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Zwischen Agribusiness und Landidylle - was zählt in der Diskussion mit der Gesellschaft?

Fünftes Landwirtschaftliches Unternehmerforum Südost-Niedersachsen

Zum fünften landwirtschaftlichen Unternehmerforum in der Region Südost-Niedersachsen hatte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen gemeinsam mit den regionalen Volksbanken nach Braunschweig eingeladen.
 

Etwa 200 interessierte Landwirte sowie Vertreter der vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche nutzten die Gelegenheit, sich über das Bild der Landwirtschaft in der Gesellschaft und die damit verbundenen Herausforderungen auszutauschen.

  
In seinem Grußwort ging der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Gerhard Schwetje auf die Wertschätzung die Landwirtschaft in Politik, Medien und Verbänden ein. Häufig werde ein sehr kritisches Bild der Landwirtschaft gezeichnet. Der Verbraucher, das habe sich in zahlreichen direkten Gesprächen gezeigt, sehe dies jedoch durchaus differenzierter und wisse die Leistungen der Landwirtschaft zu schätzen. Die Landwirtschaft müsse daher selbstkritisch aber auch selbstbewusst die Diskussion über ihre gesellschaftlichen Aufgaben und die damit verbundenen Erwartungen führen.

Dass diese Diskussion vor dem Hintergrund einer schwierigen Situation auf den Agrarmärkten stattfindet, machte anschließend Axel Herlinghaus, Rohstoffanalyst der DZ Bank, deutlich. Er erläuterte anschaulich die globalen Einflussgrößen, aus denen sich das Preisniveau wichtiger Agrarerzeugnisse ableiten lässt. Wetterphänomene und die damit verbundenen Ernteschwankungen, die Veränderung des Dollarkurses, die steigende Nachfrage nach höherwertigen Lebensmitteln sowie die Entwicklung von Lagerbeständen bestimmen maßgeblich, zu welchem Preis die Landwirte der Region ihre Produkte verkaufen können. Seit dem Jahr 2012 zeichnet sich hier ein deutlicher Rückgang der Erzeugerpreise ab, wobei die Preisschwankungen erheblich zugenommen haben. Für die kommenden Jahre erwartet Herlinghaus wegen der weltweit weiterhin steigenden Nachfrage bei gleichzeitig begrenzten Anbauflächen und Ertragszuwächsen trotz zurückgehender Ethanolnachfrage einen moderaten Preisanstieg für die Big-3, also Weizen, Mais und Soja.

Im Gegensatz zu den Ernteprodukten erzielen zahlreiche gesellschaftlich relevante Leistungen der Landwirtschaft am Markt keinen Preis. Wie Prof. Dr. Dr. Christian Henning, Agrarökonom an der Universität Kiel, aufzeigte, seien viele Verbraucher grundsätzlich bereit für Leistungen beispielsweise im Bereich der Artenvielfalt, des Gewässerschutzes oder des Klimaschutzes zu zahlen. Für solche öffentlichen Güter würden die Mechanismen der Märkte jedoch nicht greifen. Es sei daher Aufgabe der Politik, hier Standards zu definieren und für eine entsprechende Entlohnung der Landwirte zu sorgen. Leistungen in diesem Bereich seien ebenso wie der erzeugte Weizen als ein Produkt zu betrachten und zu vergüten. In der Politik werde diese Betrachtung sich weiter durchsetzen. Den Landwirten rät er, sich in der Diskussion innerhalb der Gesellschaft nicht auf reine Sachargumente zu beschränken, sondern den direkten Dialog mit der Bevölkerung zu beleben. Die offene und auf den Menschen zugehende Präsentation der aktuellen Wirtschaftsweise auf den Höfen schaffe die notwendige Transparenz und führe zur Akzeptanzsteigerung in der Gesellschaft.

Den Stellenwert der Landwirtschaft in der regionalen Presse beleuchtete anschließend Armin Maus, Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung. Mit Blick auf die Leser seiner Zeitung streicht er heraus, dass Landwirtschaft und die Arbeit der Menschen auf den Höfen weiterhin positiv wahrgenommen werde. Bei Art und Umfang der Berichterstattung über landwirtschaftliche Themen sah Maus durchaus noch Steigerungsmöglichkeiten. Eine gründliche und verantwortungsvolle journalistische Arbeit trage dazu bei, die Akzeptanz und das Verständnis für komplexere Zusammenhänge zu verbessern. Ein Aspekt, der in den häufig verkürzten Darstellungen der sozialen Medien nur begrenzt geleistet werden könne. Die Landwirtschaft forderte er auf, mehr Öffentlichkeitsarbeit zu wagen und sich auch weiterhin kritischen Diskussionen zu stellen. „Wenn Sie nicht mit den Menschen reden, reden die Menschen über Sie“, so Maus.

Als praktischer Landwirt und zugleich Vizepräsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft stellte Ulrich Westrup dar, welchen Anforderungen und Erwartungen sich die Landwirtschaft gegenüber sieht. Problemfelder, z.B. im Bereich des Tierschutzes und Ressourcenschutzes, werden vermehrt benannt und bearbeit. Hier nimmt er ein deutliches Umdenken innerhalb der Landwirtschaft war. Er machte allerdings deutlich, dass sich die Wertvorstellungen der Verbraucher nicht immer in deren Konsumverhalten widerspiegeln. Es stünden zum Teil widersprüchliche Erwartungen im Raum, so beispielsweise der Wunsch nach billigem Fleisch bei gleichzeitigem Verzicht auf die sogenannte Massentierhaltung. Ein Dilemma im Verbraucherverhalten, das man akzeptieren und dem man sich stellen müsse. Akzeptanz lasse sich nicht allein durch die Vermittlung von Fakten herstellen. Der Verbraucher müsse auf der emotionalen Ebene angesprochen werden, wenn das Verständnis für moderne Wirtschaftsweisen verbessert werden solle.

In der abschließenden Podiumsdiskussion ergänzte Landvolkvizepräsident Ulrich Löhr die Runde der Referenten. Unter der Moderation von Ralf Stephan, Chefredakteur der Fachzeitschrift LAND & Forst, wurden u.a. konkrete Maßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und der Präsentation landwirtschaftlicher Betriebe diskutiert. Über Betriebsbesichtigungen, Feldrundfahrten und das direkte Gespräch mit dem Verbraucher könne jeder in der Landwirtschaft Tätige vor Ort zu mehr gesellschaftlicher Akzeptanz der Landwirtschaft beitragen. Gleichzeitig sei ein sich Öffnen allein auf einzelbetrieblicher Ebene nicht ausreichend, sondern müsse durch Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure im Agrarsektor vertieft werden. Das koste Geld, welches trotz aktuell knapper Kassen aber dringend aufgebracht werden müsse.

In seinem Schlusswort stellte Matthias Gericke als Vertreter der Volksbanken fest, dass die gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft bisweilen der Quadratur des Kreises ähnelten. Daher sei der Weg zu mehr Akzeptanz der landwirtschaftlichen Erzeugung in der Gesellschaft nicht einfach. Differenzierte Lösungen hätten es in diesem Zusammenhang häufig schwer, Gehör zu finden. Die Statements und Ergebnisse des Unternehmerforums machten ihm jedoch Mut, dass man über den offenen Dialog mit der Gesellschaft in Kombination mit der Anpassung von nicht mehr zeitgemäßen Produktionsweisen auf dem richtigen Weg zu einer besseren Akzeptanz der Landwirtschaft in der Gesellschaft kommen werde.

                                                                                


Kontakt:
Carsten Grupe
Leiter Bezirksstelle Braunschweig
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Stand: 23.02.2016