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Pferdefleisch: Informationen für den Verbraucher

Nicht gekennzeichnetes Pferdefleisch in Fertigprodukten versetzt Verbraucher, Lebensmittelhandel und Politik in Aufruhr. Der Skandal, der zunächst die Bewohner der grünen Insel erschütterte weitete sich über ganz Europa aus. Neben Tiefkühllasagne sind auch andere Nudel- und Fleischgerichte betroffen…

EU-weit sollen jetzt Proben untersucht werden. Mittels DNA-Bestimmungen wird dabei in Erfahrung gebracht, in welchen Lebensmitteln auch Pferdefleisch verarbeitet wurde, obwohl dies nicht gekennzeichnet war. Neben der Untersuchung zur Feststellung der Fleischart wird auch auf Rückstände des Medikamentes Phenylbutazon getestet. Dieses Tiermedikament wird besonders im Reitsport bei Schmerzen und Fieber eingesetzt. Bei Pferden, deren Fleisch für den menschlichen Verzehr vorgesehen ist, darf es nicht verwendet werden. Das EU-Programm soll bis Ende März abgeschlossen sein.

In Deutschland werden über die EU-Vorgaben hinaus zusätzliche Proben von Fleischerzeugnissen auch auf andere nicht deklarierte Fleischzutaten untersucht. Dies sieht der von Bund und Ländern aufgelegte Nationale Aktionsplan vor. Die Täuschungen sollen des Weiteren durch stärkere Kontrollen, der Prüfung von härteren Strafen, einer verbesserten Verbraucherinformation sowie dem Vorantreiben der Herkunftskennzeichnung einzelnen Zutaten in verarbeiteten Produkten begegnet werden.

Aktuelle Verbraucherinformationen über Internet und Hotline
Wer also als Verbraucher wissen möchte, ob er möglicherweise falsch gekennzeichnete Produkte mit Pferdefleisch eingekauft hat, kann sich unter www.pferdefleisch-rueckrufe.de informieren. Hier findet er eine Übersicht, der von Herstellen und Handelsunternehmen zurückgerufenen Produkten. Ergänzend zu den Internetseiten können sich Verbraucher an die Hotline des Bundesverbraucherministeriums wenden: Telefonnummer 0228-24252627.

Speziell über die in Niedersachsen zurückgerufenen Produkte informiert das Niedersächsische Verbraucherschutzministerium unter www.ml.niedersachsen.de

Risiken für die Gesundheit?
Die Behörden sehen keine unmittelbare Gefahr. Die Untersuchungen von Lasagne-Produkten und weiteren Fertiggerichten mit Fleischanteil in den bislang betroffenen Mitgliedsstaaten haben bisher keine Hinweise auf gesundheitliche Risiken ergeben, informiert das Bundesverbraucherministerium.

Pferdefleisch ist, wie die anderen Fleischarten es auch sind, ein hochwertiges und nährstoffreiches Lebensmittel. Es ist reich am Mineralstoff Eisen und fettarm. Sein Geschmack ähnelt dem von Wild.

Herkunftskennzeichnung von Fleisch – so sieht es derzeit aus
Beim Rindfleisch sind die Herkunftskennzeichnungs-Vorschriften seit der BSE-Krise recht streng. So muss beim unverarbeiteten und zerkleinerten Rindfleisch genau angegeben werden, wo das Tier geboren, aufgezogen und geschlachtet wurde. Das gilt jedoch nicht für andere Tierarten. Wird das Rindfleisch verarbeitet, beispielsweise zu Wurst oder Bolognese-Sauce, entfällt eine verpflichtende Deklaration. Das heißt, die Herkunft der einzelnen Zutaten muss derzeit auf verarbeiteten Produkten nicht angegeben werden.

Herkunftskennzeichnung – das ist geplant
Zurzeit arbeitet die EU an einer Verbesserung der Fleisch-Herkunfts-Deklaration. Es wird die Einführung einer verpflichtenden Herkunfts-Angabe für verarbeitete Produkte geprüft. Deutschland, so der Nationale Aktionsplan von Bund und Ländern unterstützt diese Erweiterung der bestehenden Herkunftskennzeichnung. Zudem wird künftig jedes frische Fleisch neben Rind - von Schaf und Ziege, Geflügel bis zum Schwein - eine Herkunftskennzeichnung tragen.

Pferdefleisch – Nein Danke
Pferdefleisch ist bei deutschen Verbrauchern wenig beliebt. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Pferde sind die großen Haustiere. Sie werden von den Pferdefans gestreichelt und liebevoll behandelt. Man steht mit ihnen wie bei der Katze oder dem Hund in einer besonderen emotionalen Beziehung.

Der zweite Grund hat vor allem einen religiösen Hintergrund: Papst Gregor der III. erließ im 8. Jahrhundert ein Verbot, Pferdefleisch zu essen. Warum ist nicht ganz klar. Für die einen richtete es sich vor allem gegen die Kultpraktiker der heidnischen Germanen. Andere behaupten, es habe einfach nicht genug Pferde gegeben. Die Folge: Pferdefleisch wurde kaum noch verzehrt und oft heimlich geschlachtet.

Es wurde zum Nahrungsmittel von vor allem armen Leuten. Auch im Krieg, wenn es kein anderes Fleisch gab, kam Pferdefleisch auf den Tisch. Pferdefleisch zu essen bedeutete Not und Elend.


Weitere Informationen:
 


Kontakt:
Karin Nichter-Wolgast
Ernährung, Lebensmittelqualität, Verbraucher
Telefon: 0441 801-818
Telefax: 0441 801-819
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Stand: 25.02.2013