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Wieviel Inhalt darf in einer Fertigpackung sein?

Der Inhalt einer Fertigpackung ist eine der Pflichtangaben, die auf jedes Etikett gehört. Doch welche Vorschriften gibt es für diese Angabe und welche Toleranzen sind zulässig? Hier sollte man als Direktvermarkter wissen: Die Füllmengenangabe ist in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) geregelt. Sie bezieht sich auf die Nettofüllmenge in Gewicht, Volumen oder Stückzahl zum Zeitpunkt der Herstellung/Abfüllung.

Weitergehende Vorgaben sind der Fertigpackungsverordnung (FertigPackV) zu entnehmen. Diese sieht vor, dass nicht jede einzelne Fertigpackung exakt die gleiche Füllmenge enthalten muss. Es gilt das Mittelwertprinzip, das heißt im Mittel einer Charge darf die Nennfüllmenge nicht unterschritten werden. Minusabweichungen bei einzelnen Verpackungen sind in festgelegtem Umfang zulässig. Hierzu enthält der § 22 der FertigPackV exakte Grenzen, die je nach Größe der Fertigpackung unterschiedlich sind:

Nennfüllmenge

in Gramm (g) oder Milliliter (ml)

Zulässige Minusabweichungen
in % in g oder ml
5 - 50 9 -
50 - 100 - 4,5
100 - 200 4,5 -
200 - 300 - 9
300 - 500 3 -
500 - 1.000 - 15
1.000 - 10.000 1,5 -

  

In der Praxis wird man bei der Abfüllung eine Soll-Füllmenge einstellen, die über der angegebenen Füllmenge liegt, so dass Minusabweichungen vermieden werden. Im Regelfall nimmt man daher eine gewisse Überfüllung in Kauf. Doch wie sieht es rechtlich damit aus?

Die Ernährungsindustrie minimiert vor allem aus wirtschaftlichen Gründen solche Mehrmengen und verwendet dazu technische Kontrollmechanismen per automatisierter Wägekontrolle oder Füllstandsmessung per Sensorkontrolle. Solche Füllmengenkontrollen gibt es bei Direktvermarktern im Regelfall nicht, so dass aus Gründen der Sicherheit gewisse Überfüllungen üblich sind. Diese sind solange unproblematisch, wie sie nicht deutlich erkennbar und damit „übertrieben“ sind. Darauf wird auch in Merkblättern des Bäckerhandwerkes hingewiesen, die diese Problematik beispielsweise aus dem Abpacken von Plätzchen in der Weihnachtszeit kennen. Ansonsten wird in allgemeinen Kommentierungen zur sachgerechten Lebensmittelkennzeichnung immer nur auf zulässige Minusabweichungen hingewiesen. Überfüllungen sind somit im Regelfall unproblematisch.

Hinsichtlich der Schriftgröße der Füllmengenangabe ist Folgendes zu beachten: Hier gibt es gemäß § 20 FertigPackV Vorgaben, die von den 1,2 mm, die laut LMIV generell für Pflichtangaben auf dem Etikett gelten, abweichen. Es gilt:

 

Nennfüllmenge Schriftgröße in mm
5 - 50 2
50 - 200 3
200 - 1.000 4
mehr als 1.000 6

 

 

 


Kontakt:
Sabine Hoppe
Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte, Bauernhofgastronomie
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Stand: 10.09.2015