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Pariser Klimaabkommen kann Flächenkonkurrenz verschärfen

In Paris haben sich 195 Staaten zum Klimaschutz bekannt. Die Erderwärmung soll auf höchsten zwei Grad begrenzt werden. Das Klimaabkommen betrifft die Landwirtschaft in zweifacher Hinsicht.

Mit dem Vertrag hat sich zum ersten Mal die gesamte Weltgemeinschaft zum Handeln gegen die globale Klimaveränderung verpflichtet. Der Vertrag soll 2016 durch die Staatschefs unterzeichnet werden. Der Landwirtschaft kann dadurch so mache Anpassungsmaßnahme an veränderte Klimabedingungen erspart bleiben. Andererseits werden die erforderlichen Treibhausgas-Minderungsmaßnahmen auch die Landwirtschaft treffen. Eine verschärfte Konkurrenz um die Fläche kann auftreten, wenn die verursachten Treibhausgasemissionen durch zusätzliche Waldflächen kompensiert werden.

Die Staaten setzen sich das Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter "weit unter" zwei Grad Celsius zu beschränken. Zudem sollen Anstrengungen unternommen werden, den Temperaturanstieg bereits bei 1,5 Grad zu stoppen. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts soll ein Gleichgewicht erreicht werden zwischen dem von Menschen verursachten Treibhausgasausstoß und der Kohlendioxidbindung durch sogenannte Senken, das sind etwa Wälder, aber auch technische Möglichkeiten durch Herausfiltern des Kohledioxids aus Abgasen.

Auf einen Fahrplan für den Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energieträger konnten sich die Verhandlungsführer nicht verständigen. Die Länder können weiterhin Kohle verheizen, wenn Sie als Ausgleichsmaßnahme die dabei freigesetzten Treibhausgase zum Beispiel in wachsenden Waldbeständen speichern. Da Bäume nicht in den Himmel wachsen, wird dafür landwirtschaftlich genutzte Fläche in Anspruch genommen. Ob der deutschen Industrie diese Freikaufmöglichkeit eröffnet oder ein Ausstiegsfahrplan für den Verbrauch fossiler Energieträger beschlossen wird ist noch nicht bekannt.

Laut Bundesumweltministerium sollen nicht nur Kohlendioxid, sondern alle verursachten Treibhausgase kompensiert werden. Dazu zählen dann voraussichtlich auch Methan- und Lachgasemissionen aus der landwirtschaftlichen Erzeugung. Während Energie heute zumindest technisch schon annähernd emissionsfrei erzeugt werden kann, sind die Emissions-Minderungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft sehr begrenzt. Wenn Lebensmittel zukünftig emissionsneutral erzeugt werden sollen, könnte das zum Beispiel dazu führen, dass fast ein Hektar Wald angepflanzt werden müsste, um eine Kuh halten zu dürfen. Diese Waldfläche würde für die Futter- und Lebensmittelerzeugung nicht mehr zur Verfügung stehen. Wie das bei einer steigenden Weltbevölkerung sozial verträglich hinzubekommen wäre bleibt abzuwarten.

Für die Landwirtschaft ist es an der Zeit, sich intensiver mit dem Thema Klimaschutz zu befassen. Auf sie wartet viel Aufklärungsarbeit, um nachher nicht mit unerfüllbaren Auflagen konfrontiert zu werden. Dazu müssen Landwirte ihre Klimabilanz kennen und aufzeigen, welche Treibhausgasminderungen realistisch umsetzbar sind. Von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen durchgeführte einzelbetriebliche Klimabilanzen geben Auskunft hierüber.


Kontakt:
Ansgar Lasar
Klimabeauftragter
Telefon: 0441 801-208
Telefax: 0441 801-315
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Stand: 16.12.2015