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Moorschutz und Landwirtschaft - Projekt ERNST

Das INTERREG IV A Forschungsvorhaben befasst sich mit der „Erfassung der Stickstoffbelastungen aus der Tierhaltung zur Erarbeitung innovativer Lösungsansätze für eine zukunftsfähige Landwirtschaft bei gleichzeitigem Schutz der sensiblen Moorlandschaft (ERNST)“.

Hochmoore sind sehr sensible Ökosysteme, die früher in der norddeutschen Landschaft weit verbreitet waren.  Das Emsland ist durch großflächige Abtorfungs- und Kultivierungsmaßnahmen von dem Rückgang besonders betroffen. Weite Flächen werden heute landwirtschaftlich genutzt; nur noch wenige mehr oder minder degenerierte Relikte existieren noch und sollen wieder in ihren ursprünglichen Zustand überführt werden. Ob das gelingt, hängt von vielen Faktoren ab, die die Torfmoose, Moosbeere, Wollgras und andere Spezialisten zur Wiederbesiedlung benötigen. Um eine stabile, Kohlendioxid-bindende Torfschicht aufbauen zu können, ist vor allem ausreichend Wasser erforderlich. Ein niedriges Nährstoffangebot mindert zudem den Konkurrenzdruck durch Gehölze und anderen hochwüchsige, wasserzehrende Pflanzenarten. 

In den letzten Jahrzehnten haben sich jedoch in der Umgebung der großen verbliebenen Moore wie das Bourtanger Moor und das benachbarte niederländische Bargerveen zahlreiche tierhaltende Betriebe angesiedelt, deren Ammoniakemissionen den Nährstoffeintrag (Stickstoffdepositionen) erhöhen und dadurch die natürliche Entwicklung des Moores behindern.

Da über die tatsächliche Stickstoffbelastung der Hochmoore nur ungenaue Informationen vorliegen, hat die Kreisverwaltung des Emslandes ein Forschungsprojekt zur Ermittlung und Minderung der Stickstoffbelastung von Hochmooren im Emsland (ERNST) initiiert, das die Landwirtschaftskammer entwickelte und betreute. Zusammen mit anderen Forschungseinrichtungen, dem Thünen-Institut (Braunschweig) und Alterra (Niederlande) wurden zwischen 2010 und 2012 anhand verschiedener Messmethoden und Computermodelle exakte Belastungsdaten erfasst.

Neben einer genauen Darstellung der kleinräumig sehr variablen Stickstoffdepositionen ließ sich durch eine umfassende Inventur aller Ammoniakquellen für das ca. 550 km² große Gebiet eine präzise Modellierung der Stickstoffdepositionen durchführen – einmal zur Darstellung der aktuellen Belastung und einmal unter Berücksichtigung aller denkbaren technischen Minderungsmaßnahmen. Letzteres Szenario trägt zwar zu einer deutlichen Minderung der Ammoniakfreisetzung um etwa 65% bei. Wegen des hohen Anteils ferntransportierter Stickstoffverbindungen auch aus anderen Quellen profitieren die Moore im Untersuchungsgebiet hiervon nur in geringerem Umfang: nur ca. 15% der atmosphärischen Stickstoffeinträge werden reduziert. Die durchschnittliche N-Deposition von aktuell 21 kg ha-1 a-1 ließe auf ca. 17 kg ha-1 a-1 reduzieren. Auch dieser Wert liegt noch ein Mehrfaches über dem als unbedenklich geltenden critical load für Hochmoore von 5 bis 10 kg ha-1 a-1 – ein Depositionswert, der in Mitteleuropa vor ca. 50 bis 100 Jahren noch erreicht wurde. Um dieses Ziel zu erreichen müssten die im Untersuchungsgebiet (mit jährlichen Kosten von ca. 10 Mio. Euro verbundene) Emissionsminderung in einem weitaus größeren Raum umgesetzt werden – und dies nicht nur bei landwirtschaftlichen Quellen.

Zwar ist das Minderungsszenario gegenwärtig aus technischer und wirtschaftlicher Sicht noch nicht praxisrelevant, dennoch werden Zusammenhänge deutlich, die möglicherweise unter veränderten Rahmenbedingungen für die Zukunft den Weg zu einem besseren Nebeneinander zwischen intensiver Tierhaltung und Naturschutz aufzeigen.


Kontakt:
Dr. Karsten Mohr
Umweltschutz
Telefon: 0441 801-783
Telefax: 0441 801-166
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Stand: 08.01.2015