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Getreide zum richtigen Zeitpunkt verkaufen

Getreidevermarktung ist nichts für schwache Nerven! Nicht nur die – je nach Intension unterschiedlich intensiv forcierten - Meldungen zu den Ernte- und Verbrauchsmengenentwicklungen in anderen Teilen der Welt und die davon getriebenen Schwankungen an den Terminmärkten, sondern auch die lokalen kurzfristigen Nachfragen (z. B. vor kurzem in Frankreich) beeinflussen die erfolgreiche Getreidevermarktung. Nachfolgend analysiert Dr. Mathias Schindler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, ob, wann und vielleicht auch wie mit der Lagerung von Getreide Geld verdient werden kann.

Wer mit Erfolg verkaufen will, muss seine Kosten kennen und in der jährlichen Preisentwicklung, die von einigen Fakten und vielen Gerüchten stark beeinflusst wird, den richtigen Verkaufstermin finden. Nachfolgend werden deshalb die Kosten der Lagerung den entsprechenden Preisanstiegen im Jahresverlauf gegenüber gestellt.

Die Marktlage im Rückblick

Mit einem Anteil von derzeit ca. 20 Prozent des Gesamtumsatzes in der Landwirtschaft ist Getreide knapp hinter der Milch und Kopf an Kopf mit dem Schweinefleisch zurzeit das zweitwichtigste landwirtschaftliche Erzeugnis. Der (weltweite) Verbrauch an Getreide kennt eigentlich nur eine Richtung: er steigt und steigt! Zum Einen aufgrund des Bevölkerungswachstums an sich, zum Anderen aufgrund sich verändernder Konsumgewohnheiten (zunehmender Fleischverzehr bei Wohlstandsanstieg). Der Verbraucher nimmt dies eher in den Medien, z. B. wenn „die Brot- und Brötchenpreise oder auch die Fleischpreise aufgrund gestiegener Rohstoffkosten angepasst werden müssen“, als im Portemonnaie wahr, da der Anteil der Ausgaben für Nahrungs- und Genussmittel inzwischen weit hinter denen für Miete und Mobilität, bei uns nur noch etwa 13 Prozent des Gesamtbudgets, ausmacht. In der Landwirtschaft selbst ist die Freude geteilt: Die Getreideerzeuger profitieren von hohen Erzeugerpreisen, während die Tierhalter zunächst immer erst unter den stark gestiegenen Futtermittelpreisen leiden, bis die Preise für Milch und Fleisch nachziehen.

Früher (zu Interventionszeiten) war es einfach: Wer lagern konnte, tat dies und verkaufte meist erst am Ende der EU-Lagerzuschlagsphase, wenn sein Zins für Liquidität niedrig war. War der Zins hoch, wurden oft Teilmengen nach Liquiditätsbedarf vermarktet.

In der Grafik 1 ist die Entwicklung des Futterweizenpreises (wichtigstes Getreide) seit der Ernte 1998 dargestellt. Für die Analyse der Preisentwicklung eignen sich ausgewählte Jahre und verschiedene langfristige Durchschnittsphasen. An Effekten war (fast) alles dabei:

  • niedriger Startpreis mit moderatem Anstieg (Ernten 1998, 1999, 2005)
  • niedriger Startpreis mit starkem Anstieg (Ernte 2006)
  • niedriger Startpreis, zunächst Anstieg und dann Einbruch (Ernten 2000, 2002, 2003)
  • niedriger Startpreis ohne ausreichendem Anstieg (Ernten 2001, 2004, 2009)
  • hoher Startpreis, Seitwärtsbewegung, anschließend Anstieg (Ernte 2011)
  • hoher Startpreis und anschließende Achterbahnfahrt (Ernten 2013, 2014)
  • hoher Startpreis mit (starkem) Anstieg und Einbruch (Ernten 2007, 2012)
  • guter Startpreis mit starkem Einbruch (Ernte 2008)
  • hoher Startpreis mit starkem Anstieg , danach Achterbahn (Ernte 2010)

„Normale“ Jahre mit kontinuierlichem leichten Anstieg? Seit längerem schon Fehlanzeige! Stattdessen ist offensichtlich, dass es nach hohen Startpreisen immer deutlich turbulenter zuging, als wenn der Markt auf niedrigem Niveau begann.

