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Viele Besucher bei der Pflanzenbautagung 2016 der Bezirksstelle Uelzen

Rund 250 Besucher lauschten den Referenten auf der Pflanzenbautagung der Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen am 14. Januar 2016 ab 9.00 Uhr in der Stadthalle Uelzen.

Die Schwerpunkte der diesjährigen Pflanzenbautagung lagen auf dem Komplex der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Düngung sowie der Weizenzüchtung und einer effizienten Düngung.

Die bisherigen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft stehen derzeit auf dem Prüfstand und Änderungen der aktuellen rechtlichen Vorgaben in der Düngeverordnung werden angepasst. Die aktuelle Fassung der neuen Düngeverordnung wurden von Tim Eiler von der LWK Niedersachsen vorgestellt. Die Grundsätze für die Anwendung von Düngemitteln orientieren sich noch stärker als zuvor am Schutz oberirdischer Gewässer und des Grundwassers. Diesem Umstand wird durch eine verpflichtende Ermittlung des Düngebedarfs sowie umfangreicher Beschränkungen für die Aufbringung von stickstoff- oder phosphathaltigen Düngemitteln Rechnung getragen. Es werden bundeseinheitliche Stickstoffbedarfswerte (N-Sollwerte) eingeführt und die bisher gültigen Ausbringsperrfristen werden zeitlich als auch auf Festmiste ausgedehnt. Darüber hinaus wird es bei den bereits existenten Beschränkungen der Herbstdüngung weitere Verschärfungen geben und zusätzliche Beschränkungen für die Frühjahrdüngung auf gefrorenen Boden eingeführt. Hier darf in Zukunft nur noch maximal 60 kg/ha N gedüngt werden. Die Maßnahmen wirken sich dann auch direkt auf Betriebe aus, die organische Dünger produzieren. Durch die verkürzten Ausbringzeiträume müssen in Verbindung mit den beschränken Mengen die Lagerkapazitäten für Wirtschaftsdünger angepasst werden. Ein wichtiger Punkt war zudem der Nährstoffvergleich. Hier sind ab 2018 nur noch 50 kg/ha N (vormals 60 kg/ha N) und nur noch maximal 10 kg/ha P2O5 Überhang erlaubt. Zudem wird plausibilisierte Flächenbilanz eingeführt wodurch  die Erfassung des innerbetrieblichen Grundfutterumsatzes sowie der Grundfutterverkäufe u. der Grundfutterzukäufe möglich sein soll. Alles in allem wird somit der Druck auf die Landwirte in Bezug auf die Düngung wachsen.

Die neuen Regelungen sind umfangreich und betreffen insbesondere den Einsatz von organischen Düngemitteln wie Gärrest, Gülle und ähnliche. Diese sind in einigen Regionen in stärkerem Maße vorhanden und müssen gleichmäßiger auf die Fläche verteilt werden. Um einen fach- und sachgerechten Einsatz zu gewährleisten müssen bestimmte Anforderungen an organische Dünger erfüllt sein. Hierzu erläuterte Frau Birgit Blum von den Prüfdiensten der LWK Niedersachsen die Voraussetzungen für eine rechtskonforme Abwicklung der Nährstoffimporte. Es ist vorgeschrieben, dass mit den Düngemittellieferungen eine korrekte Deklaration des Düngers ausgehändigt wird. Der Aufbau der Deklaration war zentraler Bestandteil ihrer Ausführungen. So sind alle Kennzeichnungsparameter und die Reihenfolge der Angaben vorgeschrieben (Düngemitteltyp, Ausgangsstoffe, Nährstoffgehalte, Gewicht/Volumen, Inverkehrbringer/Hersteller, Einsatz von Anwendungs- bzw. Aufbereitungshilfsmitteln sowie Anwendungs- und Lagerungshinweise). Dabei ist es wichtig, dass immer korrekte Werte in den Deklarationen angegeben werden. Information und Beispiele für korrekte Deklarationen finden Sie unter: www.lwk-niedersachsen.de Webcode: 01025896 und 01013621.

