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Wirtschaftsjahr 2016/17: Erholung ja, Euphorie nein

Schwetje: „Arbeitszeit und Kapital sind nur unzureichend entlohnt worden“

Oldenburg - Nach zwei wirtschaftlich zum Teil desaströsen Jahren hat sich die Lage auf vielen Höfen in Niedersachsen entspannt. Das zeigen die Wirtschaftsergebnisse 2016/17, die heute (29. November) von Präsident Gerhard Schwetje im Rahmen der in Oldenburg stattfindenden Kammerversammlung vorgestellt wurden. Demnach lag das durchschnittliche Unternehmensergebnis über alle Betriebsformen hinweg bei 61.400 Euro* je Betrieb. Das sind zwar fast 40 Prozent mehr als im Vorjahr (44.100 Euro), der Wert entspricht aber nur knapp dem fünfjährigen Mittel (61.200 Euro).

„Man sollte sich deshalb von den aktuellen Zahlen nicht täuschen lassen“, relativierte Schwetje das Ergebnis. Für den größten Teil der niedersächsischen Haupterwerbsbetriebe bestehe „allerhöchstens Grund für ein wenig Beruhigung, aber ganz sicher nicht für Euphorie“. Auch wenn es nach den vergangenen zwei Jahren erstmals wieder keine Eigenkapitalverluste gab, so konnten doch nur 30 Prozent der Betriebe ein Ergebnis erwirtschaften, das eine gesunde Entwicklung ermögliche.

„Arbeitszeit und Kapital sind nur unzureichend entlohnt worden“, so der Kammerpräsident, der aus den Zahlen einen „Bruttolohn“ von etwa 3.600 Euro pro Familienarbeitskraft und Monat ableitete. Davon seien noch Steuern, betriebliche Neuinvestitionen, Alters- und auch Krankenversicherung zu bezahlen. „Eine Rendite ihres unternehmerischen Handelns erwirtschafteten nur überdurchschnittlich erfolgreiche Unternehmen“, so Schwetje.

Die Bilanz für das Wirtschaftsjahr 2016/2017 sieht deshalb so aus: Jeder zehnte Betrieb fuhr Verluste ein, ein Drittel der Betriebe erwirtschaftete nicht mehr als 30.000 Euro und nur ein Viertel aller Betriebe kann unter den derzeit herrschenden Marktbedingungen beruhigt in die Zukunft blicken.

Nach Schwetjes Worten braucht ein landwirtschaftlicher Haupterwerbsbetrieb in Niedersachsen mindestens 70.000 Euro, um rentabel wirtschaften zu können. Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2016/17 erzielten nur die Veredlungsbetriebe diesen Wert – nach zwei wirtschaftlich katastrophalen Jahren! Die anderen Betriebsformen erwirtschafteten im dritten Jahr in Folge nur unzureichende Ergebnisse. Sie mussten auf finanzielle Rücklagen beziehungsweise Fremdkapital zurückgreifen.

 

Die Ergebnisse nach Betriebsformen:

Die Veredlungsbetriebe haben nach zwei ruinösen Jahren erstmals wieder die Möglichkeit, sich wirtschaftlich zu konsolidieren. Auch aufgrund guter Exportmöglichkeiten nach Asien konnten sie ihre Unternehmensergebnisse deutlich verbessern. Mit 81.300 Euro können sie endlich wieder Investitionen planen, die im Betrieb über Jahre zurückgehalten wurden.

Da viele Milchviehbetriebe in den zurückliegenden Jahren aufgeben mussten, wurde der Milchmarkt spürbar entlastet. Steigende Milchpreise sorgten im Wirtschaftsjahr 2016/17 für ein Unternehmensergebnis von 54.200 Euro. Das ist deutlich mehr als in den beiden Krisenjahren zuvor, aber immer noch weit unter dem Niveau zurückliegender Wirtschaftsjahre.

Die Ackerbaubetriebe hatten im zweiten Jahr in Folge Umsatzeinbußen zu verkraften. Das lag vor allem an niedrigeren Getreideerträgen und nochmals gesunkenen Preisen. Überdurchschnittliche Ernten bei Zuckerrüben und Kartoffeln kompensierten das nur zum Teil. Mit 68.700 Euro je Betrieb wurde nicht nur das Vorjahresergebnis deutlich verpasst, sondern auch der Fünfjahres-Wert um mehr als 20.000 Euro unterschritten.

Die Verbundbetriebe, die als Gemischtbetriebe keinem Betriebszweig eindeutig zuzuordnen sind, konnten im Vergleich zum Vorjahr ihre Ergebnisse mit 66.200 Euro deutlich steigern. Diese Betriebe setzen neben dem Ackerbau sehr stark auf die Schweinemast, die im abgelaufenen Wirtschaftsjahr zu den erfolgreichsten Betriebszweigen zählte.

Ausblick: Im Wirtschaftsjahr 2017/2018 wird die finanzielle Lage angespannt bleiben. Der Milchmarkt ist wieder in der Abwärtsbewegung, und die Preise für Ferkel und Schweinefleisch liegen deutlich unter dem Stand des Vorjahres. Für die Produkte des Ackerbaus sind die Märkte schwer zu prognostizieren. Noch nicht absehbar ist, ob die neue Düngeverordnung sich wirtschaftlich auswirken wird.

 

* Datengrundlage der genannten Zahlen ist eine repräsentative Stichprobe von 850 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen (Testbetriebsnetz). Deren Jahresabschlüsse wertet die Landwirtschaftskammer jährlich im Auftrag der Bundesregierung aus. Das berechnete Wirtschaftsjahr bezieht sich auf den Zeitraum 1. Juli 2016 bis 30. Juni 2017, bei Milchviehbetrieben vom 1. Mai 2016 bis 30. April 2017.

 


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Stand: 29.11.2017