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Winzige Hoffnungsträger für den Aalbestand in der Mittelelbe

Artenschutz: 320.000 Glasaale im Fluss ausgesetzt – Landwirtschaftskammer Niedersachsen koordiniert Besatzaktion zum 13. Mal

Bleckede – Sie messen etwa sechs bis sieben Zentimeter, sind nur 0,3 Gramm schwer und die große Hoffnung von Elbanrainern und Forschern: Mit Hilfe von Jungaalen soll der erheblich geschrumpfte Aalbestand in der Elbe wiederaufgebaut werden. Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, Fischer und Angler der Gemein­schaftsinitiative Elbefischerei haben am Mittwoch (11. April) mit Start in Bleckede (Kreis Lüneburg) am West- und am Ostufer der Elbe sowie in vielen Nebengewässern 107 Kilogramm der Jungfische ausgesetzt. Insgesamt waren es rund 320.000 Tiere. Die LWK koordiniert die Besatzaktion zum 13. Mal.

Von Januar bis ins Frühjahr hinein werden die Tiere als winzige, durchscheinende Glasaale an den Küsten und in den Flussmündungen Frankreichs, Spaniens und Englands gefangen. Die Aale für die Besatzaktion am Mittwoch stammen von der französischen Atlantikküste. Von dort reisten sie gekühlt im Fischtransporter an die Elbe. Entlang deren West- und Ostufer, in den Altarmen und in Nebengewässern wie Jeetzel und Krainke wachsen die Jungaale auf und können später als erwachsene Blankaale die Elbe in Richtung ihres Laichgebietes im Atlantik wieder verlassen.

Der Elbestrom gilt als vorzügliches Aufwuchsgewässer und eignet sich nach Ansicht der LWK-Fischereiexperten besonders gut für den Aalbesatz: Die Wasserqualität hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten ständig verbessert. Und mit dem Wehr in Geesthacht existiert auf dem Weg zum Meer nur ein Absperrbauwerk. Dort erleichtert je ein Fischpass an beiden Ufern den Weg der Aale in ihr Laichgebiet.

Der europäische Aal (Anguilla anguilla) gibt der Wissenschaft noch immer viele Rätsel auf. Verstärkt arbeiten europäische Forscher an der künstlichen Nachzucht des Aals, doch die kommerzielle Nutzung ist noch Zukunftsmusik. Der Lebenszyklus des Aals ist komplex. Er laicht in der Sargassosee, das ist ein Meeresgebiet im Atlantik östlich Floridas und südlich der Bermuda-Inseln. Wo genau die Tiere sich dort paaren und die Larven schlüpfen, ist unbekannt.

Die durchsichtigen, weidenblattartigen Larven werden vom Golfstrom nach Osten verdriftet, erreichen nach etwa zwei bis drei Jahren die europäischen Küsten und entwickeln sich zu Glasaalen. Gelingt es ihnen, die Flusssysteme hinaufzuziehen, werden die kleinen Glasaale durch Pigmentierung dunkel. Die Oberläufe der Flüsse sind ihre Aufwuchsgebiete, die sie nach sechs bis zwölf Jahren als erwachsene Aale verlassen, um wieder über die Nordsee und quer über den Atlantik zum Laichgebiet zu wandern.

Die Bestände des europäischen Aals sind überall in Europa seit Jahrzehnten erheb­lich zurückgegangen. Forscher diskutieren ungefähr ein Dutzend verschiedene Ursachen, darunter klimatische Veränderungen, die Fischerei, Parasiten, natürliche Feinde wie die Vogelart Kormoran sowie die Wasserkraft, deren Turbinen einen großen Teil der abwandernden Aale verletzen und damit die natürliche Wanderungsbewegung der Tiere erschweren.

Die Kosten der Besatz-Aktion liegen dieses Jahr bei 43.000 Euro. Hiervon werden etwa 60 Prozent vom Europäischen Meeres- und Fischereifonds sowie vom Land Niedersachsen getragen. Den verbleibenden Eigenanteil von 40 Prozent erbringen Fischer, Angler, Fischereirechtsinhaber und weitere Förderer, die sich in der Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei (GI-Elbe) zusammengeschlossen haben. Seit mehr als 15 Jahren kümmert sich die Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei um die fischereilichen Belange an der Elbe.

Zur Bestandssicherung des Aals hat die Europäische Union 2007 eine Aal-Verordnung erlassen. Jeder Mitgliedstaat erstellte Managementpläne und setzt diese seither um – mit dem Ziel, den Aalbestand zu stabilisieren und zu vergrößern. Neben Niedersachsen führen auch andere Bundesländer im Einzugsbereich der Elbe – Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Berlin – Aalbesatzmaßnahmen durch. Die Ergebnisse aller Anstrengungen, um dauerhaft wieder mehr Aale anzusiedeln, lassen sich frühestens in einigen Jahren abschätzen. Ein erster Erfolg des langfristig angelegten Bestandaufbaus: Das Glasaalaufkommen steigt seit 2011, das Jahr mit dem niedrigsten Wert, wieder an.


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Stand: 23.04.2018