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7. Fachforum Schwein: Wachsen, ohne größer zu werden

Betriebswirtschaftlich an kleinen Schrauben drehen – Einsatz gegen Salmonellen gefragt

Pressemitteilung vom 06.02.2016

Weiter unten finden Sie noch ein Video-Interview mit Dr. Ludwig Diekmann

Auf einem sehr gut besuchten Forum trafen am 4. Februar in der Münsterlandhalle in Cloppenburg interessierte Besucher und engagierte Referenten aufeinander. Das 7. Fachforum Schwein der Landwirtschaftskammer Niedersachsen – unter Mitwirkung des Deutschen Landwirtschaftsverlags und der Bauförderung Landwirtschaft e.V. – lockte mit den Themen Salmonellenreduzierung, veränderte Rahmenbedingungen und Praxiserfahrung mit Teilfixierung von Sauen im Abferkelbereich rund 2000 Besucher in die Kreisstadt.

In seiner Begrüßung erinnerte Kammervizepräsident Hermann Hermeling daran, dass die Lage der Landwirtschaft zurzeit sehr angespannt sei, und die Betriebe mit den Preisen zu kämpfen hätten. Er betonte aber das Bestreben der Branche, dennoch den gestiegenen Anforderungen aus Politik und Gesellschaft nachzukommen: „In Bezug auf eine Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes haben wir deutlich gezeigt, dass wir in der Lage sind, unseren Beitrag zu leisten und die Verwendung zu senken.“ Den gleichen Einsatz zeigten die Landwirte für einen verbesserten Nährstoffkreislauf.

Ein Schwerpunkt des Fachforums war das Thema Salmonellen. Tobias Horn von der IQ-Agrar Service GmbH stellte die Lage des Salmonellenauftretens anhand eines seit 13 Jahren laufenden Monitorings in knapp 24.000 Schweinemastbetrieben dar. Demzufolge sind deutschlandweit gut 72 Prozent der Betriebe in Kategorie I einzustufen, 23 Prozent in Kategorie II und knapp fünf Prozent in Kategorie III, wobei in Kategorie III der höchste Antikörpernachweis für Salmonellen vorliegt. In Niedersachsen sind laut Horn rund ein Drittel der Betriebe in Kategorie II bzw. III eingestuft.

Seit zwölf Jahren müssen die dem QS-Prüfsystem für Lebensmittel angeschlossenen und seit acht Jahren alle anderen Schweinemastbetriebe ihren Salmonellenstatus regelmäßig nachweisen. Laut Dr. Josef Schulte-Wülwer von der Landwirtschaftskammer werden die Schweinebestände anders als beim Geflügel nicht nach den tatsächlichen Salmonellenfunden, sondern nach dem Vorkommen von Antikörpern untersucht, da Schweine Salmonellen nicht kontinuierlich ausschneiden und deshalb der Nachweis schwierig zu erbringen ist. Betriebe mit Einstufung in die Kategorien II und III sind verpflichtet, gezielte Maßnahmen zur Salmonellenreduzierung vorzunehmen. Betriebe der Kategorie III müssen zusätzlich bakteriologische und epidemiologische Untersuchungen durchführen, um die Ursache für den Salmonelleneintrag zu ermitteln.

Obwohl die Hygiene in den vergangenen zehn Jahren in den Betrieben deutlich verbessert worden ist, ist der Anteil der Betriebe in Kategorie II bzw. III nicht so stark zurückgegangen wie erwartet. Heute seien auch mehr hygienisch und leistungsmäßig gute Betriebe betroffen, sagte Tierarzt Schulte-Wülwer in seinem Vortrag. Das sei auch der veränderten Betriebsstruktur geschuldet: viele kleinere Betriebe hätten aufgegeben und gleichzeitig hat sich die Hygiene auf den Betrieben grundsätzlich deutlich verbessert. Untersuchungen in Dänemark hätten gezeigt, dass der Salmonellen-Neueintrag über die zugekauften Schweine der Hauptrisikofaktor für eine Neuinfektion ist. Deshalb müssten künftig auch die vorgelagerten Stufen, also die Ferkelerzeugung und die Jungsauenaufzucht, in die Salmonellenbekämpfung einbezogen werden. Wichtig sei zudem das Zusammenspiel der heutzutage vielfältigen Berater auf den Höfen. Produktions-, Hygiene-, Fütterungsberater etc. müssten ihr Wissen besser verbinden. „Und der Landwirt muss Geduld haben. Eine Salmonellenberatung kann zwei bis drei Jahre dauern“, so Schulte-Wülwer.

