Webcode: 01021386

Surfen im Netz: Spurlos funktioniert nicht

Im Netz surfen, ohne Spuren zu hinterlassen, ist schlichtweg nicht möglich. Die Öffnung von Webseiten bedeutet immer, dass im Hintergrund eine Menge Daten gespeichert werden. Hinzu kommen die freiwillig im Netz hinterlassenen Angaben. Alles in allem kann so ein sehr genaues Bild vom Nutzer entstehen. Möglich ist es aber, weniger Spuren zu hinterlassen und somit die Privatsphäre zu schützen. 

Gerade wurde im Netz nach den Anforderungen für eine komfortable Büroausstattung gesucht und prompt tauchen auf den nächsten Webseiten passende Werbeanzeigen auf, die den fabrikneuen Tablet-PC oder den luxuriösesten Bürostuhl aller Zeiten anpreisen, vielleicht auch noch einen Anbieter für Büromöbel ganz in der Nähe. Die allermeisten Internetnutzer werden so etwas in der Art schon erlebt und sich vielleicht auch darüber geärgert haben.

Freiwillige Angaben hinterlassen deutliche Spuren
Wer im Internet sucht, einkauft, Bankgeschäfte erledigt, Flüge bucht, in sozialen Netzwerken aktiv ist, an Gewinnspielen teilnimmt, Newsletter abonniert und dergleichen mehr, hinterlässt Spuren. Bei vielen Transaktionen werden nämlich Vor- und Nachname, Anschrift, E-Mail-Adresse, Handynummer und Geburtsdatum abgefragt. Und wer sich in sozialen Netzwerken wie Facebook, StudiVZ, Lokalisten u.a. bewegt, kann noch viel mehr von sich preisgeben. Neben der Veröffentlichung der persönlichen Interessen, des beruflichen Werdeganges oder des Beziehungsstatus, können Fotos und Videos hochgeladen und Verlinkungen vorgenommen werden.

Surfverlauf kann erfasst werden
Zu den freiwillig im Netz hinterlassenen Daten gesellen sich noch solche, die der Computer im Hintergrund übermittelt. Beim Aufbau der Verbindung erfährt der Dienstanbieter Details des Nutzers bzw. seines Rechners. Die Internetprotokoll-(IP-)Adresse verrät z. B. den Standort des Benutzers. Die IP-Adresse ist eine Adresse in Computernetzwerken. Sie wird mit dem Netz verbundenen Computern zugewiesen, damit diese Daten senden und empfangen können und damit erreichbar sind, so die Erklärung des Informationsportals „verbraucher-sicher-online.de“ der Technischen Universität Berlin.

Der Surfverlauf lässt sich mit Hilfe sog. Cookies erfassen. Cookies sind kleine Dateien, die beim Surfen auf dem Computer des Nutzers abgespeichert werden. Sie dienen dem automatischen Austausch zwischen dem Browser des Nutzers und dem Server des Websitebetreibers. Sie haben durchaus nützliche Funktionen. Durch Sie kann sich z. B. eine Website „merken“, welche Artikel bereits im Online-Warenkorb liegen, auch wenn zwischendurch immer mal wieder die Angebotsseiten durchgeklickt werden. Sie sorgen auch dafür, dass sich der Browser an Anmeldedaten bei einem Login „erinnert“ und sich so das soziale Netzwerk oder der E-Mail-Account überhaupt öffnen lässt. Mit Hilfe gespeicherter Cookies kann der Websitebetreiber aber auch auswerten, wann welche Webseite aufgerufen wurde.

Datenschutzbestimmungen öffnen die Augen
Auch Daten zum verwendeten Betriebssystem oder der Bildschirmauflösung können gespeichert werden, ebenfalls Typ und Version des Browsers, wie z.B. Internet Explorer 9, Firefox 14 oder Chrome 21. Außerdem kann Einsicht genommen werden, von welcher Site der Nutzer gekommen ist. Sogar Informationen zum augenblicklichen Standort lassen sich auslesen, wenn z. B. ein Mobilfunkgerät mit GPS-Ausstattung verwendet wird. Nutzer brauchen sich nur einmal die Datenschutzbestimmungen ihres Dienstanbieters, z. B. die einer populären Suchmaschine, durchzulesen und sie nehmen erstaunt wahr, welche Daten von ihnen gespeichert werden. Analyseprogramme machten es möglich, genau auszuwerten, wie häufig eine Seite aufgerufen wird, zu welcher Tageszeit und an welchen Wochentagen. Selbst Interessen der einzelnen Nutzer ließen sich auslesen, klärt der Landesbeauftragte für den Datenschutz Niedersachen Joachim Walbrink.