Zusätzlich zu der Grafik zeigt die Übersicht 1 in tabellarischer Form, wie sich die Preise nach der Ernte im jeweiligen Monatsdurchschnitt gegenüber dem Erntepreis des Jahres verändert haben. Die farbige Unterlegung nimmt die Ergebnisse schon vorweg: Die grün unterlegten Monate wären in dem Jahr der jeweils gewinnoptimierte Verkaufszeitpunkt gewesen. Zwischen Einbrüchen um mehr als 43 €/t gegenüber dem Erntepreis (WJ 08/09) und Anstiegen um mehr als 74 €/t (WJ 10/11) war alles dabei. Interessant ist dabei auch der Blick auf die durchschnittliche Entwicklung in den letzten 17 Jahren: Wer immer im Februar oder März verkauft hat, hat im Schnitt vermutlich die besten Preise mitnehmen können, was aber zur Deckung der Lagerungskosten (ganz knapp) nicht gereicht hat. Betrachtet man allerdings den Schnitt der letzten zehn Jahre, ergibt sich für die „Februarvermarktung“ ein Aufschlag von 19,28 €/t(, der zur Deckung der Lagerkosten genügte). Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre wird der Vorteil dieses Termins mit 25,72 €/t Preisanstieg noch deutlicher. Der Blick auf die jährlichen Daten verrät: Das Ergebnis ist ganz stark vom WJ 2010/11 bestimmt. Genau deshalb sollte eine eventuelle Investitionsentscheidung eben nicht davon beeinflusst werden und – nun mal ganz ehrlich – Wer hat denn damals welche Mengen zu dem Preis auch tatsächlich verkauft?

Würde dieses eine Jahr gestrichen, hätten im Durchschnitt der letzten fünf Jahre die „Dezember“-Verkäufer die bessere Strategie verfolgt; bei längerem Rückblick erzielten die „Februar-/März“-Vermarkter die höchsten Preise. Wer noch später und damit erst kurz vor der neuen Ernte vermarktet hatte, bekommt - im Gegensatz zu früher -  nicht mehr die höchsten Preise. Offenbar setzen die Verarbeiter nicht mehr auf Risiko und kaufen die Ware für den Anschluss bis zur neuen Ernte rechtzeitig (oder es wird von dieser Frage durch Spekulationsmeldungen elegant und ausreichend abgelenkt). Eine Klärung wäre durch Statistiken über monatlich verkaufte Mengen möglich, scheint aber wohl von vielen, die an unvollkommener Information verdienen, unerwünscht.

Ist aber eigentlich auch egal, denn viel interessanter sind die Fragen:

1. Wird die zukünftige Preisentwicklung ähnlich verlaufen und    
2. welche Preisaufschläge brauche ich zur Kostendeckung?

Zu Frage 1 gibt es bestimmt genug qualifizierte Propheten, hier nur folgendes: Sobald eine Regelmäßigkeit erkannt wird und genügend Marktteilnehmer danach handeln, hat sie sich selbst erledigt! Gilt dies für die Erkenntnis, dass der Dezember ein guter Verkaufsmonat ist/war? Vermutlich, doch was jetzt? Noch eher verkaufen oder wieder auf Februar/März setzen? Doch was, wenn das diesmal doch nicht stimmt? Am besten, Sie fragen einige Experten. Woran Sie die erkennen? Experten können im Nachgang immer genau erklären, warum die Prognosen dann doch nicht eingetreten sind.

Die zweite Frage ist einfacher zu beantworten und deshalb nachfolgend diskutiert,  welche Preisanstiege zur Deckung der Kosten für eine Getreidelagerung erforderlich sind.

Getreidelager sind unverzichtbar

Die Gründe dafür, dass die Mehrzahl der Getreideerzeuger auf die Getreidelagerung nicht verzichten kann, sind vielfältig:          
Einerseits wären die betriebseigenen Transport- und Logistikkapazitäten angesichts der schnell steigenden Schlagkraft der Mähdrescher und der Konzentration im Handel vermutlich mit den immer größeren Transportmengen und den länger werdenden Transportwegen zum Handel überfordert. Dem ließe sich aber vermutlich noch durch kurzfristiges Anmieten von Transportkapazität von (Schüttgut-)Speditionen schnell und wirksam abhelfen.

