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2. Infobrief - Verbundprojekt Wirtschaftsdüngermanagement

Wir liefern Ihnen im Folgenden einige Infos zum aktuellen Stand des Projektes insbesondere mit dem Focus Teilprojekt (TP) 3 „Aufnehmende Region":

- Ergebnisse der Umfrage und Auswahl der Pilotbetriebe

- weitere (geplante) Arbeitspakete im TP 3

- ergänzende Infos zum Thema

 

Die Umfrage ist mittlerweile ausgewertet und einige ausgewählte Ergebnisse daraus sind bereits mehrfach vorgestellt und interessiert gehört worden! Die entsprechende zusammenfassende Präsentation ist auf der website der LWK Niedersachsen unter folgendem Link abrufbar:

http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/2092/article/29548.html

alternativ ist dort in der Suche folgender webcode einzugeben: 01030924

Die Ergebnisse der Umfrage können sich sehen lassen und haben ein, wie wir finden, realistisches Abbild der jetzigen Situation des WiDü-Einsatz in unseren potentiellen „Aufnahme-Regionen", aber auch der Wünsche, Kritik und Forderungen der Landwirtschaft aufgezeigt!

Insgesamt wurden rd. 800 Fragebögen versandt an ausgewählte Betriebe der BST NOM und BS. Zudem war die Umfrage online abrufbar und konnte auch online zurückgesandt werden.

Der Rücklauf lag bei 245 Fragebögen, das entspricht einer Quote von rd. 30 %. Dies zeigt, wie aktuell das Thema in der landwirtschaftlichen Praxis ist! Die Umfrage stellt keine repräsentative Fallstudie dar, sie war als Meinungspanel konzipiert und sollte Tendenzen und Erfahrungen der Praxis aufzeigen.

In rd. 85 % der zurückgesandten Fragebögen, wurde angegeben dass bereits organische Nährstoffträger im Betrieb eingesetzt werden.

75 % wollen auch weiterhin und / oder künftig noch mehr aufnehmen.

63 % haben sich bereit erklärt – teils unter noch abzustimmenden Bedingungen – als Pilotbetrieb des Projektes in den nächsten 2 Jahren mit uns zusammen zu arbeiten.

69 % der Teilnehmer der Umfrage wollen auch weiterhin Infos zum Projekt und Thema WiDü von uns erhalten.

Es gibt jedoch auch 20 % die einen (künftigen) WiDü-Einsatz strikt ablehnen und dies teils auch mit negativen Erfahrungen begründeten. Neben der Sorge um Bodenverdichtungen durch die Ausbringung und dem Risiko eines potentiellen Schadstoffeintrags wurde auch die mögliche Erhöhung des N-Bilanzsaldos kritisch gesehen. Zu einer ablehenden Haltung führte bei einigen auch die Verärgerung über die aktuellen politischen Regulierungen in der Landwirtschaft (Auflagen bei der Mist-Zwischenlagerung und bei Silagemieten, Meldepflichten etc.) So haben wir neben den zurückgesandten Fragebögen auch einige kritische Anmerkungen und Telefonate entgegengenommen.

Die Größe der befragten Betriebe variierte von 28 bis 1.000 ha, wobei der Großteil in der Größenordnung 150-200 ha (n=62), 200-250 ha (n=38), 250-300 ha (n=29) lag.

Die Viehhaltung spielt nur (noch) eine untergeordnete Rolle in unseren „Aufnahme-Regionen". Rd. 78% der Betriebe sind Marktfruchtbetriebe (n=182). Insgesamt 40 Betriebe haben eine eigene oder Gemeinschafts-Biogasanlage oder sind „Zulieferer".

Entsprechend sind Gärreste die organischen Nährstoffträger, welche bisher am meisten eingesetzt wurden, nämlich auf n=147 (74%), gefolgt von Klärschlamm (n=69), Geflügelmist (n=40), Pferdemist (n=33), HTK (n=31). Bei dieser Frage waren Mehrfachnennungen möglich. Rinder- und Schweinegülle wurden z.B. nur auf 20 bzw. 19 Betrieben eingesetzt.

