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GAP: Die Antragsperiode 2016

Seit etwas mehr als einem Jahr ist die neue Agrarreform mit den vielfältigen Regelungen und Auflagen eingeführt, nun naht der zweite Antragszeitraum innerhalb der Förderperiode. Mit Einführung der geobasierten Antragsstellung entscheidet nunmehr die Skizze über die beantragte Flächengröße. Über diese und weitere Änderungen im ANDI-Antragsverfahren 2016 informieren wir Sie nachfolgend.

Geobasierte Antragsstellung

Das Sammelantragsverfahren 2016 beinhaltet grundlegende Neuerungen, die sich unter dem Stichwort „geobasierte Antragstellung“ zusammenfassen lassen. Erste Eckpunkte der geobasierten Antragsstellung sind nun bekannt geworden:

Eine Fläche wird im Antragsverfahren 2016 nicht mehr über die eingetragene Hektargröße (nummerisch) beantragt, sondern nur noch über die digital im ANDI-Programm anzufertigende Zeichnung der beantragten Fläche selbst (geobasierte Antragstellung). Kurz gesagt: Die Geometrie der Zeichnung zählt nun!

Wie läuft dieses Verfahren ab? Für jeden Schlag, für jeden Teilschlag und für jedes Landschaftselement ist die vom Antragsteller bewirtschaftete Fläche exakt hinsichtlich der Lage digital einzuzeichnen. Die Flächengröße, die sich aus der Umrisszeichnung ergibt, wird automatisch übernommen und kann nicht verändert werden. Mit der ANDI-DVD 2016 werden zwar die Vorjahresskizzen aus 2015 zur Orientierung wieder mitgeliefert, in den allermeisten Fällen werden jedoch die Vorjahresskizzen anzupassen bzw. durch neue, exakte Zeichnungen zu ersetzen sein.

Im Zuge der geobasierten Antragsstellung können in ANDI 2016 alle eingezeichneten Geometrien (Zeichnungen), auch der jeweils benachbarten Schläge,  über einen WEB-Dienst angezeigt werden. Damit hat jeder Antragssteller nach und nach die Möglichkeit Flächenüberlappungen zu identifizieren und dann ggf. bis zum 17.05.2016 (Ende der Frist für die Antragsstellung im Jahr 2016) durch einen erneuten Datenupload zu korrigieren. Empfehlenswert ist es kurz vor der Antragsfrist diese Möglichkeit zu nutzen und entsprechende Korrekturen durchzuführen.

Nach dem 17.05.2016 werden alle Zeichnungen zentral von Seiten der Bewilligungsstellen auf Überlappungen geprüft. Betroffene Antragssteller werden dann schriftlich über diesen Sachverhalt informiert. Bis zum 21.06.2016 haben nur diese Antragssteller dann die Möglichkeit, ihre Zeichnungen nochmals zu korrigieren um Überlappungen zu vermeiden. Innerhalb dieser 35-tägigen Frist (vom 17.05. bis zum 21.06.) können durch das Vorab-Kontroll-Verfahren (Pre-check) die den Antragstellern schriftlich mitgeteilten Flächenüberlappungen sanktionslos in ANDI durch ein erneutes Upload korrigiert werden. Sollte ein erneutes Upload durchgeführt werden, muss auch ein neuer Datenbegleitschein bei der zuständigen Bewilligungsstelle eingereicht werden. Weitergehende Änderungen, z.B. das Melden neuer Schläge  sind in dieser Phase jedoch nicht möglich.

Nach Durchführung des Vorab-Kontroll-Verfahrens, also nach dem 21.06.2016, wird zentral eine weitere Überlappungsprüfung durchgeführt. Die dann festgestellten Überlappungen müssen abschließend geklärt werden, aber eine sanktionsfreie Rücknahme ist dann nicht mehr möglich. Kann keine Klärung herbeigeführt werden, erfolgt keine Auszahlung für den überlappenden Teil und zusätzlich erfolgt je nach Größe der Überlappung ein Sanktionsabzug bei allen betroffenen Antragsstellern.

Wichtige Fristen im ANDI-Antragsverfahren 2016:

  • 17.05.2016: Abgabeschluss für den ANDI-Sammelantrag 2016
  • 17.05.2016 – 21.06.2016: 35-tägige Vorab-Kontroll-Phase (Pre-check)
  • 21.06.2016: Letzter Termin für sanktionslose Rücknahme von zu viel beantragten Flächen (Überlappungen) im Rahmen des Vorab-Kontroll-Verfahrens (Pre-check)

 

Zuweisung neuer Zahlungsansprüche in 2016 möglich

Die Zuweisung neuer Zahlungsansprüche ist auch im Jahr 2016 möglich, aber nur unter der Bedingung,

  • dass es sich um einen Junglandwirt oder
  • um einen Neueinsteiger handelt,

der eine landwirtschaftliche Tätigkeit aufnimmt.

An dieser Möglichkeit der Neuzuteilung von Zahlungsansprüchen sind mehrere Bedingungen geknüpft.

Neuzuweisung an einen Junglandwirt: Zunächst muss überprüft werden, ob der Junglandwirt als aktiver Betriebsinhaber gilt. Hier gelten die gleichen Grundsätze wie auch im vergangenen Jahr. Auf den beihilfefähigen Flächen muss zum einen die Mindesttätigkeit durchgeführt werden und zum anderen darf der Antragsteller nicht unter den in der sogenannten Negativliste genannten Kategorien einzuordnen sein. Für den Fall, dass der Landwirt doch in einer dieser Kategorien einzuordnen ist, z.B. aufgrund einer ihm zur Verfügung stehenden Sport- und Freizeitflächen wie einem Reitplatz, kann die Negativliste mittels verschiedener Optionen wieder „verlassen“ werden. Die Einzelheiten hierzu werden an dieser Stelle aufgrund der Bekanntheit aus der letzten Antragsperiode nicht näher erläutert.

