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Sind 'schwierige' Substrate wirklich schwierig?

Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 40 Teilnehmer aus den Niederlanden und Deutschland am 23. Juni 2014 in der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte in Papenburg.

Der Einsatz alternativer Biogassubstrate ist auf Grund der weiterhin aktuellen Diskussion um den regional verstärkten Anbau der Energiepflanze Mais und den damit verbundenen Veränderungen in der Landschaft zunehmend ein wichtiger Baustein einer nachhaltigen Biogasproduktion. Neben der Verfügbarkeit der alternativen Biogassubstrate, z.B. aus der Natur- und Kulturlandschaftspflege, stellen vor allem deren Materialeigenschaften besondere Anforderungen an die Gewinnungs- und Verarbeitungstechnik.

Vor diesem Hintergrund veranstaltete die Landwirtschaftskammer Niedersachsen daher im Rahmen des „GroenGas“-Projektes „DELaND“ (Dezentrale EnergieLandschaften Niederlande-Deutschland) diese Veranstaltung zum Thema „schwierige Substrate“.

Nach einleitenden Worten von Herrn Dr. Eckhard Asche (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) und der Begrüßung durch Herrn Alexander Darányi (HÖB) informierten vier verschiedene Anlagenvertreter über technische Möglichkeiten zur Aufbereitung verschiedener Biogassubstrate. So stellten Herr Michael Meder (Fa. Lindner-Recyclingtech GmbH, Österreich) und Herr Ingo Schubert (Fa. Grotemeier Baumaschinen, Bünde) ihre nach dem Prallbrechverfahren konzipierten Zerkleinerungstechnik vor. Einen anderen Weg geht die Firma Vogelsang Maschinenbau GmbH aus Essen/ Oldb., so Herr Carsten Wenner. Stärker ligninhaltiges Pflanzenmaterial oder auch Wirtschaftsdünger werden mittels einer Kombination aus Nasszerkleinerung und Schwergutabscheidung aufgeschlossen. Herr Willem Jan Markerink von der Firma Bioliquid aus den Niederlanden stellte stellvertretend für die Firma Lehmann Maschinenbau GmbH (Jocketa) einen weiteren Ansatz über den thermomechanischen Aufschluss der Biomasse vor. Alle Referenten waren sich jedoch insbesondere in Bezug auf die Ausgangsvoraussetzungen einig: Das zu verarbeitende Material sollte so wenig Störstoffe (Hufeisen, Betonreste oder Vergleichbares) wie möglich aufweisen.           

Dass neben Biogas auch Brennstoffe aus grasartigem Landschaftspflegematerial gewonnen werden können, zeigte Herr Michael Sauf (Fa. Bi.En GmbH & Co. KG, Kiel). Er erläuterte das von der Firma Bi.En und der Universität Kassel entwickelte BtE® - Verfahren und informierte über die seit 2013 bestehende Versuchs- und Demonstrationsanlage.                                                                        

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden die „schwierigen“ Substrate selbst thematisiert. Saskia Oldenburg stellte ihre im Rahmen ihrer Dissertation an der TU Hamburg-Harburg ermittelten Ergebnisse zur energetischen Verwertung von Pferdemist vor. Ihre Überzeugung, dass Pferdemist ein hohes Potenzial bietet, zeigt sich in der Mitgründung der Firma „Goldapfel“ Anfang 2014. Insbesondere in den Niederlanden ist die Verwertung von Straßenbegleitgrün ein aktuelles Thema, so Dirk de Boer (DLG, NL). Herr de Boer erläuterte in seinem Vortrag die Verwertung von Straßenbegleitgrün in Trockenfermentationsanlagen und informierte dazu über ein aktuelles deutsch-niederländisches Projekt. Im abschließenden Vortrag von Arnold van der Post (Hanze Wetlands, NL) wurde deutlich, dass auch die Aufwüchse von Nassstandorten für die Biogasproduktion eingesetzt und diese auch unter Berücksichtigung der Naturschutzbelange geerntet werden können. Die Wirtschaftlichkeit sei im Vergleich zu Mais, so Herr van der Post, auch bei Substraten wie Chinaschilf gegeben.

Sei es Pferdemist, Straßenbegleitgrün oder auch Biomasse aus der Landschaftspflege, es wurde in allen Vorträgen deutlich, dass bei Beachtung ihrer besonderen Eigenschaften diese Substrate ein großes Energiepotenzial aufweisen und eine sinnvolle Alternative zu den konventionellen Biogassubstraten, wie Mais, darstellen. Die vielfältigen Fragen an die Referenten und der offene Informationsaustausch verdeutlichen erneut die Bedeutung dieser „schwierigen“ Substrate für die zukünftige Biogasgewinnung, auch wenn technische, rechtliche und finanzielle Aspekte stärker zu berücksichtigen sind.                                                                                                                                                                               

In ihrer zusammenfassenden Betrachtung griff Frau Dr. Kirsten Madena (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) das Motto dieser Veranstaltung „Sind „schwierige“ Substrate wirklich schwierig?“ auf und stellte fest: „In manchen Fällen vielleicht, aber es gibt Möglichkeiten diesem zu begegnen.“

Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem 3N Kompetenzzentrum durchgeführt. Die im Rahmen der Veranstaltung gehaltenen Präsentationen stehen in Kürze neben weiteren Veranstaltungsinformationen auf der „Groen Gas - Grünes Gas“ – Projektseite zur Verfügung. Das Programm der Veranstaltung ist auf dieser Seite zum Herunterladen verfügbar.

Weitergehende Informationen zum DELaND - Projekt finden Sie auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Webcode: 01022722, Webcode: 01021711, Webcode: 01023626).
Ansprechpartner für DELaND bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist Frau Dr. Kirsten Madena (kirsten.madena@lwk-niedersachsen.de).

Maßgeblich zum guten Gelingen der Veranstaltung haben beigetragen (v. links nach rechts): Dr. Eckhard Asche, Arnold van der Post, Willem Jan Markerink, Saskia Oldenburg, Dirk de Boer, Carsten Wenner, Manfred Sauf, Ingo Schubert, Dr. Kirsten Madena (es fehlt: Michael Meder).

 

 


Kontakt:
Kirsten Madena
Projektleitung, Projekt DELaND
Telefon: 0441 801-173
Telefax: 0441 801-440
E-Mail:


Stand: 08.07.2014