Webcode: 01032147

Man muss nicht alles selbst machen

Betrieb, Familie, Haushalt, Ehrenamt: Viele Frauen sind vielseitig engagiert, kommen aber irgendwann an ihre Grenzen. Anders planen soll nicht dazu führen, mehr zu schaffen, sondern mehr Freiräume für sich zu finden.

Angesichts der angespannten Situation auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben und der hohen Arbeitsbelastung stellt sich die Frage nach persönlichen Hilfsmitteln, um zumindest etwas gelassener mit der Situation umzugehen und den Fokus in andere Richtungen lenken zu können. Die Aufgaben und Arbeiten im Büro und auf dem Hof nehmen zwar nicht ab und die äußeren Umstände sind auch nicht direkt beeinflussbar, dennoch lässt sich einiges anders organisieren.

Laut einer Datenerhebung in Bayern weisen insbesondere Bäuerinnen durch ihr vielseitiges Engagement ein hohes Arbeitspensum auf. Die starke Verknüpfung zwischen Betrieb, Familie, Haushalt, Beruf sowie ehrenamtlicher Tätigkeit erfordert nicht selten einen enormen Spagat. Doch gerade die starke Identifikation mit dem Betrieb und die enge Verbindung zwischen Familie und Betrieb beflügeln die extreme Arbeitsfähigkeit und Leistungsbereitschaft.

Die Ziele aufschreiben

Viele Frauen fragen sich: „Wie schaffe ich trotz der vielen anstehenden Arbeiten noch einen Rückzugsort für mich? Welche Dinge würde ich tun, wenn ich mehr Zeit hätte? Und vor allem, was muss ich tun, damit sich meine Ziele realisieren lassen?“ Die Antwort: Ziele sind ein wesentlicher Bestandteil erfolgreichen Zeitmanagements. Sie werden formuliert, wenn wir etwas erreichen oder verändern wollen. Besonders kraftvoll und Erfolg versprechend sind Ziele, die von einer Vision getragen werden. Also von einer klaren Vorstellung, wie das angestrebte Neue sein wird, wenn wir das Ziel erreicht haben. Welche Ziele habe ich persönlich, familiär, betrieblich? Bis wann möchte ich sie wie erreichen? Ziele sollten schriftlich festgehalten werden. Ebenso wie die einzelnen Handlungsschritte, die für die Zielerreichung notwendig sind.

Erkennen Sie Ihre Zeitfallen

Sie sollten die Arbeitsplanung möglichst schriftlich machen und dabei auch an feste Zeiten für Erholung und Entspannung denken. Beispielsweise können Sie am Abend die anstehenden Aufgaben für den nächsten Tag aufschreiben. Dann ordnen Sie die notierten Aufgaben nach Priorität und setzen den Zeitpunkt für die Erledigung mit entsprechendem Zeitpuffer fest. Vielleicht lassen sich sogar einige Aufgaben auf andere Familienmitglieder oder Mitarbeiter übertragen. Natürlich können jede Menge unvorhergesehene Situationen eintreten, die das Abarbeiten der „To-Do-Liste“ behindern. Zu den häufigsten Zeitfallen gehören: Perfektionismus, sich stören lassen und nicht „Nein“ sagen können. Diese und andere Zeitfallen gilt es zu vermeiden beziehungsweise zu verringern.

Innerhalb des Zeitplans spielt die individuelle Leistungskurve eine große Rolle. So können wichtige und komplexe Aufgaben am besten im Leistungshoch angegangen werden. Dabei ist es hilfreich, eine sogenannte „stille Stunde“ mit seiner Umgebung zu vereinbaren, da Unterbrechungen die Leistungsintensität verringern und ein Zurückfinden in vorherige Gedankengänge und Arbeitsschritte erschweren. Routineaufgaben können dagegen auch im Leistungstief erledigt werden.

Verantwortung teilen

Zeitmanagement liefert uns die Werkzeuge dafür, mehr Zeit für uns zu schaffen und nicht, um mehr Arbeit leisten zu können. Fester Bestandteil ist das Thema „Zeitmanagement“ in dem Weiterbildungsangebot „AgrarBüromanagerin“ der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Erfahrungsgemäß führt bereits die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik zu einem bewussteren Umgang mit der Zeitplanung. So kam eine Teilnehmerin zu der Erkenntnis: „Meine vermeintlichen Ziele sind bisher nur Wünsche geblieben. Jetzt weiß ich, wie ich es angehen muss, um meine Ziele zu verwirklichen!“

Manchmal ergeben sich schon Freiräume, wenn bestimmte Aufgaben regelmäßig an einem bestimmten Tag von jemand anderem übernommen werden. Hierbei kann es sich beispielsweise um die Stallarbeit (Füttern, Einstreuen), Kinderbetreuung, Altenpflege, Haushalt oder den Wocheneinkauf handeln. Gelingt es, bei der Zeitplanung Familienmitglieder und andere Mitarbeiter auf dem Hof mit einzubeziehen und ihnen Verantwortung zu übertragen, lässt sich zudem ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl als netter Nebeneffekt verbuchen.

 

Checkliste:

  • Ziele setzen
  • To-Do-Liste erstellen
  • Prioritäten setzen
  • Zeitlimits setzen
  • Unterbrechungen vermeiden
  • Aufgaben abgeben

Kontakt:
Kristina Stojek
Beraterin Frauen in der Landwirtschaft, Hauswirtschaft
Telefon: 0441 801-344
Telefax: 0441 801-819
E-Mail:


Stand: 18.05.2017