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Deutschland startet Initiative zur klimaschonenden Herstellung von Stickstoffdüngemitteln

Die Klimabilanz der Getreideerzeugung kann durch klimaschonend produzierte Stickstoffdüngemittel um bis zu 20 % verbessert werden. Der Dünger muss deshalb nicht teurer werden. Landwirte benötigen bei der Kaufentscheidung den CO2-Fußabdruck für die Herstellung des Stickstoffdüngemittels.

Das Bundesumweltministerium startet anlässlich des Klimagipfels in Paris eine Initiative, mit der die Treibhausgasemissionen bei der Herstellung von ammoniumnitrathaltigen Düngemitteln reduziert werden sollen. Ziel ist es, die bei der Salpetersäuregewinnung anfallenden Lachgasemissionen zu stoppen. Die dafür erforderliche Lachgas-Minderungstechnik ist bereits verfügbar. Lachgas ist fast 300-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Mit diesem Faktor wird Lachgas in sogenanntes Kohlendioxidäquivalent umgerechnet. Wenn weltweit alle Anlagen zur Herstellung von Salpetersäure mit der Technik ausgerüstet würden, könnten laut Ministeriumsangaben dadurch bis 2020 etwa 200 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalent vermieden werden. Das entspricht etwa der Menge, die 20 Millionen Bundesbürger jährlich verursachen. Die Minderungskosten sollen sich laut Ministerium auf drei Euro je vermiedener Tonne Kohlendioxidäquivalent belaufen. Im Vergleich zu anderen Maßnahmen wäre das sehr günstig. Beispielsweise sind die Treibhausgas-Vermeidungskosten durch Photovoltaik- oder Windstromerzeugung in Deutschland um ein Vielfaches höher.

In einigen Fabriken zur Herstellung von ammoniumnitrathaltigen Düngemitteln, dazu gehört  zum Beispiel der weit verbreitete Kalkammonsalpeter, wird diese Minderungstechnik bereits eingesetzt. Sie leisten damit einen bedeutenden Beitrag zu einer klimaschonenderen Pflanzenproduktion. Laut Herstellerangaben werden mindestens 4 kg Kohlendioxidäquivalent je produziertes kg Mineraldüngerstickstoff vermieden. Durch den klimaschonend hergestellten Dünger kann die Klimabilanz der Getreideerzeugung um bis zu 20 % verbessert werden.

Voraussichtlich wird es noch Jahre dauern, bis die deutsche Initiative weltweit umgesetzt wird und sich im Handel nur noch klimaschonend hergestellter Stickstoffdünger befindet. Bis dahin wäre es für die Landwirtschaft sehr hilfreich, wenn zumindest bei ammoniumnitrathaltigen Stickstoffdüngern der CO2 Fußabdruck ausgewiesen würde. Landwirte könnten sich dann gezielt für den klimaschonend hergestellten Stickstoffdünger entscheiden. Die Nachfrageseite würde bei den Herstellern den Anreiz schaffen, auf die klimaschonende Technik umzustellen und klimaschädliche Altanlagen stillzulegen. Für die Landwirte muss der Dünger deshalb nicht teurer werden, da moderne Anlagen in der Regel weniger Energie verbrauchen und kostengünstiger produzieren können.


Kontakt:
Ansgar Lasar
Klimabeauftragter
Telefon: 0441 801-208
Telefax: 0441 801-315
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Stand: 11.12.2015