Webcode: 01031619

1. Infobrief - Verbundprojekt Wirtschaftsdüngermanagement

Im Rahmen des Strukturwandels ist es in Niedersachsen zu einer regionalen Differenzierung in der landwirtschaftlichen Produktion gekommen.

Dies bringt betriebswirtschaftliche Vorteile, wirft aber viele Fragen aus, da Nährstoffkreisläufe nicht mehr nur innerbetrieblich sondern zunehmend auch überbetrieblich zwischen den Regionen geschlossen werden.

Die überbetriebliche Nährstoffkreislaufwirtschaft verzeichnet seit Jahren einen wachsenden Umfang. Es treten aber dennoch Probleme auf:

  • Nach dem aktuellen Nährstoffbericht hat Niedersachsen nicht nur ein Verteilungsproblem, sondern auch ein Mengenproblem an N und P
  • Der Umfang der Wirtschaftsdüngerrücklieferung ist mengenmäßig noch zu gering
  • Die Substitution Mineraldünger durch organische Dünger ist weiter zu steigern
  • Transportwürdigkeit und Qualitätsstandards organischer Dünger sind zu verbessern
  • Die Effizienz des Nährstoffeinsatzes muss erhöht werden

 

Diese Thematik soll mit dem Verbundprojekt aufgegriffen werden. Das Verbundprojekt (Laufzeit 2016-2018) wird finanziell getragen:

Teilprojekt 1: Abgebende Region N-Ab (Ministerium für Landwirtschaft)

Teilprojekt 2: Zertifizierte Logistikschiene ZertLog (Ministerium für Landwirtschaft und Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband)

Teilprojekt 3: Aufnehmende Region N-Auf (Ministerium für Umwelt, Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz)

 

Für die regionale Eingrenzung der abgebenden Region wurde die Veredlungsregion im Westen von Niedersachsen gewählt, als potenzielle Aufnahmeregion der Weizengürtel im südlich-östlichen Bereich. Diese Region wurde auch durch eine Potenzialanalyse des LBEG begleitet. Hier wurde die potenzielle Nitratkonzentration im Sickerwasser berechnet und daraus eine tolerierbare Konzentration abgeleitet, die die Einhaltung der Grenzwerte für die Trinkwassergewinnung gewährleistet.

Nach ersten Einschätzungen des LBEG kann nur eine weitere Aufnahme in dieser Region erfolgen wenn Mineraldünger eingespart wird. Diese Ergebnisse wurden auf dem Nährstoffsymposium am 12.05.2016 in Hannover vorgestellt. Zur weiteren Identifikation der potenziellen Aufnahmeregion wurden die Daten des Nährstoffberichtes der Landwirtschaftskammer auf Landkreisebene regionalisiert. Dies dient zur Einschätzung wie viel organische Nährstoffträger schon in der Region vorhanden sind, bzw. importiert werden. Die größten Unsicherheiten bestehen bei der Ermittlung des exakten Einsatzes der Mineraldünger, da diese Daten nur auf Landesebene vorliegen.

Das Teilprojekt (TP) 1 betreut 15 Pilotbetriebe in der abgebenden Region. Hier werden Wege gesucht den Nährstoffanfall zu vermindern (N und P reduzierte mehrphasige Fütterung), stärker Mineraldünger zu substituieren (Gülleunterfußdüngung statt DAP-Unterfußdüngung) und den organischen Dünger aufzubereiten (Absetzverfahren Dickgülle, abgepresste, separierte oder getrocknete Gülle, homogenisierter Rotte-Festmist). Als Erfolgskriterien sind hier die Reduzierung der Bilanzsalden und die Reduzierung der Herbst Nmin-Werte zu nennen.

Im TP 2 geht es um die Entwicklung einer zertifizierten Logistikschiene. Zum einen soll die Abarbeitung der rechtlich administrativen Belange standardisiert werden, zum anderen geht es auch um die Rechtssicherheit von Abgeber und Aufnehmer. Damit jeder weiß welche Nährstoffe er bekommen hat und demensprechend bilanzieren muss.

In diesem Teilprojekt ist die Bereitschaft und die Beteiligung an einer Zertifizierung seitens der Vermittler und Transporteure gefragt. Nicht nur ein definiertes marktfähiges Produkt, auch die gesamte fach- und sachgerechte Durchführung und Dokumentation gehören zu diesem Konzept einer Gütegemeinschaft. Ein Erfolgskriterium ist hier die Anzahl zertifizierter Logistikunternehmen.

