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Erneuerbare Energien: Flexibel in die Biogas-Zukunft

Tagung: 180 Teilnehmer diskutieren in Verden über Strom-Wettbewerb und technische Aufrüstung

Verden – Nach Jahren der Ungewissheit sehen Betreiber von Biogasanlagen wieder einen Silberstreif am Horizont: Mit der jüngsten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) können sie auf eine Verlängerung der Förderung um bis zu zehn weitere Jahren hoffen. „Dafür verlangt der Gesetzgeber allerdings von allen Anlagen, die weitermachen wollen, eine stärkere Hinwendung zu einem flexiblen Anlagenbetrieb“, sagte Heinrich Grupe, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, heute (14. März) auf der 8. Biogastagung der Kammer in Verden.

Rund 180 Tagungsteilnehmer diskutierten in Haag’s Hotel Niedersachsenhof darüber, welche rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt werden müssen, um im Wettbewerb der nächsten Jahre zu bestehen. Denn die Vergütungshöhe des erneuerbaren Stroms wird künftig nicht wie bisher staatlich festgelegt, sondern durch Ausschreibungen am Markt ermittelt. „Nur wer in der Lage ist, bei einer maximalen Vergütung von 16,9 Cent pro Kilowattstunde noch Gewinn zu erzielen, kann sich über eine Verlängerung Gedanken machen“, betonte Grupe. In früheren Jahren wurden je nach Anlagengröße und Höhe der Sonderzahlung als Einspeisevergütung zwischen 18 und 22 Cent pro Kilowattstunde bezahlt.

Statt eines kontinuierlichen Prozesses über 24 Stunden hinweg sollen Biogasanlagen, die Strom und Wärme etwa aus Energiepflanzen oder aus Gülle gewinnen, vor allem in Spitzenzeiten des Verbrauchs Strom liefern. Damit die Anlagen auf diese Weise stabilisierend auf das Versorgungsnetz wirken können, müssen sie mit erheblichem Aufwand umgerüstet werden. Die neuerlichen Investitionen sind für landwirtschaftliche Betriebe, die bereits viel Geld in die Biogasproduktion gesteckt haben, trotz staatlicher Zuschüsse eine weitere große finanzielle Herausforderung.


Gärbiologie und Anlagentechnik müssen angepasst werden


Für eine flexible Produktion müssen Gärbiologie und Anlagentechnik angepasst werden. Neben mehr Speicherkapazität sind größere Gasleitungen und ein weiteres Blockheizkraftwerk mit doppelter oder dreifacher Leistung nötig. Denn schließlich soll künftig in zwölf oder weniger Stunden so viel Gas in Energie umgewandelt werden wie früher an einem ganzen Tag. „Tägliche, wöchentliche oder jährliche Zyklen, Regelenergie oder das Fischen nach teuren Stunden: Das alles müssen die Anlagen in Zukunft liefern“, fasste Kammer-Vizepräsident Grupe zusammen.

In Niedersachsen sind derzeit knapp 1.600 Biogasanlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von rund 900 Megawatt in Betrieb. Eine Förderung über das EEG war bislang auf maximal 20 Jahre festgeschrieben. Die erste Ausschreibungsrunde im Wettbewerb um Aufträge zur Stromlieferung soll es im September geben.


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Ausführlicher Bildtext: Referenten auf der 8. Biogastagung der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen in Verden (von links nach rechts): Michael Borgard (Bioenergie Stoetze GmbH, Stoetze, Kreis Uelzen), Dr. Hans-Joachim Nägele (Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie, Universität Hohenheim, Stuttgart, Baden-Württemberg), Simon Tappen (Institut für Landtechnik und Tierhaltung, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Freising, Bayern), Andreas Freytag (Leiter Fachgruppe Betrieb/Tier, LWK-Bezirksstelle Hannover), Ralf Blanck (Blanck/Harms Biogas oHG, Ahausen, Kreis Rotenburg), Christoph Gers-Grapperhaus (bei der LWK Fachberater für Energietechnik), Heinrich Grupe (Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen) und Peter Schünemann-Plag (bei der LWK in Verden Berater für Energietechnik, Betriebswirtschaft und Förderung).


Kontakt:
Wolfgang Ehrecke
Pressereferent, Redaktion Onlinemedien
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Stand: 14.03.2017