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Ein Hundertstel näher dran am Klimaschutz-Ziel

Kammer rechnet nach, was Halbierung des Fleischkonsums bringen würde – Einsparpotenzial bei Energieversorgung und Mobilität wesentlich höher

Oldenburg – Die Deutschen sollten aus Sicht von Umweltschützern nur noch halb so viel Fleisch essen und die Tierbestände kräftig abbauen – anders seien die Klimaziele des Bundes nicht mehr zu erreichen: So oder so ähnlich war es kürzlich in Medienberichten über den Fleischatlas 2018 zu lesen, der vom Bund für Umwelt und Naturschutz und der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben wurde. Dabei wurden allerdings keine Angaben gemacht, wie viel eine Halbierung des Fleischkonsums zum Erreichen des Klimaziels beitragen würde. Um Verbrauchern eine bessere Orientierung zu ermöglichen, hat die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen deshalb nachgerechnet und Vergleiche angestellt.

Das Ergebnis: „Eine Halbierung des Fleischkonsums, wie bei der Vorstellung des Fleischatlas 2018 empfohlen, würde Deutschland dem Klimaziel um etwa ein Hundertstel näherbringen“, berichtet Ansgar Lasar, Klimaschutzbeauftragter der LWK. Mit einem reduzierten Fleischverzehr mache man also nichts falsch beim Klimaschutz. „Es gibt allerdings wesentlich wirkungsvollere Maßnahmen wie etwa den Bezug von Ökostrom und die Reduzierung von Flugreisen“, betont Lasar. Landwirte könnten durch eine klimaeffiziente Produktion einen Beitrag zur Verringerung der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen leisten: Eine entsprechende Beratung der Betriebe gehört seit Jahren zur Arbeit der LWK.

Lasar stützt sich bei seinen Berechnungen auf Zahlen verschiedener Ministerien, des Bundesumweltamts, des Statistischen Bundesamts sowie auf Agrarstatistiken. Demnach wurden 2016 durch den Fleischverzehr in Deutschland 26,6 Millionen Tonnen CO2e (Treibhausgasäquivalent) verursacht. Bei einer Halbierung würden die Treibhausgasemissionen aus dem Fleischkonsum also um 13,3 Millionen Tonnen gesenkt werden.

Bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen um mindestens 80 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 sinken: So lautet das Klimaschutz-Ziel der Bundesregierung. 1990 summierten sich die Emissionen auf 1.251 Millionen Tonnen CO2e. „Die Halbierung des Fleischkonsums würde Deutschland dem Klimaziel also um 1,1 Prozentpunkte näherbringen“, rechnet Lasar vor. Noch nicht berücksichtigt sei dabei, dass der geringere Fleischkonsum zu einem Anstieg des pflanzlichen Nahrungsmittelbedarfs mit entsprechend höheren Emissionen führen würde.

Der Blick in andere Bereiche zeige erheblich größere CO2-Sparpotenziale, sagt der LWK-Klimaschutzbeauftragte: „Der Bezug von Ökostrom bringt pro Person 3,3 Mal so viel Treibhausgaseinsparung wie eine Halbierung des Fleischverbrauchs.“ Bei einem nordwestdeutschen Stromversorger beliefen sich die Mehrkosten eines Durchschnittsverbrauchers für Strom aus erneuerbarer Energieerzeugung statt aus Kohle- oder Atomkraftwerken auf weniger als zwei Euro pro Monat. Lasar: „Das gute Gewissen kostet monatlich also weniger als eine Tasse Kaffee im Restaurant.“

Noch klimafreundlicher als der Wechsel des Stromtarifs ist Lasar zufolge ein gelegentliches Umdenken bei der Mobilität: „Eine Flugreise nach Gran Canaria verursacht pro Kopf 12,5 Mal so viel Treibhausgasemissionen wie bei einer Halbierung des Fleischkonsums eingespart werden kann.“

Die verursachten Kohlendioxidäquivalente, die mit dem Fleischkonsum zusammenhängen, umfassen die Treibhausgasemissionen über die gesamte Produktionskette: von der Erzeugung etwa der Ferkel, über die Mast, den Schlachtbetrieb bis zum Einzelhandel. Dabei werden sowohl die Emissionen berechnet, die im jeweiligen Betrieb entstehen, also etwa solche, die direkt aus den Viehställen entweichen, als auch Treibhausgasemissionen, die in vorgelagerten Bereichen entstehen. Das sind zum Beispiel Emissionen aus der Erzeugung des benötigten Futters und des verbrauchten Stroms oder der Kraftstoffe für Transporte bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel. Neben den Kohlendioxidemissionen sind auch die Kohlendioxidäquivalente aus Lachgas- und Methanemissionen enthalten.

Den vollständigen Bericht von Ansgar Lasar mit den einzelnen Quellen zum Nachrechnen finden Sie hier.


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Stand: 14.02.2018