Auch Ruth Beverborg, zuständig für Betriebswirtschaft bei der Kammer, forderte von den Landwirten Engagement. In ihrem Vortrag „Veränderte Rahmenbedingungen erfordern neue Strategien in der Schweinehaltung“ stellte sie die schwierige Situation der Betriebe vor. Neben den desaströsen Preisen seien die Novellierung der Düngeverordnung, die Novellierung des Baugesetzbuches und der Filtererlass in Niedersachsen nur einige Herausforderungen, denen sich die Branche stellen müsste. In vielen schweinehaltenden Betrieben stünden Maßnahmen zur Liquiditätssicherung und Konsolidierung im Vordergrund. Liquiditätsplanungen seien dabei sehr hilfreich. Außerdem müssten die Risiken im Betrieb minimiert werden, forderte Beverborg. In vielen Betrieben gäbe es zudem noch große innerbetriebliche Reserven, die generiert werden könnten – ein sogenanntes Drehen an kleinen Schrauben. „Wachstum, ohne größer zu werden“ heiße deshalb die Devise.

Zukünftige Anforderungen des Tierschutzes sollten bei allen Planungen einbezogen werden. Insbesondere bei langfristigen Entwicklungsstrategien wie Betriebserweiterungen seien viele Aspekte zu beachten. Auch die Zupacht oder der Kauf von Stallanlagen könnten eine zukünftige Entwicklungsoption sein. Doch Vorsicht: QS-Standard und die Anforderungen der Tierschutznutztierhaltungsverordnung sollten intensiv mit einem Produktionsberater überprüft werden. Fragen wie „mit oder ohne Abluftreinigung“, steuerrechtlich gewerblicher oder landwirtschaftlicher Betrieb des Stalles, Entfernung vom Wohnsitz des Betriebsleiters,  Umfeld des Stalles – Abstand zu Wald-, Wohn-, Gewerbe- oder FFH-Gebieten – sollten unbedingt geklärt werden.

Laut Beverborg bergen Veränderungen trotz allem auch Chancen. Allerdings seien künftig neben der fachlichen Qualifikation immer mehr auch persönliche kommunikative, kreative und innovative Fähigkeiten des Betriebsleiters entscheidend für den Erfolg.

In einem weiteren Vortrag ging es um Praxiserfahrungen mit der Teilfixierung von Sauen im Abferkelbereich – eine Kooperation zwischen der Hochschule Osnabrück und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, bei der die Pro Dromi-Abferkelbucht unter Praxisbedingungen getestet wurde. Schließlich hieß es noch „Risiko: Betriebsleiterausfall“ und die Möglichkeiten, durch gezielte Vorsorgemaßnahmen sinnvolle Absicherungen für die Familie und den Betrieb zu betreiben. Wiebke Wohler von der Landwirtschaftskammer stellte  lebhaft und praxisnah Situationen und Möglichkeiten vor.

Die Veranstaltung war wie bereits in den vergangenen Jahren sehr gut besucht. Viele Fragen der Gäste an die Referenten und Diskussionsrunden an den 80 Ausstellungsständen zeigten, dass die Branche – wie bereits von Kammervizepräsident Hermeling betont – engagiert mitwirkt, den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden.


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Sehen Sie dazu die 13 minütige Zusammenfassung und ein Interview mit
Dr. Ludwig Diekmann
, Leiter Unternehmensbereich Tier

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Stand: 12.02.2016