Doch daraus entsteht dann schnell das nächste Problem:  Bei der aufnehmenden Hand ist es während der Ernte schon jetzt ziemlich voll und die Wartezeiten würden sich – sofern der Handel überhaupt so viel zusätzliche Ware annehmen (und selbst lagern) könnte – weiter stark erhöhen. Dadurch wiederum würde noch mehr Transportkapazität benötigt und am Ende würde das Getreide de facto auf Anhängern und Aufliegern „zwischengelagert“.

Der Hauptgrund ist aber die oft diskutierte schlechte Verhandlungsposition, die bei der Anlieferung in der Ernte besteht. Wer hier nicht rechtzeitig Kontrakte in ausreichender Menge verhandelt hat, liefert letztendlich nur ab und das meist (aus den erwähnten logistischen Engpässen heraus) an den nächstgelegenen Handel – mit entsprechenden Konsequenzen für den erzielbaren Preis.

Auch wenn somit die Getreidelagerung unabhängig von ihrer eigenen Wirtschaftlichkeit für den Getreideanbauer oft unverzichtbar ist, gehört sie trotzdem auf den ökonomischen Prüfstand.

Bei der Ermittlung der durch die Lagerung entstehenden Kosten hilft eine Strukturierung in  verschiedene Kostenbereiche. Dabei sind fünf verschiedene Kostenbereiche in zwei Kostengruppen abgrenzbar.

Dem „Getreidelager“ (1. Kostengruppe) sind folgende Kostenpositionen zuzuordnen:

  • Die festen Kosten des Lagers selbst (Abschreibung, Zinsanspruch und Unterhaltung)
  • Die (variablen) Betriebskosten während der Lagerung 

Dem Produkt „Getreide“ (2. Kostengruppe) werden folgende Kosten zugeordnet:

  • Die Kosten des Handlings (Ein- und Auslagerung, ggf. Transport und Trocknung).
  • Die Zinsverluste aufgrund der späteren Verkaufs- und Zahlungstermine.  
  • Die Kosten der Substanzverluste (Schwund durch Reinigung, Trocknung und Lagerung).

Diese Unterteilung ist sinnvoll, weil bestimmte Kosten wie Abschreibung, Zinsanspruch und Teile der Unterhaltung immer anfallen, wenn das Lager erst einmal geschaffen wurde („sind sowieso da“), unabhängig davon, ob überhaupt gelagert wird.

Im Gegensatz dazu fallen andere Kosten erst an, wenn das Lager auch genutzt wird, wie z. B. Reparaturen und Betriebskosten (z. B. Strom). Mit den Reparaturen ist das allerdings nicht ganz eindeutig: Wer das Lager nie mehr nutzen will, kann darauf verzichten, es kann verfallen. Wer das Lager nur aktuell nicht nutzt, aber eine spätere Nutzung nicht ausschließt, sollte das Lager zumindest instand halten, also würde er zumindest einige Reparaturen unabhängig von der aktuellen Nutzung durchführen. Deshalb werden diese nachfolgend der ersten Kostengruppe zugeordnet.

Die Positionen der zweiten Kostengruppe sind an das Produkt „Getreide“ gekoppelt und würden bei anderen Lagerprodukten (z. B. Raps oder Kartoffeln) anders ausfallen. Sowohl beim Zinsverlust für das länger gebundene Kapital als auch bei den Kosten durch die Substanzverluste (Reinigung, Trocknung, sonstiger Schwund) besteht durch die Vorfinanzierung des Erlöses bzw. die abgängigen Mengen eine zusätzliche Abhängigkeit vom Getreidepreis. Ist der hoch, sind die für diese Positionen anzusetzenden Beträge eben auch höher und umgekehrt.

Bei sehr spitzfindiger Betrachtungsweise ergäbe sich sogar noch ein weiterer zu berücksichtigender Bereich. Sofern die Lagerung die Qualität des Getreides beeinflusst, könnten die eventuell daraus resultierenden Preisänderungen aufgrund von lagerbedingten Qualitätsänderungen

als sechste Kostenposition berücksichtigt werden. Für diese wird unterstellt, dass sie, wenn sie tatsächlich auftreten, bereits in der am Markt im Jahresverlauf beobachtbaren Preis­entwicklung schon „eingepreist“ sind, weil die Marktpartner diese Einflüsse kennen (würden).

Kosten eines Getreidelagers

Im Folgenden werden die Kosten für ein Getreidelager am Beispiel ermittelt. Das Lager wird für die Lagerung der betriebseigenen Getreidemenge gebaut.

