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Klimaschutz - Verzicht auf Käse ist Käse

Ernährungsempfehlungen für eine klimabewusste Ernährung lassen sich nicht einfach vom CO2-Fußabdruck unterschiedlicher Lebensmittel ableiten. Hierfür ist eine differenziertere Betrachtung notwendig.

Immer wieder werden Empfehlungen für eine klimaschonende Ernährung auf der Grundlage des CO2-Fußabdrucks je kg Produkt gegeben. Er drückt aus, wie viel klimaschädliche Treibhausgasemissionen bei der Erzeugung entstanden sind. Von dem Verzehr von Milch- und Fleischprodukten wird dann abgeraten. Sie haben im Vergleich zu Gemüse einen sehr hohen CO2-Fußabdruck je kg Produkt. Beispielsweise werden auf den Internetseiten des Bundesumweltministeriums 8,5 kg CO2-Äquivalent je kg Käse und etwa 0,15 kg CO2-Äquivalent je kg Frischgemüse genannt. Das CO2-Äquivalent ist die Maßeinheit, in der die Klimawirksamkeit unterschiedlicher Treibhausgase zusammengefasst wird. Aus der Differenz zwischen den CO2-Fußabdrücken wird die mögliche Treibhausgaseinsparung bei einer Ernährungsumstellung berechnet. Ist die Sache wirklich so einfach? Bei einem Vergleich des CO2-Fußabdrucks je kg Produkt fallen mindestens  drei Aspekte unter den Tisch, die für klimaschonende Ernährungsempfehlungen berücksichtigt werden sollten:

  1. Der Nährwert der Produkte ist nicht vergleichbar. 100 Gramm Käse machen bekanntlich viel länger satt als 100 Gramm Schlangengurken. Der gewichtsbezogene Vergleich des CO2-Fußabdrucks verschiedener Produkte hinkt folglich.
  2. Die Gesellschaft wünscht den Erhalt von Grünland. Kein Mensch isst das Gras. Landwirte erzeugen mit ihren Milchkühen daraus hochwertige Lebensmittel. Im CO2-Fußabdruck wird das nicht berücksichtigt.
  3. Die meisten Freilandgemüsekulturen zehren am Humusgehalt des Bodens. Dadurch werden Treibhausgase freigesetzt, die in einigen CO2-Fußabdruckberechnungen nicht einfließen. Andererseits werden mit dem Dung aus der Tierhaltung den Böden Pflanzennährstoffe und Humus zugeführt, ohne dass diese Leistungen beim CO2-Fußabdruck berücksichtigt werden.

Die Beispiele sollen verdeutlichen, dass aus der Differenz des CO2-Fußabdrucks verschiedener Produkte nicht einfach die Treibhausgaseinsparung durch eine Ernährungsumstellung ausgerechnet werden kann. Dabei würden Äpfel mit Birnen verglichen. Kein Klimaschützer muss mit einem schlechten Gewissen Käse essen und umgekehrt ist kein Vegetarier automatisch ein Klimaschützer.

Eine sichere Empfehlungen für eine klimabewusste Ernährung ist es zum Beispiel, möglichst wenig Lebensmittel wegzuwerfen. Laut einer WWF-Studie werfen deutsche Endverbraucher im Durchschnitt etwa 20 % der Lebensmittel ungenutzt auf den Müll. Außerdem ist es aus Klimaschutzsicht ratsam, Einkäufe zu bündeln oder Kleineinkäufe mit dem Fahrrad zu erledigen. Wer mit dem Auto die Brötchen holt, verursacht damit meistens mehr Treibhausgase als für die Herstellung der Brötchen - von der Aussaat des Getreides, über die Verarbeitung in der Mühle bis zur Auslage in der Bäckerei - entstanden sind.

Natürlich macht es aus Sicht des Klimaschutzes auch Sinn, auf unnötige Verpackungen zu verzichten.  Allgemeingültige Empfehlungen zur Art der Verpackung zu geben, ist dagegen schwierig. Das gilt auch für die regionale Herkunft und für Bioprodukte. Generalisierte Empfehlungen zu regionalen Produkten oder zu Bioprodukten lassen sich mit Klimabilanzen nicht belegen. Viel wichtiger erscheint es, Landwirte bei einer klimaschonenden Erzeugung zu unterstützen.

Landwirte können einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz leisten. Dazu müssen sie nicht die Produktion aufgeben oder plötzlich ganz andere Produkte erzeugen. Vielmehr kommt es darauf an, die jeweilige Produktion möglichst klimaschonend zu gestalten. Dazu müssen sie die Zusammenhänge kennen. In der landwirtschaftlichen Ausbildung wird das Thema bisher wenig berücksichtigt. Die Landwirtschaftskammer hilft Landwirten. Sie rechnet einzelbetriebliche Klimabilanzen und zeigt damit auf, wo die wichtigsten Stellschrauben sitzen, um die Treibhausgasemissionen nachhaltig zu reduzieren. Der Datenerfassungsaufwand für den Landwirt ist überschaubar und beträgt in der Regel weniger als eine Stunde. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Maßnahmen zur Verbesserung der Klimabilanz auch die Wirtschaftlichkeit verbessern können und von Landwirten umgesetzt werden.


Kontakt:
Ansgar Lasar
Klimabeauftragter
Telefon: 0441 801-208
Telefax: 0441 801-315
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Stand: 21.01.2016