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Smart Home: Wenn der Kühlschrank bestimmt, was ihm fehlt

Im Haushalt tut sich einiges in Sachen digitaler Vernetzung. Geworben wird mit Lösungen, die den Alltag einfacher gestalten und für mehr Bequemlichkeit sorgen. Es ist die Rede von Arbeits-, Zeit- und Energieersparnissen. Ohne permanente Datensammlung ist die intelligente Heimvernetzung jedoch nicht möglich. Erfasste Daten geben immer auch Informationen über das Nutzerverhalten.

Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Heizung, Beleuchtung und Belüftung sind mit dem Internet verbunden und lassen sich untereinander vernetzen. Ferngesteuert werden sie durch das Smartphone oder den Tablet Computer. – Darum geht es beim sog. „Smart Home“. Konkret bedeutet das: Die Kaffeemaschine lässt sich bereits im Bett einschalten und während sich die Heizung im Büro erst um 8 Uhr morgens einschalten soll, läuft sie in der Küche bereits seit 6.30 Uhr auf Hochtouren. Das Bad wird individuell beleuchtet und je nach Benutzer mit der entsprechenden Lieblingsmusik beschallt. Per Klick lassen sich Wasch- und Spülmaschine von unterwegs starten. Die Kühlschrankkamera verrät während des Einkaufes, welche Lebensmittel fehlen. Und auf der Rückfahrt vom Supermarkt wird dem Backofen mitgeteilt, er solle sich vorheizen. Bevor das auf den Herd abgestimmte Rezept zubereitet wird, steuert das Smartphone die Höhe der Arbeitsplatte und passt sich dem Hauptakteur an. Die Geräteeinstellung übernimmt die dazugehörige App (engl. von Applikation = Anwendung). So müssen sich Küchenlaien nur noch auf das Schneiden konzentrieren. Neigt sich der Klarspüler in der Maschine dem Ende zu, gibt es eine Nachricht auf das Smartphone und von der App empfohlene Artikel können gleich online bestellt werden.

Kommt es im Laufe des Tages auf Regen, schaltet sich die mit Sensoren ausgestattete und online mit dem Wetterdienst vernetzte Gartenbewässerung gar nicht erst ein. Fängt es an zu tröpfeln, schließen sich die Fenster auch ohne den Bewohner.

Die Hausarbeit erledigt sich quasi von unterwegs und das Leben wird komfortabler und bequemer. So in etwa stellen es sich die Anbieter vor. Ob die Lebensqualität tatsächlich durch eine ständige Vernetzung mit allen Dingen von überall steigt, ist eine Frage, die jeder Nutzer individuell beantworten muss.

Mehr Komfort, Energiekosten sparen und zusätzliche Sicherheit

Eine im Juli 2015 durchgeführte Befragung der Technischen Universität München in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Deloitte von 1.000 Verbrauchern zwischen 19 und 75 Jahren ergab:  Neben zusätzlichem Komfort sind sinkenden Heiz- bzw. Stromkosten und zusätzliche Sicherheit Hauptgründe für das Interesse an Smart Home.  Fast ein Viertel der Befragten erkennt in den unterschiedlichen Smart Home-Lösungen allerdings keinen klaren Mehrwert.

Auch von Herstellern wird neben der Erhöhung der Lebensqualität das Einsparen von Energie als Proargument für Smart Home-Lösungen aufgeführt. Da die Heizkosten den größten Teil der Energieausgaben in deutschen Haushalten ausmachen, besteht hier das größte Einsparpotenzial. Anbieter werben damit, dass sich über eine „intelligente“ Steuerung der Heizung Kosten von rund 15 bis 30 Prozent einsparen ließen. Moderne Heizungsanlagen verfügen bereits über Abwesenheitssteuerung oder Nachtabsenkung. Vorteil der smarten Variante sei dagegen die Möglichkeit, einzelne Räume individuell regeln zu können. Hinzu kommt die Option, über das Internet Wetterprognosen in die Steuerung einfließen zu lassen. Sensoren verhindern, dass sich die Heizkörper aufheizen, solang Fenster geöffnet sind. Selbst Fenstergriffe sind in der Lage, Daten über die Fensterposition zu kommunizieren.

