Webcode: 01030641

Nischen entdecken

Bei diesem Seminar der BSt der LWK  in Braunschweig ging es um das Entwickeln neuer Geschäftsideen in der Landwirtschaft.
Nachdem zunächst Heiner Schrobsdorff aus Braunschweig von seiner Firma „Wild-Ess-Kraut“ und der eigenwilligen Geschäftsidee der Wildkrautvermarktung  berichtet hatte und die Anwesenden seine Wildkräuter selbst probiert hatten, ging es ans Handwerkszeug.

Auf jedem Hof entwickeln sich neue Strukturen: Durch einen Jobangebot ergeben sich neue Herausforderungen oder durch einen Zufall entsteht eine originelle Idee für einen Nebenerwerb. In diesen und ähnlichen Situationen ist es lohnenswert, kreativ zu denken. Was mache ich aus dieser Situation?
Genau an diesem Punkt setzte das Seminar "Nischen entdecken" mit der Referentin, Iris Kracke von der LWK Niedersachsen an.

Kreativitätstechniken sind Denkwerkzeuge. Sie helfen dem Hirn bei der Arbeit. Dabei funktionieren sie alle nach dem gleichen Prinzip: Sie lassen das Denken „chaotisch“ werden. Und das ist gut so, denn wenn sich durch rationales, strukturiertes Denken, eine Lösung finden ließe, bräuchte man keine Kreativität. Die meisten Menschen sind es gewohnt, rational zu denken. Probleme werden gelöst wie eine mathematische Gleichung. Diese Vorgehensweise hat viele Vorteile. Aber eines ist klar: neue Ideen entstehen so nicht.

Auch im Seminar galt es beim Kennenlernen und Ausprobieren kreativer Methoden Denkbarrieren zu überspringen. Bedenken wie z.B.  rechtliche Rahmenbedingungen, Wirtschaftlichkeit oder die nötige Arbeitskapazität sollten zunächst außer Acht gelassen werden, um den Einfallsreichtum nicht von vornherein auszubremsen. Gar nicht so einfach, wie sich herausstellte!
Die Referentin stellte der Gruppe einen abwechslungsreichen Methodenmix vor, der sogleich ausprobiert wurde.  Dieser reichte vom Perspektivwechsel und einer besonderen Brainwriting-Methode über das Hinterfragen von Konventionen bis hin zum Einbringen bestimmter Megatrends.
Nicht immer fiel es den TeilnehmerInnen leicht, offen genug zu sein und sich auf den Methodenmix einzulassen. Dabei waren manche  Ideen, die bei den Gruppenarbeiten herauskamen durchaus alltagstauglich. Ob Mehrgenerationenbauernhof, Tiertherapie für Suchtkranke oder der Indoorbahn für die umgenutzte Scheune – viele der Einfälle hatten durchaus Potential zur Weiterverfolgung. Da jedoch allein die Methodik zu neuen Ideen zu gelangen im Vordergrund stand, wurden diese  - mitunter zum Bedauern  der Teilnehmer – nicht weitergesponnen.

Zum Ende des Seminars stellte noch ein weiterer Praktiker seine Betriebsinnovationen vor. Benedikt Sprenker aus Beckum berichtete nicht nur vom erfolgreichen Sojaanbau in klimatisch schwieriger Lage, sondern auch über eine besondere Idee der Pappelholznutzung.
„Wenn sich eine Tür schließt, geht eine andere wieder auf“, so Sprenker, „manchmal verschaffen  einem negative Entwicklungen ganz neue Perspektiven.“ Gemeint war in diesem Fall das Pech, bei der Initiative Tierwohl nicht berücksichtigt worden zu sein. Zeitgleich bekam Sprenker eine Kurzumtriebsplantage zurück. Diese sollten eigentlich abgeholzt werden. Stattdessen entwickelte Sprenker die Idee, aus dem weichen Pappelholz Beschäftigungsmaterial für seine Schweine zu machen. Dies wiederum faszinierte eine Pferdehalterin, deren Pferde die Holzboxen bisher immer verbissen hatten. „Kannst Du mir nicht auch Beschäftigungsmaterial für meine Pferde machen?“, lautete die Anfrage. „Na klar“, sagte Sprenker. Geboren war die Idee, die heute unter www.pappelplay.de  vermarktet wird.

 „Das Seminar hat mir geholfen in anderen Bahnen zu denken“, so eine Teilnehmerin, „ mein Wunsch wäre jetzt eine Folgeveranstaltung mit dem Schwerpunkt Von der Idee zum konkreten Projekt – Vom Umgang mit den Herausforderungen“. Eine Idee, die die Organisatorin Sandra Raupers-Greune gerne verfolgen wird.

Im Nachgang zu dieser Einstiegsveranstaltung ist auch eine Exkursion geplant, bei der Betriebe besucht werden, die ihre Ideen auf die unterschiedlichste Weise umgesetzt haben. Die 20 Teilnehmer konnten dazu ihre Wünsche für spezielle Betriebsarten angeben.


Kontakt:
Sandra Raupers-Greune
Beraterin Garten, Hof- und Dorfgrün, Direktvermarktung, Landfrauenverband
Telefon: 0531 28997-127
Telefax: 0531 28997-111
E-Mail:


Stand: 11.03.2016