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Rohmilchabgabe am Hof

Grundsätzlich ist die Abgabe von Rohmilch oder auch Rohrahm an den Verbraucher ver­boten. Ausgenommen hiervon sind Milch­erzeugerbetriebe, die die Rohmilch unmittelbar an den Verbraucher abgeben.

Rohmilch ist ein Produkt von höchster Qualität, aber auch ein idealer Nährboden für ver­schiedenste Bakterien, z.B. Salmonellen, Campylobacter oder EHEC. Ein unsach­gemäßer Umgang mit diesem Lebensmittel kann somit zur Vermehrung der Mikroorganis­men führen und die Gesundheit gefährden.

Die Abgabe von Rohmilch ist deshalb genau festgelegt (§ 17 Tier-LMHV). Diese Bestim­mungen gelten sinngemäß auch für Milch anderer Tierarten (z.B. Ziegen, Schafe).


 

 

Auszug § 17 Tierische Lebensmittelhygiene-Verordnung (Tier-LMHV)

(1) Es ist verboten, Rohmilch oder Rohrahm an den Verbraucher abzugeben.

(4) Abweichend von Absatz 1 darf Rohmilch ferner von Milcherzeugerbetrieben unmit­telbar an Verbraucher abgegeben werden, wenn

  1. die Abgabe im Milcherzeugungsbetrieb erfolgt,
  2. die Rohmilch im eigenen Betrieb gewonnen und behandelt worden ist,
  3. die Rohmilch am Tag der Abgabe oder am Tag zuvor gewonnen worden ist,
  4. an die Abgabestelle gut sichtbar und lesbar der Hinweis „Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen“ angebracht ist und
  5. die Abgabe von Rohmilch zuvor der zustän­digen Behörde angezeigt worden ist.

 

1. Abgabe von Rohmilch direkt aus dem Milch­tank

 Rohmilch kann persönlich direkt aus dem Milchtank an den Endverbraucher abgegeben werden. Ein „Selberzapfen“ der Milch durch den Verbraucher aus dem Tank ist nicht erlaubt.
 

2. Abgabe der Rohmilch über einen Milch­automaten

Milchautomaten sind z.B. gekühlte Stand­automaten zur Abgabe von Rohmilch in Selbstbedienung.

Der Milchautomat darf entsprechend den An­forderungen der Tier-LMHV nur direkt auf dem Micherzeugungsbetrieb aufgestellt werden (Hofstelle, auf der die Milch gewonnen wird). Ein Aufstellen an der 200 m entfernten, ver­kehrsgünstigen Landstraße ist nicht erlaubt.

Hinweise:

  • Der Automat muss vor Umwelteinflüssen z.B. Sonneneinstrahlung geschützt werden.
  • Unbedingt ist gut sichtbar und lesbar das Hinweisschild „Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen“ anzubringen!
  • Vor dem Aufstellen sollte eine Absprache mit der zuständigen Veterinärbehörde erfolgen.
  • Die Behörden erwarten eine tägliche Reini­gung des Automaten sowie Kontrolle der Temperatur (4°C) inklusive der Dokumen­tation.
  • Merkblätter zum Thema Rohmilchausgabe­automat sind beim Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) zu finden.
  • Achtung bei Verwendung des Begriffs „Milchtankstelle“: Der Begriff ist als Wort­marke geschützt und darf nur im Zusam­menhang mit Milchverkaufsautomaten der Firma Risto verwendet werden sofern ein Nutzungsentgelt gezahlt wird.

 

3. Abgabe der Rohmilch an Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung und Weiterverkäufer

Die Abgabe an Großverbraucher, Gastro­nomie, Bäcker etc. ist prinzipiell möglich. Diese müssen ihrerseits sicherstellen, dass die Rohmilch vor der Abgabe an den Gast bzw. Verbraucher ausreichend erhitzt wird. Die Betriebe unterliegen dabei den Vorgaben der VO (EG) Nr. 852/2004 und 853/2004.

 

Anforderungen an den Betrieb bei der Abgabe kleiner Mengen Rohmilch an Verbraucher:

  • Vermeidung einer nachteiligen Beein­flussung des Produktes (leicht zu reini­gende, ggf. zu desinfizierende Wände und Böden; hygienische Herstellungs- und Lagerungsbedingungen; Verwendung von Trinkwasser; getrennte Lagerung der Abfälle)
  • Sicherstellung einer guten Lebensmittel­hygiene (bei der Lagerung Verunreini­gungen vermeiden; Trinkwasser­versorgung)
  • Personalschulung: Erstbelehrung und Folgebelehrung im zwei Jahres-Rhythmus nach §§ 42, 43 Infektionsschutzgesetz Pflicht
  • Persönliche Hygiene, z.B. Tragen von Handschuhen
  • Anzeigen der Vermarktung von Rohmilch bei der zuständigen Behörde (Veterinär­behörde)

 

Vor dem Einstieg in die Direktvermarktung von Rohmilch:

  • Die eigenen Versicherungen überprüfen und ggf. anpassen
  • Abgabe der Rohmilch an Dritte mit der Molkerei absprechen (Lieferverträge prüfen)

Eine weitere Möglichkeit der Vermarktung von Rohmilch ist der Einstieg in die Gewinnung von Vorzugsmilch. Betriebe, die in diesen Zweig einsteigen möchten, müssen eine Reihe von Auflagen erfüllen.

 

Weitere Informationen sowie betriebsindividuelle Beratungen bieten die Spezialberaterinnen der LWK Niedersachsen.

 

 

 

 

 


Kontakt:
Heike Willms
Direktvermarktung, Urlaub auf dem Bauernhof, Landfrauenarbeit
Telefon: 04941 921-130
Telefax: 04941 921-116
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Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte, Bauernhofgastronomie
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Stand: 28.07.2016