Laut der Informationsbroschüre Greenguide – Smart Home 2015, deren Mitherausgeber der Branchenverband Bitkom ist, ließen sich derzeit nur wenig Stromkosten durch vernetzte Haushaltsgeräte einsparen. Zum einen liege dies an dem tendenziell niedrigeren Anteil der Stromkosten an den Gesamtenergiekosten, wodurch entsprechendes Einsparpotenzial geringer sei. Zum anderen liege es an einem mangelnden Angebot flexibler Stromtarife, die es dem Verbraucher ermöglichen, energieintensive Haushaltstätigkeiten in Zeiten günstigeren Stromangebots zu verschieben. Auch die Investitionskosten in smarte Haushaltsgeräte wie Waschmaschine und Co. dürfen in der Rechnung nicht unterschlagen werden.

„Intelligente“ Sensoren sorgen für Sicherheit

In punkto Sicherheit ist das Anwendungsgebiet recht groß. Es reicht von Simulation der Anwesenheit durch programmierte Licht- und Rollladensteuerung über Abschaltautomatik für elektronische Geräte. Offene Türen und Fenster melden sich beim Verlassen des Hauses und bei Regen und Wind sorgen Sensoren dafür, dass sie sich schließen und die Markise eingefahren wird. Smartphone und Türschloss kommunizieren miteinander und können nur bestimmten Personen Eintritt gewähren. Per Fernsteuerung ist es möglich, ausgewählten Personen für einen gewissen Zeitraum den Zutritt zum Wohnraum zu erlauben. Das Öffnen der Haustür kann daneben weitere Aktionen wie z.B. das Abspielen bestimmter Musik oder das automatische Einschalten der Beleuchtung bewirken.

Permanente Überwachung im eigenen Wohnumfeld?

Einzelne Produkte sind „lernfähig“. Das bedeutet, sie registrieren die individuelle Steuerung des Bewohners und passen sich entsprechend an. Manchem Nutzer mag diese automatische Anpassung wie eine Bevormundung durch die Technik vorkommen. Skeptiker der neuen Technik fragen sich, wie sich ein vernetztes Zuhause in Einklang mit der Privatsphäre bringen lässt. Denn  smarte Geräte und Sensoren sind fast immer aktiv und sammeln eine Unmenge von Daten. Jedoch machen genau diese Daten eine Verbesserung intelligenter Gebäudefunktionen erst möglich. Theoretisch handelt es sich um eine permanente Überwachung im eigenen Wohnumfeld. Als problematisch gilt daneben, dass die Anbieter keinen einheitlichen Standard bei der Datensicherung bieten. Erfolgt die Kommunikation zwischen Heizung, Beleuchtung, Küchengeräten und Co. unverschlüsselt, lässt sich das System leichter manipulieren. Die Übernahme der Haussteuerung durch Hacker ist denkbar. Ist das System gehackt, lassen sich Nutzerprofile der Bewohner ermitteln.

Von Marktdurchdringung entfernt

Auf dem Markt ist eine Vielzahl von Angeboten. Problematisch sei jedoch, dass die Technik untereinander nicht vollends kompatibel ist, so der Digitalverband Bitkom. Seiner Einschätzung nach, ist Deutschland noch weit von einer Marktdurchdringung mit Smart Home-Lösungen entfernt. Dennoch wird selbst bei konservativer Schätzung damit gerechnet, dass im Jahr 2020 die Zahl der Smart-Home-Haushalte die Millionengrenze überschreiten wird. In 2013 waren erst 315.000 Privathaushalte mit smarten Lösungen ausgestattet.


Kontakt:
Iris Kracke
Beraterin Hauswirtschaft
Telefon: 0511 3665-4432
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Stand: 11.05.2016