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Wickroggen, Gras und Co - Alternative Energiepflanzen in Versuchen und Praxis

Der Anbau alternativer Energiepflanzen, insbesondere aus Sicht des Grundwasserschutzes, sowie die Verwertung grasartiger Biomasse in einer Trockenfermentationsanlage standen im Vordergrund der am 27.06.2013 in Werlte und Potshausen durchgeführten DELaND-Informationsveranstaltung „Alternative Energiepflanzen“.

Rund 40 deutsche und niederländische Gäste aus Praxis und Verwaltung nahmen an der im Rahmen des Interreg IVA – Projektes DELaND (Dezentrale EnergieLandschaften Niederlande-Deutschland) durchgeführten Informationsveranstaltung teil. Nach Eröffnung der Veranstaltung durch Frau Dr. Kirsten Madena (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) und der Begrüßung durch Herrn Reent Martens (3-N Kompetenzzentrum e.V.) im Hause des Klimacenters Werlte wurden in Einzelvorträgen verschiedene Aspekte zum Anbau alternativer Energiepflanzen erläutert.

Herr Frerich Wilken (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) gab einen Einblick in die Vielfalt möglicher Alternativen zu Mais als heutige Hauptkultur im Rahmen der Bioenergieproduktion. Er stellte vergleichend grundlegende Vor- und Nachteile des Anbaus von u.a. Getreide (GPS), Rüben und Zweit- und Zwischenfrüchten sowie von „Exoten“ wie Sorghum, Blühmischungen oder auch Durchwachsene Silphie vor.
Eine detaillierte Betrachtung der Nährstoffsituation beim Energiepflanzenanbau mit Fokus auf mögliche Stickstoffausträge ins Grundwasser erfolgte im Vortrag von Herrn Tim Eiler (Landwirtschaftskammer Niedersachsen). Die von ihm vorgestellten Ergebnisse aus Feldversuchen zum grundwasserschutzorientierten Anbau von Energiepflanzen an zwei Sandstandorten zeigen, dass sowohl in Ein- als auch in Zweifruchtsystemen negative Stickstoffsalden durch eine bedarfsgerechte Düngung erreicht werden können. Untersuchte Ackergrasbestände (hier A1-Mischung, Welsches Weidelgras) überzeugten durch die vergleichsweise geringsten Rest-Nmin-Gehalte im Boden.
Die Besonderheiten unterschiedlicher Grasmischungen, insbesondere in Bezug auf die Verwertbarkeit in Biogasanlagen, stellte Herr Carsten Rieckmann (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) im abschließenden Vortrag dar. Untersuchungen von Ackerfutter- und Grünlandmischungen im Rahmen eines Satellitenprojektes des EVA-Verbundprojektes zeigen, dass standortangepasste Ansaatmischungen hohe Trockenmasse- und Methanerträge erzielen können und eine sinnvolle Ergänzung in der Fruchtfolge darstellen.

Nach dieser theoretischen Einführung sowie einer kurzen Darstellung des niederländischen Projektes zur Nutzung von Straßenbegleitgrün in Biogasanlagen durch Herrn Dirk de Boer (Dienst Ladelijk Gebiet, NL) besichtigten die Teilnehmer am Nachmittag die Anbauversuchsflächen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Werlte.

Frerich Wilken, Carsten Rieckmann und Reent Martens erläuterten während des Rundganges entlang der unterschiedlichen Flächen die jeweiligen Kulturen und deren Besonderheiten.

Neben der typischen Energiepflanze Mais als Referenzkultur werden u.a. verschiedene Getreidearten bzw. Leguminosen-Getreidemischungen, Zuckerrüben, Blühmischungen oder auch die Durchwachsene Silphie angebaut und hinsichtlich ihrer Trockenmasse- und Methanerträge bewertet. Darüber hinaus werden auch Biodiversitätsaspekte, wie z.B. die Insektenvielfalt in Blühmischungsbeständen, in Werlte untersucht.

Die Besichtigung einer Biogasanlage in Potshausen (bei Leer), mit Fokus auf der vorrangigen Verwertung von grasartigen Energiepflanzen, bildete den Abschluss dieser ganztägigen Veranstaltung. Nach kurzer Darstellung der Anlagensituation durch Herrn Dirk de Boer (Dienst Ladelijk Gebiet, NL) erläuterte Herr Werner Coordes, Eigentümer der Trockenfermentationsanlage, detailliert die Funktionsweise seiner Anlage. Neben der Substratbereitstellung, es werden vorrangig Wirtschaftsdünger und Gras eingesetzt, und der Technik (Auslastung des BHKW, Wärmekonzepte) wurden ebenso Wirtschaftlichkeitsaspekte diskutiert. In Bezug auf die allgemeine Akzeptanzproblematik hinsichtlich der Biogasproduktion betonte Herr Coordes, dass die offene Diskussion mit der Nachbarschaft und die Wahl des Gärsubstrates entscheidend für die Akzeptanz in der Bevölkerung sind. Mit Beendigung des Rundganges über die Biogasanlage und dem Dank an alle Referenten, Teilnehmer und Organisatoren endete diese informative Veranstaltung.

Die im Rahmen der Veranstaltung gehaltenen Präsentationen stehen neben weiteren Veranstaltungsinformationen und Fotos auf der „Groen Gas - Grünes Gas“ – Projektseite zur Verfügung (unter „Aktuell“).

Ansprechpartner für DELaND bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist Frau Dr. Kirsten Madena (kirsten.madena@lwk-niedersachsen.de).


Kontakt:
Dr. Kirsten Madena
Projektleitung, Projekt DELaND
Telefon: 0441 801-173
Telefax: 0441 801-440
E-Mail:


Stand: 17.07.2013