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Fahrradverleih an Urlaubsgäste - alles bedacht?

Frau Meyer wurde oft von den Feriengästen gefragt, ob sie Fahrräder vermietet. Nun stellt sie ihren Gästen seit einiger Zeit vier Fahrräder zur Verfügung. Das Entgelt dafür ist im Mietpreis der Ferienwohnung enthalten. Es sind drei schöne normale Fahrräder (Wert je ca. 500 €) und ein Fahrrad mit elektronischer Tretunterstützung (Pedelac) im Wert von 2.500 €. Mittlerweile überlegt Frau Meyer, ob sie diese Entscheidung gut durchdacht hat. Was nicht alles passieren könnte? Wie kann man sich da absichern?

Das teure E-Bike oder auch die anderen Fahrräder könnten gestohlen werden
Präventiv ist auf jeden Fall eine Codierung der Fahrräder sinnvoll. Dabei handelt es sich um einen selbsterklärenden Code, der auf der rechten Seite des Sattelrohres eingraviert wird. Er deklariert den Wohnort des Eigentümers. Dafür wird das Autokennzeichen, der Gemeindecode, eine fünfstellige Zahl für die Straße und drei Ziffern mit der Hausnummer graviert. Weiterhin folgen die Initialen des Eigentümers sowie die Jahreszahl der Codierung. Neben der Gravierung gibt es für besondere Fahrräder (z.B. aus Carbon oder mit für das Graviergerät schwer zugänglichen Bauformen) eine Klebecodierung. Vorgenommen wird die Codierung für ein kleines Entgelt durch Fahrradhändler und Polizei. Damit ein Dieb ein fremdes Fahrrad nicht auf sich kodieren lässt, bedarf es zur Codierung den Kaufvertrag oder einen anderen Eigentumsnachweis sowie den eigenen Personalausweis.
Anhand des Codes erkennt die Polizei direkt den Eigentümer, ohne eine Datenbank zu Rate zu ziehen. Ein solcher Code hat eine sehr abschreckende Wirkung für Diebe. Der deutlich erschwerte Weiterverkauf und der geringere Verkaufserlös codierter Fahrräder zeigen Wirkung.

Gegen Diebstahl versichern
Wird ein Fahrrad dennoch gestohlen, wie jährlich über 330.000 andere Fahrräder in Deutschland, ist dies ein herber Verlust.
Eigene, private Fahrräder lassen sich gegen Diebstahl in der Hausratversicherung mitversichern. Meist mit einer Höchstentschädigung von 1 % der Versicherungssumme. Bei der Hausratversicherung der Familie Meyer mit einer Versicherungssumme von 100.000 € würde somit der Fahrraddiebstahl bis max. 1.000 € entschädigt werden. Damit wäre das Pedelac im Wert von 2.500 € aber nicht ausreichend abgesichert. Hierzu müssten in der Hausratversicherung Fahrräder bis zu mind. 2,5 % der Versicherungssumme versichert sein. Darüber ließe sich mit der Versicherung auf jeden Fall verhandeln. Die privaten Fahrräder lassen sich so sehr gut gegen Diebstahl absichern.
Im vorgestellten Fall wäre es wichtig, dass Frau Meyer ihrer Versicherung offen erklärt, dass sie die Räder auch ihren Feriengästen zur Verfügung stellt. Viele Versicherer werden dann die Versicherung der Fahrräder über die Hausratversicherung ablehnen. Wenn aber nicht, dann ist dieses die günstigste Absicherung.
Eine weitere Möglichkeit ist eine eigenständige Fahrradversicherung. Diese kann bei einigen Versicherern auch für gewerblich genutzte Fahrräder abgeschlossen werden. Sie kostet hier für alle vier Fahrräder zusammen ca. 360 € pro Jahr. Die Bedingungen bei Fahrradversicherungen sind strenger als die der Hausratversicherung. So muss das Fahrrad beim Diebstahl mit einem separaten, hochwertigen Schloss an einem festen Gegenstand angeschlossen gewesen sein und vom Feriengast muss eine Ausweiskopie vorliegen. Diese Dinge sind dem Feriengast zu erklären und einzufordern.

Ein Gast könnte einen schweren Unfall mit dem Fahrrad verursachen
Das Fahrrad ist kein Kraftfahrzeug und bedarf damit keiner eigenen Haftpflichtversicherung. Verursacht der Urlaubsgast mit dem geliehenen Fahrrad einen Unfall und schädigt Dritte oder deren Eigentum,  so ist seine eigene Haftpflichtversicherung dafür zuständig. Für den Schaden kann der Eigentümer des Fahrrades nicht belangt werden. Auch nicht, wenn der Feriengast, wie fast jeder dritte deutsche Haushalt, keine Haftpflichtversicherung besitzt.
--> Im Falle eines Unfalls muss der Ferienbetrieb nicht für den Schaden aufkommen, den der Gast verursacht.

Das Fahrrad könnte durch den Feriengast beschädigt werden
In der Regel haftet die Haftpflichtversicherung nicht für Schäden an gemieteten oder geliehenen Sachen. Die Haftpflichtversicherung des Gastes würde den Schaden somit nicht übernehmen.
Die Betriebshaftpflicht des Ferienhofes ist nicht zuständig. Sie ist nur für die Schäden zuständig, die die versicherten Personen (Betriebsleiterfamilie) oder der Betrieb einem Dritten zufügt. Nicht für Schäden die von anderen an den eigenen Sachen verursacht werden. Auch eine Fahrradversicherung für gewerblich genutzte Fahrräder kommt nicht dafür auf. Diese Versicherung gibt es im privaten Bereich auch mit Reparaturschutz, ist aber bei gewerblicher Nutzung ausgeschlossen.
--> Damit lässt sich der Schaden, den ein Gast an einem Fahrrad verursacht, nicht absichern.

Ob Frau Meyer weiterhin den Feriengästen ihre vier Fahrräder zu Verfügung stellt, bleibt ihre eigene unternehmerische Entscheidung. Die Codierung der Fahrräder hat sie sofort durchgeführt. Ihr Fahrradhändler hat 15 € pro Fahrrad berechnet. Die Hausratversicherung hat die Diebstahlabsicherung leider abgelehnt und die Fahrradversicherung ist aus ihrer Sicht zu kostspielig, sowie die strengen Auflagen der Versicherung zu umfänglich.
Frau Meyer könnte sich vorstellen, ihren Gästen einen zusätzlichen Service anzubieten. Sollten ihre Gäste eine Panne oder Unfall mit dem Fahrrad haben, würde sie oder ihr Mann ihnen unverzüglich ein Ersatzrad vorbei bringen oder sie abholen, wo immer sie liegen geblieben sind. In diesem Zusammenhang wären die Gäste vielleicht auch bereit 50 € Kaution pro Fahrrad zu hinterlegen, wodurch zumindest etwas finanzielle Absicherung bestünde.

 


Kontakt:
Wiebke Wohler
Sozioökonomische Beratung
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Stand: 08.08.2013