In der Übersicht 2 werden die einzelnen Kostenblöcke des Lagers sowohl durch die Kapazitäten als auch anhand des anteiligen Investitionsbedarfs und der wirtschaftlichen Nutzungsdauer beschrieben. Wegen des Gesamtvolumens der Investition von beispielhaften 296.000 € ergibt sich bei einer Lagermöglichkeit für ca. 2.000 t ein spezifischer Investitionsbedarf von 148 €/t Lagerkapazität. Da Nutzungsdauern von 25 Jahren für das Lager und 12,5 Jahren für die technische Ausstattung unterstellt werden, betragen die jährlichen Festkosten (Abschreibung, Zinsen und hier inklusive Versicherung und Unterhaltung) insgesamt 23.242 € bzw. 11,53 €/t/Jahr (= 7,85 % der Investitionssumme). Davon entfallen mit 14.240 €/Jahr ca. 61,3 % auf die Abschreibung. Etwa 24,8 % (5.772 €/Jahr) werden durch die Zinskosten der Annuitätenfinanzierung  (Annahme: Ø 65 % Kapitalbindung) verursacht. Weitere 10,9 % (2.540 €/Jahr) entstehen durch Unterhaltung und 3 % durch Versicherung (690 €/Jahr).

Sofern eine Investitionsförderung nach den derzeit geltenden Bedingungen überhaupt noch in Anspruch genommen werden kann (bundeslandspezifisch unterschiedlich), könnte der Eigenanteil am Investitionsbetrag um ca. 41.400 € (inkl. Zwischenfinanzierungskosten der AFP-Mittel für 11 Monate) reduziert werden. Neben der Bilanzsumme verringern sich durch den kapitalisierten Zinszuschuss auch die Abschreibung und der Zinsaufwand um jeweils ca. 14 %, so dass eine jährliche Gesamtbelastung von ca. 20.440 € bzw. 10,22 €/t Lagerkapazität verbleibt.  Obwohl die sonstigen Kosten identisch bleiben, während sich Abschreibung und Zinsaufwand ändern, verschieben sich die Anteile trotzdem nur geringfügig auf ca. 60 % für die AfA, 24,3 % für den Zinsaufwand, 12,4% für Unterhaltung und 3,4% für die Versicherung. Durch die Investitionsförderung sinken die jährlichen Kosten des Getreidelagers also um ca. 12%.

Produktgebundene Kosten der Lagerung

Die folgenden Ausführungen orientieren sich an der oben vorgestellten Kostengruppierung und sind in der Übersicht 3 dargestellt. Hier sind zunächst die Kosten für die Ein- und die Auslagerung des Getreides zu nennen. Diese hängen im Wesentlichen von der Art der Lagerung (lose mit Abtrennung durch versetzbare Betonelemente oder in big bags) und dem eventuell erforderlichen Aufwand an „Handarbeit“ (Versetzen von Trennwänden, Förderbändern, etc.) ab. Für die variablen Kosten des Ein- und Auslagern wird hier ein Pauschalwert von zusammen 0,51 €/t angesetzt.

Wer aus der Ernte heraus verkauft, hat in der Regel meistens zwei bis drei Wochen später sein Geld und verfügt dann über Liquidität, um Verbindlichkeiten und aktuell entstehende Kosten zu begleichen oder kurzfristige Geldanlagen zu tätigen. In Zeiten niedriger Anlagezinsen spielt letzteres zwar nur eine geringe Rolle, wer aber dadurch den Kontokorrentkredit reduzieren kann, spart schon erheblich Zinsen ein. Durch die eigene Lagerung verschiebt sich der Zeitpunkt für den Liquiditätszufluss durch die Verkaufserlöse oft um mehrere Monate. Da die Erlöse nun erst später zufließen, muss je nach Finanzlage des Betriebes innerhalb dieses Zeitraumes entstehender Liquiditätsbedarf anderweitig gedeckt oder auf die Zinseinkünfte aus der Anlage überschüssiger Liquidität verzichtet werden. Die Ausgangsbasis für die Kalkulation dieser Kostenposition bildet in diesem Fall der durchschnittliche Erzeugerpreis der letzten fünf Wirtschaftsjahre (2010/11-2014/15) von 198,61 €/t (Basismonat: August). Da sich dieser aber auf (vorgereinigte) trockene Ware bezieht, sind die entsprechenden Kosten, die bei einem Verzicht auf ein eigenes Lager und Verkauf als unaufbereitete Ware aus der Ernte heraus üblicherweise im Lohn erfolgt, vom anzusetzenden Erzeugerpreis noch abzuziehen. Für die Trocknungskosten werden in diesem Fall die Kosten des Handels einschließlich des begleitenden Abzugs für den Trocknungsschwund angesetzt.

