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Absicherung des Pflegefalls

Ein Pflegefall, gleich ob unerwartet oder vorbereitet aufgetreten, ist ein bedeutender Eingriff in das Familienleben. Ein gewisser Anteil an Vorsorge ist möglich und kann die Angst vor einem Pflegefall mindern. Glücklicherweise wird nicht jeder im Laufe des Lebens dauerhaft pflegebedürftig.

 

Die erste Vorsorgeidee ist häufig die private Pflegezusatzversicherung. Es gibt verschiedene Versicherungsmöglichkeiten.

 

 

 

 

  1. Pflegetagegeldversicherung: der Beitrag bleibt über die Laufzeit nicht stabil und muss auch im Pflegefall weitergezahlt werden. In finanziell schlechten Zeiten kann der Vertrag nicht ruhen, sondern muss mit dem Verlust der Beiträge gekündigt werden. Eine Gesundheitsprüfung ist erforderlich.
  2. Pflegekostenversicherung: Die Versicherung zahlt nur die Kosten von professionellen Pflegekräften. Die Beiträge sind nicht stabil und müssen im Pflegefall weiterbezahlt werden. Auch diese Verträge können nicht ruhen. Es ist eine Gesundheitsprüfung erforderlich.
  3. Pflegerentenversicherung: Der Beitrag bleibt stabil und kann ruhen, wenn es finanziell einmal eng wird. Die Beiträge müssen im Pflegefall nicht weitergezahlt werden. Eine Gesundheitsprüfung ist erforderlich. Die Beiträge sind häufig höher, als bei den anderen Versicherungsarten.
  4. Pflege-Bahr: Die Leistung ist häufig gering, es gibt vielfach Wartezeiten zwischen Vertragsabschluss und dem Eintreten des Pflegefalls. Ein Ruhen des Vertrags ist nicht möglich. Es wird ein staatlicher Zuschuss von 5,-€ monatlich gezahlt.

Diese Tarife werden von den Beratungsträgern sehr unterschiedlich bewertet. Sie bieten meist immer noch keinen Komplettschutz.

Innerhalb der Pflegestufen verbringt ein Pflegebedürftiger durchschnittlich die längste Zeit in der Pflegestufe I. Bis einschließlich der Pflegestufe I findet Pflege häufig im eigenen Zuhause statt. Die Pflege im eigenen Hause wird sowohl von den gesetzlichen als auch von den meisten privaten Pflegeversicherungen in geringerem Umfang unterstützt als die Pflege in Heimen. Die privaten Versicherungen nehmen häufig eine eigene Einstufung der Pflegenotwendigkeit vor und lehnen sich nicht an die gesetzlichen Pflegestufen an.

Unsere Empfehlung:
Vermögen schaffen, das für Pflege zur Verfügung stehen soll und dieses dann auch dafür nutzen.

Eine weitere Vorsorgeidee ist die Vereinbarung einer Pflegeverpflichtung im Hofübergabevertrag. Hier ist unbedingt zu prüfen, ob der Übernehmer zeitlich, körperlich und finanziell in der Lage ist, Pflege zu leisten. Eine typische Begrenzung der Pflegeverpflichtung lautet, dass der Übernehmer die Pflege bis einschließlich Pflegestufe I zu erledigen hat. Die Gefahr bei einer Begrenzung nach einer Pflegestufe ist, dass der tatsächliche Pflegeaufwand so unterschiedlich ist, dass nicht immer eine Pflegeeinstufung erreicht wird. Der hohe Betreuungsaufwand einer demenzkranken Person fällt in der Regel bisher nicht in die Pflegestufe I, so dass dieser stets neben der Bewirtschaftung des Hofes zu erbringen wäre. Der Pflegeaufwand in den Pflegestufen beinhaltet in der Regel keine Betreuungsleistungen wie die Essensbereitstellung oder Wäschepflege, sondern nur das Waschen, Anziehen und Füttern von Pflegebedürftigen. Weiterhin ist fraglich, wie die Begrenzung im Hofübergabevertrag bis Pflegestufe I gilt, wenn im nächsten Jahr die Einstufungen neu geregelt werden.

Unsere Empfehlung:
Keine Pflegeverpflichtung in Hofübergabeverträgen! Falls gewünscht, dann nur eine Verpflichtung zur Pflege bei vorübergehender Krankheit, mit zeitlicher Einschränkung pro Tag und exakterer Beschreibung der Aufgaben, die in den Zeitrahmen fallen.

Weitere Vorsorgemöglichkeiten:
Man kann schon in jungen Jahren bei Renovierungen im Haus auf Barrierefreiheit, geräumige Badezimmer und breite Türen achten. Die Kosten für diese Maßnahmen machen sich dann oft nur gering bemerkbar.

Ein gutes Miteinander auf dem Betrieb und in der Familie sorgt dafür, dass kurzfristig persönliche Hilfe gewährt wird. Um das zukünftig zu erreichen, hilft gute Kommunikation. Dazu gehört:

  • Hilfe annehmen lernen,
  • Missverständnisse ausräumen,
  • Reden statt Schweigen, dem Anderen zuhören,
  • Bitten äußern.

Gespräche innerhalb der Familie, in denen die persönlichen Wünsche und Vorstellungen für den Pflegefall besprochen werden, können zur Aufklärung und Akzeptanz von allen beitragen und Ängste auf allen Seiten abbauen. Ebenso sollte man sich über die veränderten Vorstellungen in den verschiedenen Lebensphasen bewusst sein und diese in der Familie kommunizieren. Viele Dinge sieht man im Alter von 30 Jahren anders als mit 75 oder 85 Jahren.

Das Schaffen von eigenem Vermögen für Altersvorsorge und/oder Pflege sorgt für Eigenständigkeit bei den Entscheidungen für ein würdevolles Leben im Alter.

Sie wünschen weitere Informationen oder individuelle Beratung zur Vorsorge? Dann wenden Sie sich an die sozioökonomischen Berater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.


Kontakt:
Anneken Kruse
Sozioökonomie, Cross Compliance, Förderung
Telefon: 04181 9304-14
Telefax: 04181 9304-24
E-Mail:


Stand: 11.01.2016