautung.

Pflanzung oder Drillsaat der Silphie?
Seit einigen Jahren arbeiten die Firma Chrestensen und die Thüringische Landesanstalt für Landwirtschaft daran, Verfahren der Direktsaat zu entwickeln. Hier gibt es vielversprechende Ergebnisse. In Versuchen wurden bereits hohe Auflaufraten erzielt. Man ist sich sicher, das  Verfahren bald in die Praxis einführen zu können. Zurzeit lassen sich diese Ergebnisse aber nur im Versuchswesen mit optimal geführter Produktionstechnik erzielen. Für die Einführung in der Praxis wird noch an tauglichen Verfahren gearbeitet. Dazu ist es vor allem auch notwendig, zunächst einmal die Bestandesführung der Silphie hinsichtlich des Pflanzenschutzes zu verbessern, bevor sich diese empfindliche Kultur direkt säen lässt.  Somit wird die Pflanzung zunächst einmal das sicherste Anbauverfahren bleiben.
Was die Verfügbarkeit von Saatgut angeht hat die Züchterfirma ihre Vermehrungsflächen kräftig aufgestockt. Auch das Thema Züchtung und Untersuchung unterschiedlicher Herkünfte dieser Wildpflanze wird intensiv bearbeitet. Somit dürfte bei zukünftig angelegten Beständen von einer weiteren Ertragssteigerung auszugehen sein.

Düngung der Silphie
Die Silphie beginnt sehr früh im Jahr mit dem Wachstum. Die Massenbildung ist zwischen März und Juni. Daher sollte auch möglichst früh gedüngt werden, insbesondere dann wenn die Düngung mit Gülle / Gärrest geplant ist. Die Empfehlung liegt bei 140 bis 160 kg Stickstoff je ha.

Anbau in 2012
In 2012 gilt für Niedersachsen wieder das gleiche Angebot wie in 2011. Das heißt, interessierte Landwirte können sich wieder bei der Landwirtschaftskammer melden. Hier werden die Anfragen gesammelt und gebündelt an den Züchter weitergegeben. Der Vertrieb erfolgt über die Firma Chrestensen aus Erfurt. Der Staffelpreis gilt ab einer Mindestbestellmenge von 0,5 ha. Wer hier Interesse hat sollte sich bis Ende Januar gemeldet haben. Jeder Silphieanbauer bekommt Anbauinformationen, Pflanzenschutzhinweise sowie ein Info-Schild zur Verfügung gestellt. Wer in 2012 Silphie anbauen möchte sollte sich möglichst noch im Januar bei Frerich Wilken, 0441 801 433, frerich.wilken@lwk-niedersachsen.de melden.

Zuspruch der Imker
Durchweg positives Echo ist von den Imkern zu hören, die Honigerträge der Silphie sind gut. Hauptvorteil ist aber vor allem der späte Zeitpunkt und die lange Dauer der Blüte. Die Silphie blüht von Juli bis zur Ernte im September durchgehend. Zu dieser Zeit gibt es wenig Alternativen als Bienenweide. In diesem Zusammenhang ist vielleicht auch über gemeinsame Aktionen der Landwirte, Imker und Jäger nachzudenken. Möglich wäre hier sicherlich das gemeinsame Pflanzen bzw. Pflegen der Bestände.

Zusammenfassung
Die Durchwachse Silphie wird sicherlich vom Ertragsniveau unter dem seit vielen Jahren züchterisch bearbeiteten Mais bleiben. Trotzdem bietet sie sich auf landwirtschaftlich nicht so interessanten Flächen als hervorragende Ergänzung im Energiepflanzenanbau an. Den geringeren Erträgen stehen in den Jahren der Nutzung deutlich reduzierte Bestandesführungskosten gegenüber. Es erfolgt nur eine Düngung (oft organisch) und eine Ernte. Auf Grenzertragsstandorten mit geringer Wasserhaltefähigkeit kann die Silphie den Mais sogar sehr gut ersetzen. Es lassen sich stabile Erträge erzielen. Die Silphie ist in der Lage mit ihrer dauerhaften Durchwurzelung (bis zu 2 m Tiefe) das Wasser im Boden gut zu erschließen. Außerdem ist durch das frühe Massenwachstum der Wasserbedarf deutlich eher im Jahresverlauf als beim Mais. So lässt sich die Winterfeuchtigkeit noch optimal nutzen.
Die Durchwachsene Silphie lockert das Landschaftsbild auf und trägt zu einer besseren Akzeptanz des Energiepflanzenbaus bei. Die Silphie hat das Potential bei jeder Anlage mit einem kleinen Flächenanteil vertreten zu sein.

Kurzinfo:
- mehrjährige Staudenkultur mit bis 2,5 m Wuchshöhe
- kann zur Zeit nur als Jungpflanze gepflanzt werden (4/m²)
- Nutzungsdauer mindestens 10 bis15 Jahre
- sehr trockenheitstolerant
- geeignet für leichte Grenzstandorte
- Düngung mit Gärrest möglich
- Ernte im Herbst mit dem Maishäcksler
- blüht von Juni bis zur Ernte
- Methanertrag ist etwas geringer als beim Mais
- sehr gute Bienenweide
 


Kontakt:
Frerich Wilken
Projektbetreuung Energiepflanzen
Telefon: 0441 801-433
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 09.01.2012