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Produktionsintegrierte Kompensation Ortolan (PIK-O)

Im Wege von vorgezogenen Maßnahmen zum Artenschutz nach §§ 44 und 45 BNatG soll durch Produktionsintegrierte-Kompensation (PIK) die Beeinträchtigungen eines Vogelschutzgebietes zum Schutz des Ortolans, die durch den Neubau der Fernverkehrsstraße A 39 entstehen, ausgeglichen werden.

Durch den Bau der A 39 von Lüneburg bis Wolfsburg werden in Nordosten Niedersachsens Brutgebiete des Ortolans beeinträchtigt. Im Wege von vorgezogenen Maßnahmen zum Artenschutz werden daher Kohärenzsicherungsmaßnahmen entwickelt, um den Erhaltungszustand des Ortolans in dem Gebiet zu sichern.

Der Ortolan ist ein Ackerbrüter, der als Bruthabitat leichte, wasserdurchlässige Sandböden mit möglichst extensiv bewirtschafteten Schlägen ohne Beregnung mit vielen unterschiedlichen Feldfrüchten und angrenzenden Singwarten benötigt.
Da im Nordosten von Niedersachsen jedoch intensive Bewässerungslandwirtschaft mit einem hohen Hackfruchtanteil betrieben wird, sind Extensivierungsmaßnahmen im Ackerbau eine zwingende Voraussetzung um die Habitatstrukturen für den Ortolan in Verbund mit der Anlage von Singwarten zu verbessern.



Der Bau der A 39 zerstört allein durch die Versiegelung über 850 ha landwirtschaftliche Nutzflächen, die Lebensgrundlage von ca. 50 000 Menschen. Hinzu kommen hohe wirtschaftliche Nachteile in der Flächenbewirtschaftung durch An- und Durchneidungsschäden.
Der übliche Weg - Aufkauf von Flächen für Kompensationsmaßnahmen - mit Wiederverpachtung der Flächen unter Auflagen, hätte schwerwiegende Folgen für die landwirtschaftlichen Betriebe und für die Agrarstruktur:
Die landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe haben in der Regel einen Pachtflächenanteil von über 70%. Durch gezielte Zupachtung und Pachtflächentausch wurden relativ große Schlagstrukturen geschaffen. Daher setzen sich heute viele Bewirtschaftungseinheiten aus mehreren Flurstücken zusammen, teils Eigentumsflächen des Landwirtes aber mehrheitlich aus unterschiedlichen Flurstücken verschiedener Verpächter. Die Verkaufsbereitschaft der Verpächter, die häufig in der zweiten und dritten Generation nach Aufgabe der Eigenbewirtschaftung durch ihre Väter oder Großväter keinen Bezug mehr zu ihren Grundstücken haben, ist i. d. R. groß. Eine Veräußerung dieser Pachtflächen würde eine Zersplitterung der großen Bewirtschaftungseinheiten bedeuten.
Aus diesen Gründen soll über den Weg einer Produktionsintegrierten Kompensation weitere zusätzliche Nachteile für die wirtschaftenden Betriebe möglichst vermieden werden.

Unter Produktionsintegrierte Kompensation werden freiwillige Extensivierungsmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen in abgegrenzten Gebietskulissen (z. B. in potentiellen Ortolanbrutgebieten) verstanden, die über Verträge zwischen Maßnahmenträger und Landwirten für einen begrenzten Zeitraum auf wechselnden Flächen abgeschlossen werden. Es sind Maßnahmen, die die Einkommensverluste ausgleichen und weiterhin eine profitable Flächenbewirtschaftung ermöglichen. Durch die Freiwilligkeit wird gewährleistet, dass nur dort Maßnahmen umgesetzt werden, wo diese keine dauerhaften agrarstrukturellen Schäden für den Bewirtschafter haben.

In einem Pilotprojekt hat daher die Landwirtschaftskammer in enger Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Straßenbauverwaltung Geschäftsbereich Lüneburg Extensivierungsvorschläge im Ackerbau zum Schutz des Ortolans entwickelt, die den Landwirten im Wege von freiwilligen Vertragsnaturschutzvarianten angeboten werden. Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt, es soll dieses Jahr starten und wird während der Projektlaufzeit wissenschaftlich begleitet.
Bei einer erfolgreichen Umsetzung des Projektes könnte die Produktionsintegrierte Kompensation (PIK) eine Alternative zu der bisherigen Umsetzung von Kompensation durch Aufkauf sein. Damit könnten negative Auswirkungen auf die Agrarstruktur gemindert werden und neue Wege für eine kooperative Zusammenarbeit von Naturschutz und Landwirtschaft geebnet werden.

Weitere Informationen erhalten Sie bei der Landwirtschaftskammer Niedersachen, Bezirksstelle Uelzen, Herrn Jürgen von Haaren.


Kontakt:
Jürgen von Haaren
Leiter Fachgruppe Ländliche Entwicklung
Telefon: 0581 8073-134
Telefax: 0581 807399-134
E-Mail:


Stand: 25.08.2013