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Naturschutz: Den Betrieb mit anderen Augen sehen

Kammer wirkte an der Entwicklung eines Naturschutzberatungsangebotes mit 

Ein artenreiche Hecke am Feldrand oder ein in der Landschaft versteckt liegendes Gewässer: Wertvolle Bereiche für eine vielfältige Natur befinden sich direkt vor unserer Tür. Nicht selten werden diese jedoch in der Umwelt kaum wahrgenommen und ihr Wert für die heimische Flora und Fauna nicht erkannt.
Dabei helfen häufig schon kleine Maßnahmen, um diese sichtbar zu machen und zusätzlich aufzuwerten. Um genau diese Kleinode auf dem Betrieb zu entdecken und die betriebliche Brille einmal für einen Tag abzunehmen bot die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit dem „Fokus Naturtag“ hierzu eine naturschutzfachliche Beratung für landwirtschaftliche Betriebe an.

Ziel der Beratung war es, genau diese Betrachtung für einen Tag in den Vordergrund zu rücken, ohne dabei die grundlegende Wirtschaftsweise des landwirtschaftlichen Betriebes umkrempeln zu wollen.

Während des eintägigen Betriebsbesuches nehmen interessierte Betriebsleiter (und deren Familien) sowie ein Fachberater der Landwirtschaftskammer gemeinsam die Natur auf dem Betrieb unter die Lupe. Dabei stellen sie fest, welche Schätze sich dort bereits verbergen und überlegen gemeinsam, wo sich weitere Maßnahmen in den Betriebsalltag integrieren lassen.

Die Themenliste reicht von Blühstreifen über Grünland- oder Gehölzpflege bis zur Pflege und Neuanlage von Säumen und Streuobstwiesen. Aber auch kleine Maßnahmen wie das sinnvolle Anbringen von Nisthilfen oder die Ansaat von Wildblumen gehören dazu. Selbstverständlich werden auch verschiedenste Fördermöglichkeiten für die geplanten Maßnahmen, die aus den unterschiedlichsten Programmen und Projekten bereitgestellt werden können, besprochen und fließen in die Beratung mit ein.

Gegen Ende des Tages gilt es dann die Punkte, die letztendlich auch vom Landwirt als realistisch eingestuft werden, in einem Ergebnisplakat mit den Fotos vom Feldrundgang zusammenzufassen. In kurzen Stickpunkten werden Ideen, Anregungen und Vorgehensweisen dokumentiert, aber auch Lösungsansätze und mögliche Ansprechpartner benannt.

Neben dem guten Gefühl, bereits einen Beitrag zum Naturschutz in der Landschaft zu leisten, erinnert das Plakat den Landwirt dann an die vielen kleinen Möglichkeiten für mehr Naturschutz – ohne dass dabei große betriebliche Einschnitte vorgenommen werden müssen. Das Plakat ist zudem sehr repräsentativ und unterstreicht, an einem der Öffentlichkeit zugänglichen Ort platziert, dass Landwirte sich für die Umwelt engagieren. Auch bei Hoffesten, der Direktvermarktung, bei Urlaub auf dem Bauernhof oder beim Besuch von Schulklassen unterstreicht es das ökologische Engagement des landwirtschaftlichen Betriebes.

Gemeinsam mit der Biolandberatung und weiteren Kooperationspartnern wurde in einem vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aus dem Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft geförderten Projekt das spezielle Beratungskonzept erarbeitet.
So fanden in den vergangenen zwei Jahren deutschlandweit auf insgesamt achtzig Betrieben derartige Fokus Naturtage statt. 

In einem Feedback der bislang beratenen Landwirte schätzten diese vor allem die individuelle Beratung für den Betrieb vor Ort. Dabei wird immer wieder der gemeinsame Hof- und Feldrundgang in den Vordergrund gestellt, der als zentraler Bestandteil des Beratungskonzeptes dient. Hierbei werden natürliche Zusammenhänge erläutert und gemachte Ideen und Vorschläge miteinander diskutiert. Gleichzeitig wird das gegenseitige Verständnis gestärkt und die Betrachtung aus verschieden Sichtweisen ermöglicht. 

Nach zwei Jahren Projektlaufzeit hat dieses Angebot zur Naturschutzberatung landwirtschaftlicher Betriebe nun die Praxisreife erreicht.

Über die Förderung der Einzelbetrieblichen Beratung (EB) in Niederachsen kann voraussichtlich ab dem Winterhalbjahr 2015/2016 auch eine Naturschutz- bzw. Biodiversitätsberatung zu 100% zu gefördert werden.
 


Kontakt:
Nora Kretzschmar
Fachreferentin Naturschutz
Telefon: 0441 801-408
Telefax: 0441 801-440
E-Mail:
Markus Paßlick
Umwelt, Landespflege
Telefon: 05439 9407-22
Telefax: 05439 9407-39
E-Mail:


Stand: 07.09.2015