Nutzerprofile in Werbebranche begehrt
Nach und nach entsteht so ein sehr genaues Nutzerprofil, das Vielen Geld wert ist. „Je mehr Daten in Umlauf geraten, desto genauer lässt sich daraus ein personenbezogenes Nutzerprofil erstellen“, so die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Firmen betreiben mit dem begehrten Gut einen lukrativen Handel. „Nicht nur Adresshandelsunternehmen vermieten oder verkaufen auf spezielle Zielgruppen zugeschnittene Datenbestände. Auch andere Unternehmen können ihre Kundenadressen verkaufen“, heißt es auf der Website des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Peter Schaar. Wer viel über seine potentiellen Kunden weiß, kann auch passgenaue Werbung schalten. Darum sind die Daten für die Werbeindustrie so interessant und wertvoll.

Kriminelle missbrauchen freiwillig hinterlassene Daten
Nicht nur die Werbebranche sammelt digitale Fußabdrücke. Auch für andere Unternehmen sind persönliche Daten interessant. Versicherungen würden sich z. B. für die riskanten Freizeitbeschäftigungen ihrer Kunden interessieren und Personalchefs dafür, wer sich auf eine Stelle bewirbt, heißt es auf dem vom Verbraucherschutzministerium geförderten Portal „verbraucher-sicher-online.de“. Eine breite Datenspur ist natürlich auch für Kriminelle komfortabler befahrbar: Je leichter sie Interessen und Gewohnheiten bei einer Person erkennen, desto einfacher ist es, sie zu betrügen, ihr z. B. durch sog. „Phishing“ Passwörter zu entlocken oder ihre Webidentität zu missbrauchen. 

Wer welche Inhalte speichern darf
Wer welche Daten zu welchem Zweck speichern darf, ist u.a. im Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) und Telemediengesetz (TMG) geregelt. Generell gilt im Datenschutzrecht: Es ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist (§ 4 Abs. 1 BDSG). Ausdrücklich erlaubt ist z. B. in § 15 Abs. 3 S. 1 TMG, dass ein Dienstanbieter für Zwecke der Werbung, Marktforschung oder zur bedarfsgerechten Gestaltung der Telemedien (Online-Dienste wie Suchmaschinen, Online-Shops, elektronische Presse, Foren usw.) bei Verwendung von Pseudonymen Nutzungsprofile erstellen darf, sofern der Nutzer dem nicht widerspricht. Nach §13 Abs. 1 S.1 TMG hat ein Dienstanbieter den Nutzer zu Beginn des Nutzungsvorgangs zumindest über Art, Umfang und Zwecke der Erhebung und der Verwendung personenbezogener Daten sowie über deren Verarbeitung in Saaten außerhalb des EU-Raumes in allgemein verständlicher Form zu informieren.

„Bedenkliche Defizite festgestellt“
„Bei der Prüfung von Verstößen gegen datenschutzrechtliche Vorschriften in Telemedien wurden in der Vergangenheit bedenkliche Defizite bei Telemedien-Anbietern bezüglich der Kenntnis der Rechte und Pflichten, die sich aus dem Umgang mit personenbezogenen Daten ergeben, festgestellt“, heißt es auf der Seite des Landesbeauftragten für den Datenschutz Niedersachsen. Leider könnten sich Internetnutzer nie völlig sicher sein, ob nicht doch persönliche Daten zweckentfremdet würden. Seien personenbezogene Daten erst einmal im Umlauf, gäbe es für den Betroffenen meist keine Möglichkeit die Weiterverbreitung zu kontrollieren oder gar zu unterbinden, heißt es weiter. 