Organik wird insbesondere im Frühjahr vor ZR bzw. Mais und andererseits im Spätsommer / Herbst vor / zu Raps und Zwischenfrüchten eingesetzt. Die Frühjahrsdüngung in stehendes Getreide spielt bisher nur eine geringe Rolle. Nur Betriebe mit Grünland setzen hier teils auch WiDü im Frühjahr ein.

Die bisherige Ausbringung der Organik erfolgte überwiegend durch Lohnunternehmer (LU, n=159), weitere Angaben waren: über den Maschinenring (MR, n=40) bzw. und / oder mit eigener Technik Flüssig / Fest (n= 38 bzw. 27). Auch zukünftig wünscht sich der Großteil der Betriebe eine Ausbringung mit Unterstützung eines LU (66%), 16 % der Betriebe wäre eine eigene Ausbringung – so die Technik vorhanden ist – lieber. Somit lassen sich klare Herausforderungen ableiten, die mit der (geplanten) WiDü-Verbringung einhergehen: nämlich die Logistik für „ust-in-time- Lösungen" durch mehrere Anbieter bodenverträglicher, umwelt-freundlicher und schlagkräftiger Ausbringungstechnik und mittelfristig die Option von Lagerraum in den Ackerregionen. Entsprechende Signale an die Politik zur künftigen Unterstützung / Erleichterung des Baues von Lagerraum sind bereits im Zuge dieses Projektes klar ausgesprochen worden und haben die Verantwortlichen auch „erreicht".

Als Bedingungen für die Aufnahme von Organik wurden in folgender Abstufung genannt: zertifizierte Produkte (n=129), Wunsch nach Beratung (n=80), Schaffen neuer Vermarktungswege (n=75) und das Interesse einer Zusammenarbeit mit Berufskollegen (n=64).

Hier wird deutlich, dass das Verbundprojekt insgesamt und das TP 3 der „Aufnahme-Region" diese Forderungen klar im Focus hat, denn im Teilprojekt (TP) 2 geht es darum, eine Zertifizierungs- und Logistikschiene für die künftige Verbringung von WiDü und Gärresten einzuführen und zu etablieren. Zudem werden die Pilotbetriebe im TP 3 mit intensiver Fachberatung zu ihren WiDü-Einsätzen begleitet.

Bei der Frage nach der Wichtigkeit der Inhalts-Nährstoffe von Organik lagen P und K ganz klar vorn, nämlich bei n=107 bzw. 92 Betrieben. An dritter Stelle rangiert die organische Substanz / Humus mit n=64 und der Stickstoff ist nur für n=52 Betriebe wichtige Komponente der Organik.

Die letzte Seite des Fragebogens war eine sogenannte „Likert-Abfrage", wo Sie insgesamt 16 Aussagen je 1 x ankreuzen sollten:

„Durch den Einsatz organischer Düngemittel – kann ich die Düngerkosten meines Betriebes senken, verbessere ich die Bodenstruktur etc…

Der Großteil der Betriebe sieht klar die positiven Effekte eines Organik-Einsatzes auf ihren Flächen, wie bessere Bodenstruktur, höherer Humusgehalt und mittelfristig höherer Nährstoffpool der Fläche sowie ein verringertes Erosionsrisiko infolge der organischen Substanz. Wenn der Betrieb Organik einsetzt, kann er hierdurch die Düngerkosten für P und K reduzieren. Unabhängiger vom Düngerhandel wird er jedoch per se nicht, da z.B. auf den gezielten N-Einsatz über Mineraldünger im Qualitätsweizenanbau nach den derzeitigen Bewertungsschemen des Handels nicht verzichtet werden kann.

Als negative Auswirkungen oder auch Herausforderungen eines Organik-Einsatzes werden das Risiko von Bodenverdichtungen, eine kompliziertere Bestandesführung und mögliche Nachbarschaftskonflikte in der Region angesehen. Bei der Nährstoff-Bilanz, der Anbauplanung als auch einem möglichen Schadstoffeintrag gehen die Meinungen eher auseinander, was zeigt, dass es hier von Unsicherheit über gute und schlechte Erfahrungen eine große Bandbreite in der Praxis gibt. Hieraus leitet sich wiederum die Forderung nach Beratungsarbeit aber auch nach dem Austausch unter / mit Kollegen ab! Denn es scheint bereits viele gute Erfahrungen und individuelle Handlungsstrategien zum WiDü-Einsatz auf den Betrieben zu geben. Diese sollten (künftig mehr) kommuniziert werden!