Hat der Junglandwirt bereits im vergangenen Antragsjahr 2015 Zahlungsansprüche erstmalig zugewiesen bekommen, kann der Junglandwirt keine weiteren Zahlungsansprüche aus der nationalen Reserve beantragen.

Außerdem darf der Junglandwirt im Jahr der Antragsstellung nicht älter als 40 Jahre sein (< 40 Jahre) und frühestens im Jahr 2011 die Betriebsleitereigenschaft übernommen haben. Werden alle Kriterien erfüllt, steht einer Neuzuweisung von Zahlungsansprüchen aus der nationalen Reserve nichts mehr im Wege.

Neuzuweisung an einen Neueinsteiger: Auch ein Neueinsteiger kann von der Zuteilung neuer ZA´s aus der nationalen Reserve profitieren. Hier stellen sich ebenso zunächst die Fragen der aktiven Betriebsinhaberschaft. Wurde dann frühestens im Jahr 2014 die derzeitige landwirtschaftliche Tätigkeit aufgenommen und in den fünf Jahren vor der Aufnahme der derzeitigen landwirtschaftlichen Tätigkeit keine landwirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt, ist auch hier eine Neuzuteilung von ZAs möglich und zwar in dem Umfang der beantragten beihilfefähigen Fläche. Achtung: Als landwirtschaftliche Tätigkeit im Sinne der EU-rechtlichen Bestimmungen zählt in diesem Zusammenhang auch eine gewerbliche Tierhaltung!

 

Inhaltliche Änderungen bei der Zuordnung einzelner Kulturen zu den Kulturgruppen

Die Kulturcodeliste, aus der die Zuordnung der einzelnen Kulturen zu den für die Anbaudiversifizierung wichtigen Kulturgruppen zu entnehmen ist, hat sich in einzelnen Bereichen im Vergleich zum Vorjahr geändert. Diese Änderungen basieren auf Auslegungen der EU-Kommission und können im Einzelfall gravierende Auswirkungen für den Antragsteller haben.

So zählen die Futterleguminosen wie Klee oder Luzerne, sofern sie in Reinkultur oder als reine Leguminosenmischung angebaut werden, nicht mehr zu der Kategorie „Gras- oder andere Grünfutterpflanzen“. Für Futterbaubetriebe ergeben sich aufgrund dieser Änderung neue Perspektiven. So würden beispielsweise durch die Nutzung der Ackerflächen mit 75% Silomais, 17,5% Ackergras und 7,5% Luzerne sowohl die Anforderungen an die Anbaudiversifizierung als auch an Bereitstellung ökologischer Vorrangfläche (Luzerne = stickstoffbindende Kultur) erfüllt werden. Ebenfalls wird durch einen mehr als fünfjährigen Anbau von Futterleguminosen eine Fläche aufgrund der beschriebenen Änderungen nicht zum Dauergrünland. Dieses gilt aber nicht für Mischungen von Futterleguminosen mit Gras (z.B. Kleegras) – diese Mischungen werden weiterhin der Kulturgruppe „Gras- und andere Grünfutterpflanzen“ zugeordnet. Ein DGL-Status kann damit nicht verhindert werden.

Da Futterleguminosen nicht mehr der zuvor genannten Kulturgruppe zuzuordnen sind, sind die Ausnahmen vom Greening (mehr als 75% Dauergrünland und Gras- und andere Grünfutterpflanzen an der LF bzw. mehr als 75% Gras- und andere Grünfutterpflanze zuzüglich Brache an der Ackerfläche) durch zusätzlichen Anbau von Futterleguminosen nicht mehr zu beeinflussen.

Ähnliches gilt auch für Betriebe, die die Spezialkulturen Grassamenvermehrung oder den Anbau von Rollrasen in ihrem Anbauprogramm haben. Diese Kulturen sind ebenfalls nicht mehr der Kategorie „Gras- oder andere Grünfutterpflanzen“ zuzuordnen und gelten fortan als Mischkultur. Dieses hat beispielsweise zur Folge, dass ein Betrieb mit mehr als 75% Grassamenvermehrung an der Ackerfläche (Ackerfläche über 10 ha bzw. 15 ha) fortan sich den Regelungen des Greenings zu unterwerfen hat. Auf der anderen Seite wird durch ein mehr als fünfjähriger Grassamenanbau auf einer Fläche diese Fläche eben nicht zu Dauergrünland.

Tipp

  • Sie wollen wissen, ob sich durch die beschriebenen Änderungen auch Änderungen auf Ihre Greeningpraxis ergeben? Nutzen Sie unseren Greeningrechner 2016!
  • Berechnen Sie Ihre Prämienhöhe sowie die Entwicklung bis zum Jahr 2020 mit unserem Prämienrechner!
  • Bei Fragen rund um die Agrarförderung stehen Ihnen unsere Wirtschaftsberaterinnen und –berater zur Seite!

 


Weitere Informationen zur Umsetzung der neuen Agrarreform finden Sie in folgenden Artikeln:


Kontakt:
Anna-Lena Niehoff
Betriebswirtschaft, Unternehmensberatung
Telefon: 0441 801-426
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E-Mail:
Franz-Josef Schoo
Förderung, Betriebswirtschaft, Milchquotenregelung
Telefon: 05439 9407-12
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Stand: 30.03.2016