Jeder kann selbst zum eigenen Schutz beitragen
Um die Privatsphäre besser zu schützen, kann einiges unternommen werden. Das Telemediengesetz räumt in § 15 jedem ein, gegen das Anlegen von Nutzerprofilen Widerspruch einlegen zu können. Im Bundesdatenschutz heißt es in § 28, dass der Betroffene bei der verantwortlichen Stelle (dem Dienstanbieter) der Verarbeitung oder Nutzung seiner Daten für Zwecke der Werbung oder der Markt- und Meinungsforschung widersprechen kann. Auch früher erteilte Einwilligungen können so widerrufen werden. Es kann jedoch aufwendig werden, bei jedem Dienstanbieter einen solchen Widerspruch einzulegen. Es gilt von vornherein, Datenschutzbestimmungen in (Online-)Verträgen und auf Webseiten zu kontrollieren. Es muss abgewogen werden, welchen Mehrwert es für einen persönlich hat, wenn man der Datenweitergabe zustimmt.

Zurückhaltend mit der Herausgabe persönlicher Daten sein
Eine gute Lösung zur Vermeidung von Datenspuren ist sicherlich, sowohl online als auch offline zurückhaltend mit den persönlichen Daten umzugehen. Nutzer sollten daran denken: Werden persönliche Daten freiwillig hinterlassen, darf mit ihnen auch Handel betrieben werden. Manchmal lässt sich die Herausgabe der Adresse nicht vermeiden – die Bestellung soll natürlich richtig angeliefert werden. Jeder kann sich aber fragen, ob es ihm Wert ist, Familienstand, Haushaltsgröße, Beruf und Nettoeinkommen preiszugeben, um für die Benutzung einer Kundenkarte Rabatt zu bekommen. „Keineswegs für alle Geschäfte muss gleich die Kontoverbindung bekannt gegeben werden. Leider hat sich ein illegaler Handel mit Bankverbindungen entwickelt“, so die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. In sozialen Netzwerken sollte das persönliche „Profil“  nicht für  jedermann geöffnet sein. In den Einstellungen lässt sich wählen, wer was sehen darf. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät: „Geben Sie nach Möglichkeit niemals Ihren echten Namen dem Netzwerk bekannt, sondern verwenden Sie Spitznamen.“ So ließe sich vermeiden, dass Einträge mit dem Namen in Verbindung gebracht und in Suchmaschinen aufgefunden werden können. Es empfiehlt sich außerdem, eine zweite E-Mail-Adresse anzulegen, die ausschließlich für die Anmeldung in sozialen Netzwerken, Foren o. ä. verwendet wird.

Bestimmte Browsereinstellungen vermindern Datenspuren
Auch technische Einstellungen können helfen, weniger Spuren beim Surfen zu hinterlassen. So lässt sich z. B. anklicken, dass sämtliche Cookies und der gesamte Browserverlauf nach Beendigung des Browsers gelöscht werden. Da die Möglichkeiten von Browser zu Browser unterschiedlich sind, muss sich hierzu individuell informiert werden.

Eine ganz grundlegende und einfache Sicherheitsmaßnahme bestehe auch darin, sich jedes Mal nach Benutzung eines Online-Dienstes, bei dem sich eingeloggt werden musste, auch wieder auszuloggen bzw. abzumelden, so „verbraucher-sicher-online.de“. Sog. Sitzungscookies würden somit sofort ungültig und könnten nicht weiter verwendet werden. Auf dem Informationsportal werden zu diesem Thema umfangreiche Informationen bereitgestellt. Wer nicht möchte, dass Anbieter sehen, von welcher IP-Adresse gesurft wird, kann beim Browsen einen sog. Proxy-Server zwischenschalten. Der Proxy vermittelt die abgerufene Seite zwischen Server und Nutzer. Der Webseiten-Anbieter erhält dann nur die IP-Adresse des Proxy-Servers. Allerdings ist dann ist den Betreibern des Proxy-Servers ersichtlich, wohin man surft.  
Unternehmen haben Auskunftspflicht

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) weist auf die Auskunftspflicht von Unternehmen und Behörden hin. Auf Anfrage müssen sämtliche Daten, die über die eigene Person gespeichert sind, schriftlich genannt werden. Außerdem besteht das Recht zu erfahren, woher die Daten stammen, zu welchem Zweck sie gespeichert wurden und an wen die Daten weitergegeben werden. Es handelt sich hierbei um das sog. Auskunftsersuchen nach § 34 BDSG.


Kontakt:
Iris Kracke
Beraterin Hauswirtschaft
Telefon: 0511 3665-4432
E-Mail:


Stand: 12.10.2012