 

Weitere Arbeitspakete im TP 3:

Ab dem Winter 2016/17 wird es auf LK-Ebene „Runde Tische" zur regionalen Nährstoffsituation geben. Den Vorsitz hat der Kreislandwirt, die Geschäftsführung liegt bei der beteiligten BST (NOM bzw. BS) der LWK Niedersachsen. Hier sollen möglichst alle beteiligten Akteure der Beratung, Verbände, Wasser- und Baubehörden u.a. miteinander ins Gespräch kommen um die Lage zu analysieren und konstruktive Maßnahmen zu entwickeln, begleiten und auf den Weg zu bringen – so ggf. auch einen geplanten Behälterbau… Verbundprojekt Wirtschaftsdüngermanagement Teilprojekt 3

Neben der praktischen Umsetzung und Beratungsarbeit auf den Pilotbetrieben wird es auch Feldversuche geben. Im Jahr 2016 wurden bereits auf 2 Standorten (Schickelsheim und Höckelheim) Zuckerrüben-Exaktversuche (4 Wiederholungen, je 8 Düngestufen mit / ohne organische Düngung, hier: separierte Schweinegülle, zzgl. mineralischer N-Ergänzung) durchgeführt.

Ab 2017 sind weitere Feldversuche geplant, denn auf Flächen der „Aufnahme-Regionen" hat der Einsatz von Organik andere Auswirkungen als etwa in den Viehregionen, wo über Jahrzehnte wiederholt und jährlich große Mengen Organik eingesetzt wurden. Es stellt sich die Frage, inwiefern sich Organik auf den eher „jungfräulichen" Ackerflächen im 1. Jahr der Ausbringung auswirkt (z.B. auf Bestandesführung, N-Effizienz, Ertrag und Qualität etc.). Um die Auswirkungen der Düngung auf die Sickerwasserqualität zu beurteilen sind in diesen Versuchen auch Saugkerzenanlagen geplant.

Ergänzend wird es in 2017 praktische Demonstrationen zum WiDü-Einsatz im Feld geben.

 

Auswahl der Pilotbetriebe

Im Aug./Sept. wurden insgesamt 15 Betriebe ausgewählt:

für die BST NOM = 5 (LK: HI und NOM) und für die BST BS = 10 (LK: HE, WF, SZ, GS).

Auf diesen Betrieben wird in 2017 und 2018 der praktische Einsatz von WiDü individuell geplant, durchgeführt, intensiv begleitet und bewertet (Nährstofffluss, N-Effizienz, Vor,- Nachteile, Erschwernisse, Kostensituation etc.) werden.

 

Stand des Projektes und weitere Infos

Am 6.10.2016 in Cloppenburg wurde das Verbundprojekt „Wirtschaftdüngermanagement Niedersachsen" den verschiedenen Vertretern der Politik (u.a. ML, MU), den Verbänden und „Multiplikatoren" der landwirtschaftlichen Branche vorgestellt. Hierzu kann auf der Website der LWK Niedersachsen der Artikel nachgelesen werden unter dem Link:

http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/2092/article/29975.html

alternativ ist folgender webcode einzugeben: 01031430

 

Auf den Internet-Seiten der Kammer sind weitere praxisnahe und informative Artikel zu Anbaupraxis, Düngung, WiDü-Einsatz etc. nachlesbar. Z.B. wenn Sie in die SUCHE „Wirtschaftsdünger Management" eingeben, erhalten Sie weitere Infos wie z.B.:

- Frage-Anwort-Katalog zur Meldepflicht in Bezug auf WiDü (Nds. Landes-VO), Webcode: 01022212

- Broschüre Maschinenvorführung: „Wirtschaftsdünger Umwelt- Pflanzen- und Bodengerecht ausbringen", Webcode: 01028626

 

Mit freundlichem Gruß

Thomas Beiß-Delkeskamp und Dr. Heidi Bouws für das TP 3-Team


Kontakt:
Thomas Beiss-Delkeskamp
Wasserschutzberatung
Telefon: 0531 28997-240
Telefax: 0531 28997-241
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Stand: 27.04.2017