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Handwerk und Konsumverzicht statt Flugreisen und Wegwerfgesellschaft?

Zweites Fachforum Hauswirtschaft

Interesse an aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen bei neuen Technologien in Großhaushalten und an der "Wirtschaft in der Hauswirtschaft" führte am 11.05.2017 knapp 300 Fach-TeilnehmerInnen aus ganz Niedersachsen in Walsrode zusammen, um sich über das Thema "Das Rad drehen - menschlich-technisch-wirtschaftlich" zu informieren und auszutauschen. Aussteller von Gewerbe, Schulen und Verbänden vervollständigten die Veranstaltung.

Aufbruch in eine Welt ohne Wirtschaftswachstum

Prof. Dr. Niko Paech, Hauptredner der Veranstaltung, beschwor in seinem Beitrag: Aufbruch in eine Welt ohne Wirtschaftswachstum, die Gefahren und Herausforderungen durch die zunehmende Digitalisierung unserer Wirtschaft. "Die lang gehegte Hoffnung, dass wirtschaftliches Wachstum durch technischen Fortschritt nachhaltig oder klimafreundlich gestaltet, also von Umweltschäden entkoppelt werden kann, ist längst an der Realität zerschellt", so Prof. Dr. Paech. In seinem Gegenentwurf, der Postwachstumsökonomie, fordert er, lokale Selbstversorgungsmuster zu stärken. Das bedeutet eine Produktion, in der handwerkliches Erfahrungswissen und Selbstversorgungsstrategien Vorrang haben sowie eine Beschränkung auf das Notwendige. Dabei schreibt er der professionellen Hauswirtschaft bei der die Menschen im Mittelpunkt stehen und moderne Technik elementar notwendig zur Umsetzung von Dienstleistungen ist, eine grundlegende Bedeutung zu. Befragt, ob er denn mit gutem Beispiel vorangehe, antwortet Prof. Dr. Paech: "meine Reisen führen mich vermehrt ins deutsche Inland, ich kaufe so regional wie möglich ein und arbeite in Repair-Cafés mit. Das könnte jeder umsetzen, im Kleinen wie im Großen."
 

Wertstoff Lebensmittel - effizienter Ressourceneinsatz im Großhaushalt

Frau Christine Göbel gab mit ihrem Vortrag über Wertstoff Lebensmittel - effizienter Ressourceneinsatz im Großhaushalt einen Überblick über leicht nachvollziehbare und realisierbare Einsparungsmöglichkeiten beim Einsatz von Lebensmitteln. "Das Wegwerfen von Lebensmitteln findet jeder unmoralisch", weiß Frau Göbel. "Aber schon mit einem Plastikeimer, in dem Speisereste gesammelt werden, kann jeder Mitarbeiter auf einfache Art sehen, welche Mengen anfallen und wie sich Veränderungen in der Rezeptur oder Ausgabe auswirken können. Das ist schon oft genug Anreiz, um das eigene Verhalten zu ändern. Da können wir ansetzen."


Trends in der Gebäudereinigung

Herr Martin Lutz, Gebäudereiniger-Koryphäe aus Metzingen, bleibt mit der 16-Seiten-Falttechnik und der Beschwörung von Trockenwischverfahren unvergessen. Wenn sich die Trends in der Gebäudereinigung - moderne Reinigungsverfahren im Fokus - so sein Vortragstitel - auch nur langsam etablieren, so stehe doch immer der Mensch, der die Reinigungsarbeiten ausführt, im Vordergrund. "Immer kleinere, wendigere und sparsamere Maschinen kommen auf den Markt und erleichtern so die Arbeit auch in Problemzonen."
 

Zukunftsvisionen - digitale Vernetzung in der Großküche

Herr Thorsten Kretzschmar zeigte in seinen Zukunftsvisionen - digitale Vernetzung in der Großküche - auf, wie die Digitalisierung bereits fortgeschritten ist und was zukünftig in Großküchen möglich sein wird. Die Frage einer Teilnehmerin: "wie können die Daten gesichert, der Zugang durch Unberechtigte verhindert und die Abhängigkeit von der Technik geringgehalten werden", spiegelte deutlich wieder, dass der Umgang mit EDV-gestützen Geräten bereits zum Alltag gehört, die TeilnehmerInnen die Risiken jedoch nicht fraglos in Kauf nehmen.
 

Modell zur Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz

Dr. Ulrike Günther stellte mit dem "Haus der Arbeitsfähigkeit" nach Juhani Ilmarinen ein Modell zur Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz vor. Anhand verschiedener Stockwerke, die mit einer Wendeltreppe verbunden sind, zeigte sie auf, welche Aspekte die Arbeitsbewältigungsfähigkeit unter Berücksichtigung des persönlichen Umfelds beeinflussen. In ihrem Vortrag wurde deutlich, dass die Förderung und Erhaltung der Arbeitsfähigkeit eine wichtige Führungsaufgabe in Unternehmen ist, aber auch wesentlich in der eigenen Verantwortung liegt.


Blauschimmel Atelier

Mit den "Walking Acts" des Blauschimmel Ateliers (Oldenburg) setzte die Veranstaltung einen besonderen Akzent: Menschen mit und ohne Behinderung zauberten mit ihren kleinen Theatereinlagen bei den Zuhörern ein Lächeln aufs Gesicht und sorgten für noch mehr gute Stimmung. Sie stehen auch für die besondere

Herausforderung, der sich die professionelle Hauswirtschaft mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Menschen mit Behinderung in der Ausbildung stellt.

Das Projekt wurde vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unterstützt und von der Rentenbank gefördert.

Erste Eindrücke von der gelungenen Veranstaltung, den interessanten Vorträgen und Stimmen der BesucherInnen sehen Sie in dem folgenden Video.

Video abspielen

 

Vorträge der Referenten finden Sie hier:
Prof. Dr. Niko Paech (PDF, 7339 KB)
Christine Göbel (PDF, 3091 KB)
Martin Lutz (PDF, 343 KB)
Thorsten Kretzschmar (PDF, 2435 KB)
Dr. Ulrike Günther (PDF, 667 KB)

Kontakt:
Juliane Pegel
Leiterin Sachgebiet Aus- und Fortbildung Hauswirtschaft
Telefon: 0441 801-218
Telefax: 0441 801-204
E-Mail:
Gudrun Göppert
Ernährung, Lebensmittelqualität, Verbraucher
Telefon: 0441 801-808
Telefax: 0441 801-819
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