Bei 3 % Zinsen ergibt sich dafür ein Zinsanspruch von ca. 0,50 €/t und Lagerungsmonat.

Darüber hinaus entspricht die nach der Auslagerung vermarktete Getreidemenge nicht mehr der ursprünglich eingelagerten Menge. Ursächlich dafür ist der Schwund, der durch die Reinigungs- und Trocknungsverluste, den Abrieb, den Schädlingsfraß und die Transportverluste entsteht und zusammen mit den Verlusten bei der Ein- und Auslagerung bei „normalen“ Bedingungen je nach Lagerungsdauer mit 2,0 bis 2,7% an Gesamtverlusten angesetzt wird.

Der Wert dieser nach der Lagerung nicht mehr verkauften Mengen setzt sich zusammen aus deren „Netto“-Preis zuzüglich der bereits entstandenen Kosten (Zinsanspruch, Ein­lagerungskosten, Kosten des anfänglich beanspruchten Lagerraumes) und ist dem verblei­benden Getreide, also dem tatsächlich verkauften, in Form einer zusätzlichen Kostenkom­ponente anzulasten. Dazu kommen dann auch noch die Kosten für das Handling und die anteilige Trocknung der sonstigen Verluste, die ebenfalls von der am Schluss verkauften Ware mitgetragen werden müssen. Dieser Preisaufschlag beträgt bei einem Monat Lagerungsdauer 4,00 €/t und steigt bis auf 5,44 €/dt bei acht Monaten Lagerung an.

Als letzte der oben genannten Positionen sind die variablen Kosten des Lagers zu berücksichtigen. Diese ergeben sich aus der Aufsummierung der Kosten für Trocknung und Handling der verkauften Ware und gehen mit 1,83 €/t in die Kostenermittlung ein.

Somit ergibt sich eine Vollkostenbelastung (abzüglich der Kosten der Lohntrocknung) zwischen 13,05 €/t bei einem Monat Lagerungsdauer und 18,83 €/t bei acht Monaten Lagerung (siehe Übersicht 3). Mit AFP-Förderung ist es aufgrund der niedrigeren Ansätze für AfA und Zinsanspruch um ca. 1,38 €/t günstiger.

Fazit
In den letzten fünf Jahren waren für spätere Vermarktung bei optimiertem Verkaufstermin (Februar) durchschnittliche Erlösanstiege von bis zu 25,72 EUR/t feststellbar. Damit hat sich die Lagerung in der kurzfristigen Vergangenheit bei Vermarktung bis März (inzwischen wieder) als durchaus kostendeckend erwiesen. Wer billiger bauen konnte, hat sogar zusätzliche Gewinne damit erwirtschaftet.

Der Blick in die weiteren Vergangenheit liefert ein differenzierteres Bild: Über zehn Jahre betrachtet, waren nur die Verkaufstermine in Februar/März noch kostendeckend, über 17 Jahre rückblickend gelang die Deckung der Lagerungskosten selbst den „Februar“-Verkäufern nicht ganz.

Für die Lagerung sind in einer Vollkostenbetrachtung Kosten von rund 15,50 bis 17,20 €/t bei vier bis sechs Monaten Lagerungsdauer im ungeförderten Getreidelager anzusetzen.

Weil die Rechnung langfristig nur knapp nicht aufging, sollten alle Erzeuger mit vorhandenen Lagern das Verfahren „Lagerung“ weiter betreiben, da die variablen Kosten klar gedeckt sind. Selbst ohne Vollkostendeckung ist dies die Verlust minimierende Handlungsstrategie, weil so die aktuell unbeeinflussbaren Festkosten wenigstens zum Großteil gedeckt werden können.

Hoffnung gibt aber, dass zumindest in den letzten zehn Jahren bei geschickter Vermarktung auch mit ungeförderten Getreidelagern Geld verdient werden konnte.

 


Kontakt:
Dr. Mathias Schindler
Unternehmensberatung, Betriebswirtschaft
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Stand: 17.02.2016