Das TP 3 betreut 15 aufnehmende Pilotbetriebe und steht beratend bei dem Einsatz der organischen Nährstoffträger bereit. Es begleitet das Projekt zusätzlich mit Exaktversuchen zur Düngung auf den Versuchsfeldern Schickelsheim und Höckelheim und bietet Technikberatung durch die Landtechnikabteilung der LWK. Diese Aktivitäten stehen unter der Vorgabe der Nitratrichtlinie und beachten das Verschlechterungsverbot und Verbesserungsgebot in Bezug auf die Belastungen mit Stickstoff und Phosphor. Um dies zu erreichen ist eine Reduzierung des Mineraldüngereinsatzes beim Einsatz von organischen Nährstoffen zwingend notwendig. Dies wird auf den Pilotbetrieben dokumentiert. Neben der Höhe der Mineraldüngersubstitution wird auch der Effekt auf die Bilanzsalden als Erfolgskriterium herangezogen.

 

Das Betreuungskonzept sieht vor:

1. Pflanzenbauberatung:

  • Düngebedarfsermittlung (schlagspezifisch, edv-gestützt)
  • Düngeplanung (schlagspezifisch, edv-gestützt)
  • vegetationsbegleitende Düngeberatung (Nitrachek, N-Tester)

2. Begleitende Analytik:

  • Frühjahrs-/Spätfrühjahrs- Nmin
  • Düngeruntersuchung
  • Ernte-/Herbst- Nmin
  • Pflanzenuntersuchung (z.B. RP-Gehalte)

3. Technikberatung, Unterstützung bei:

  • Materialakquise
  • Transportoptimierung
  • Lagerraum
  • Ausbringungstechnik

4. Analyse des Einsatzes organischer Dünger:

  • Ökologische Auswirkungen
  • Nährstoffvergleich
  • Nährstoffeffizienz
  • Mineraldüngersubstitution
  • Ökonomische Auswirkungen
  • Kosteneinsparung
  • Arbeitswirtschaftliche Auswirkungen

 

Was ist bisher im TP 3 passiert?

Im Frühjahr wurden Exaktversuche mit separierter Schweinegülle angelegt. Ziel war es eine Fruchtfolgedepotdüngung mit Phosphor zu realisieren (Versuchsstationen Schickelsheim und Höckelheim).

Es wurde eine Internetpräsenz des Projektes im Rahmen der Seiten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen unter Betrieb/Umwelt, Unterpunkt Ländliche Entwicklung aufgebaut.

Ein Meinungspanel wurde initiiert. An Ackerbaubetriebe in den Dienstgebieten der Bezirksstellen Braunschweig und Northeim wurde ein Fragebogen zur Aufnahmebereitschaft von organischen Düngemitteln verschickt. Zeitgleich wurde der Fragebogen auch im Internet veröffentlicht, um weiteren interessierten Betrieben eine Teilnahme zu ermöglichen. Dies sollte bewusst keine repräsentative Feldforschung werden, uns lag mehr daran eine aktuelle Meinung von Ihnen zu diesem Thema zu bekommen. Der Rücklauf von fast 25% war für uns eine große Überraschung und zeigt, wie wichtig Ihnen dieses Thema ist. Eine Auswertung diese Befragung wird demnächst auf der Internetseite zu finden sein. Es wurde auch die Bereitschaft sich als Pilotbetrieb zur Verfügung zu stellen abgefragt. Wir waren von dem Interesse an der Teilnahme sehr erfreut und werden im September 2016 eine engere Auswahl treffen.

Eine Anmerkung zum Thema Pilotbetriebe. Da das Projekt vom Land Niedersachsen (ebenso wie die Beratung in Trinkwassergewinnungsgebieten und in der Kulisse der Wasserrahmenrichtlinie) gefördert wird, ist es aus förderrechtlicher Sicht nicht möglich Betriebe aus diesen Zielkulissen als Pilotbetriebe zu beteiligen (Ausnahmeregelungen sind nur für Betriebe in der Kulisse der Wasserrahmenrichtlinie möglich). Falls Sie davon betroffen sein sollten bedauern wir dies sehr, aber rechtlich bleibt uns leider keine andere Wahl.

Diese Projektinfo erhalten Sie, da Sie Interesse an mehr Informationen zum Projekt bekundet haben. Es ist geplant in unregelmäßiger Abfolge weitere Informationen zu versenden. Alle Projektinfos werden aber natürlich auch auf der Internetseite zu finden sein.

 

Mit freundlichem Gruß

Thomas Beiß-Delkeskamp und Dr. Heidi Bouws für das TP 3-Team.


Kontakt:
Thomas Beiss-Delkeskamp
Wasserschutzberatung
Telefon: 0531 28997-240
Telefax: 0531 28997-241
E-Mail:


Stand: 25.11.2016