Die Uni Lüneburg berichtete darüber hinaus über ihr Projekt zur Sicherung der Phosphatversorgung. Studentinnen und Studenten unterschiedlicher Studienrichtungen beschäftigen sich im Studiengang „Nachhaltigkeit“ mit einem nachhaltiges Phosphormanagement im Landkreis Lüneburg.  Zu den Nachhaltigkeitsaspekten gehören u.a. die Betrachtung der sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekte sowie die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus des jeweiligen Düngers, d.h. von der Gewinnung, über den Transport, über die Aufbereitung und bis hin zur Aufbringung. Die Ziele Forschungsprojektes spiegeln sich darin wieder, dass nicht nur aus den Seminarräumen heraus Lösungen für eine nachhaltige Düngemittelversorgung entwickeln werden sollen, sondern in enger Zusammenarbeit mit Praxispartner und -partnerinnen ermittelt werden soll, wo die Probleme und Stellschrauben in der Realität, hier im lokalen Kontext der Region Lüneburg – Uelzen liegen. So arbeiten die Studierenden mit vielen Praxispartnern (Landwirtschaftskammer, Thünen-Institut, Naturschutzverbände (z.B. NABU), Maschinenring, Zeyn Logistik, Landvolk, Geries Ingenieure (aus Zeven), zahlreiche Landwirte (bspw. Milchhof Reitbrook), ABL – Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) zusammen, um den Spagat zwischen Theorie und Praxis zu meistern.

Dr. Ebrahim Kazman, Weizenzüchter bei Syngenta Seeds, stellte dann die Möglichkeiten und Herausforderungen der Weizenzüchtung dar. Angesichts der globalen Aufgabe der Ernährungssicherung in Verbindung mit gestiegenen Ansprüchen an die erzeugten landwirtschaftlichen Produkte sind intensive Züchtungsanstrengungen wichtig, um gerade in einer Zeit mit kurzen Entscheidungszeiträumen die beste Anpassungsstrategie zu finden. Dies ist allerdings eine sehr große Herausforderung, da der Zeitraum für die Züchtung einer neuen Weizensorte ca. 10-12 Jahre umfasst. Durch die sich ständig verändernden politischen Rahmenbedingungen (z.B. Düngeverordnung) ist es jedoch häufig sehr schwer am Anfang zu überblicken, ob die getroffene Entscheidung am Ende auch wirklich richtig ist. Auf alle Fälle sind alle Beteiligten gefordert, dass darauf geachtet wird, eine vielfältige Züchterlandschaft zu erhalten und die Sortenzüchtung nicht an wenige Großkonzerne abzugeben. Dazu ist es wichtig, dass die Entwicklung neuer Sorten dem Züchter ausreichend entlohnt wird, in dem auf zertifiziertes Saatgut zurückgegriffen wird.

Neben dem Weizen kam aber auch in Uelzen die Kartoffel nicht zu kurz. Jürgen Pickny von der Kartoffelspezialberatung der LWK zeigte die Vorteile der Unterfußdüngung zu Kartoffeln auf, die damit zur effizienten Nährstoffausnutzung beiträgt. Dabei verglich er mineralische, stabilisierte und organische Düngemittel. Es zeigte sich, dass durch eine Unterfußdüngung die Nährstoffe effizienter ausgenutzt werden können, was sich in einem höheren Ertrag niederschlägt. Stabilisierte Dünger spielen insbesondere in Extremjahren wie 2013 mit hohen Niederschlägen ihre Vorteile aus, in dem weniger Nährstoffe verlagert werden und somit weiterhin der Pflanze zur Verfügung stehen. Die neuesten Untersuchungen beschäftigten sich mit dem Einsatz organischer Düngemittel (z.B. Gärreste oder Gülle) in der Unterfußdüngung zu Kartoffeln. Die ersten Ergebnisse sind hierbei sehr vielversprechend. Es können gleichwertige Erträge im Vergleich zur mineralischen Düngung erzielt werden ohne, dass grundsätzlich auf eine gute Kartoffelqualität verzichtet werden muss.

Abschließend stellte Dr. Hinrich Hüwing Aktuelles und die neuesten Ergebnisse zur Sortenwahl für das Frühjahr 2016 vor. Die Veranstaltung endete gegen 12.30 Uhr.

Die Vorträge zur Düngeverordnung und der Deklaration organischer Dünger finden Sie im untenstehenden Downloadbereich.


Kontakt:
Dr. sc. agr. Hinrich Hüwing
Berater Pflanzenschutz, Pflanzenbau
Telefon: 0581 8073-115
Telefax: 0581 8073-159
E-Mail:


Stand: 18.01.2016