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Milchautomaten auf dem Vormarsch

Was tun gegen die Milchkrise?
Diese Frage stellen sich auch die TeilnehmerInnen der Seminare „Quote weg – was nun? Lohnt sich der Einstieg in die Direktvermarktung von Milch?“ die in Zusammenarbeit von Landwirtschaftskammer und Landesvereinigung Milchwirtschaft in Leer und Verden stattgefunden haben. Die Teilnehmer erhofften bei dieser Veranstaltung, bei der es vorrangig um die Direktvermarktung von Rohmilch ab Hof mittels Milchautomaten ging,  Informationen zu erhalten, die Ihnen die Entscheidung pro oder contra Milchautomat erleichtern.

Die Lage ist wichtig
Regionale Produkte sind im Trend - aber die gibt es immer häufiger auch im Supermarkt zu kaufen. Da auch die Einkaufsatmosphäre eine Rolle spielt, liegen jedoch im „Emotionswettbewerb“ um den Kunden die Bauernhöfe klar mit der Nase vorn. Wichtig für den Erfolg einer Milchabgabe über einen Automaten ist u.a. die Lage des Milchbetriebes, ob dort viele Menschen, z.B. auch  Berufspendler tagtäglich vorbeifahren. Leider sind jedoch genau diese Kundenpotentiale schwer einzuschätzen. Eine gute Lage erhöht aber die Chance, dass sich der Milchautomat lohnt.  Bei einer 24-Std-Öffnung, die ein Automat ermöglicht, ist es durchaus möglich einige Kunden mehr zu erwischen als zu den regulären Geschäftszeiten.

Rohmilchabgabe nur unter besonderen Bedingungen
Prinzipiell ist es laut Hygieneverordnung und auch nach EU-Recht verboten, Rohmilch an Verbraucher abzugeben. Die Ausnahme von der Regel – d.h. der „Milch-ab-Hof-Verkauf“ – gilt nur für einen Verkauf direkt beim Stall (Ort der Milcherzeugung). Nur hier ist der Verkauf erlaubt. Diese Vorschriften sollen Verbraucher vor dem Gesundheitsrisiko schützen, dass mit dem Konsum von Rohmilch verbunden ist.  Wird die Milch nicht unmittelbar dort verkauft, wo sie gewonnen wird, erhöhe dies das Gesundheitsrisiko durch Bakterien, so die VO, denn dann muss die Rohmilch umgefüllt und transportiert werden. Das steigert das Bakterienwachstum. Transport nach dem Melken unterbricht die Kühlkette und könnte die Verbraucher gefährden.
Bei der Rohmilch-Vermarktung ab Hof gilt es also die Bestimmungen der Rohmilchverordnung zu beachten. Laut dieser muss an der Abgabestelle gut sichtbar und lesbar der Hinweis "Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen" angebracht sein. Die Rohmilch darf nur am Tag der Gewinnung und an dem darauf folgenden Tagen abgegeben werden. Eine durchgehende Kühlung muss sichergestellt sein.

Investition von 30.000 Euro
Der Direktverkauf an der Milchtankstelle reicht natürlich nicht, um die Verluste aufzufangen. Da die Investitionen je nach Maßnahmenumfang (Anschaffung Automat, (Einweg)flaschen, Aus- oder Umbau  eines Gebäudes für den Milchautomaten, Zuwegung, Werbemaßnahmen etc.) durchaus bis zu 30.000 € betragen können, muss man sich schon gut überlegen, ob und wann sich die Anschaffung einer solchen Anlage rentiert.

Veterinäramt in Planung einbinden
Vor der Anschaffung eines teuren Automaten sollte das zuständige Veterinäramt eingebunden werden. So mancher Beamte hat mit dem Ab-Hof-Verkauf von Rohmilch seine Probleme. Da kann es passieren, dass der Landwirt sich am Ende mit hohen Auflagen und weiteren Kosten konfrontiert sieht.  Beim Kauf eines Milchautomaten ist auf jeden Fall darauf zu achten, dass dieser  EU-zertifiziert ist. Mithilfe einer Checkliste für die Aufstellung von Rohmilchautomaten können Betreiber und Lebensmittelkontrolleur vorab und auch nach Inbetriebnahme prüfen, ob die hygienerechtlichen Voraussetzungen für den Automatenbetrieb gegeben sind.

Direktvermarktung von Milch richtig bewerben
Wer in die Direktvermarktung einsteigt, muss auch für sich Werbung machen. Mit einem Hinweisschild an der Straße ist es meist nicht getan. Ein kleines Hoffest anlässlich der Einweihung der Stählernden Kuh mit kostenloser Milchprobe kann ein guter Startschuss sein. Die zukünftigen Kunden können so auch den Hof und die Produktion kennenlernen. Das schafft Vertrauen und Kundenbindung. Zudem können Flyer in den naheliegenden Ortschaften ausgelegt werden. Viele Direktvermarkter setzen zudem auf eine eigene Webseite, auf der sie über den Hof informieren. Alternativ bietet die Internetseite www.service-vom-hof.de einen Marketingauftritt mit kostenlosem Basiseintrag in eine Plattform für Angebote und Dienstleistungen von Bauernhöfen in Niedersachsen.

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Die Nachfrage nach diesem Seminar war groß, beide Veranstaltungen ausgebucht. Vor diesem Hintergrund möchte die LWK Niedersachsen eine 3. Veranstaltung mit dieser Thematik anbieten. Geplant ist der 05. April 2016 in der Bezirksstelle der LWK Oldenburg – Nord. Informationen dazu erhalten Sie bei

Heike Willms
Bezirksstelle der LWK in Ostfriesland
Tel.  04941 921-130, Email: heike.willms@lwk-niedersachsen.de


Kontakt:
Sandra Raupers-Greune
Beraterin Garten, Hof- und Dorfgrün, Direktvermarktung, Landfrauenverband
Telefon: 0531 28997-127
Telefax: 0531 28997-111
E-Mail:


Stand: 09.03.2016