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Studenten richtig versichern

Sozialrechtliche Beurteilung bei der Beschäftigung von Studenten

Viele Studierende finanzieren sich ihr Studium mit einem oder mehreren kleinen Jobs. Nicht wenige arbeiten regelmäßig neben ihrem Studium, um finanziell überleben zu können. Arbeitgeber, die Studierende beschäftigen, müssen eine Reihe von sozialrechtlichen Besonderheiten beachten.

Grundsätzlich müssen Studierende in der Kranken- Pflege- Renten- und Arbeitslosenversicherung versichert werden, wenn sie gegen Entgelt arbeiten. Sogenannte Werkstudenten sind in einer neben dem Studium ausgeübten Beschäftigung unter bestimmten Voraussetzungen versicherungsfrei – und zwar in der Kranken- Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Seit dem Oktober 1996 entfällt jedoch die Rentenversicherungsfreiheit. Seit dem besteht sie nur noch, wenn die Beschäftigung geringfügig ist, die Studierenden also nur bis 400 Euro monatlich verdienen oder wenn sie nur kurzfristig, das heißt bis zwei Monate oder 50 Tage im Jahr beschäftigt sind.

Voraussetzung für die Anwendung der Vorschriften zur Versicherungsfreiheit der Beschäftigung ist die Zugehörigkeit zum Personenkreis der ordentlich Studierenden. Als ordentlich Studierender gilt, wer für ein Studium an einer Hochschule immatrikuliert, dass heißt in das Studienverzeichnis eingetragen ist. Versicherungsfreiheit bezieht sich nur auf die Beschäftigung. Der Student muss dennoch krankenversichert sein.

Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:
1. Studierende sind bei den Eltern familienversichert. Diese Alternative gilt aber nur bis zum 25. Lebensjahr, bei Wehr- und Zivildienst entsprechend länger.
2. Sie sind über ihren Ehepartner familienversichert.
3. Schließlich bleibt die Pflichtversicherung in der studentischen Krankenversicherung, beispielsweise wenn der Betreffende über 25 Jahre alt ist.

Die Beschäftigung ist aber nur dann versicherungsfrei, wenn sie dem Studium deutlich untergeordnet ist. Um zu ermitteln, wie viel Zeit Studierende für ihr Studium aufwenden,  sind nicht nur die Zeiten heranzuziehen, die mit Vorlesungen und Seminaren verbracht werden,  sondern auch die Vor- und Nachbereitung.

Ist für den Arbeitgeber erkennbar, dass der Betroffene sein Studium nicht „überwiegend“ ausübt, dann ist eine Einzelfallprüfung, gegebenenfalls mit Beteiligung der zuständigen Krankenkasse unerlässlich.

Haben Studierende Einnahmen aus Zinsen, Pachten und Mieten oder aus selbständiger Tätigkeit, die monatlich über 365 Euro liegen , scheidet die Familienversicherung aus.

Pauschale Regelung
Beschäftigung während der Vorlesungszeit

Jobben Studierende während der Vorlesungszeit, dann ist die Tätigkeit versicherungsfrei in der Kranken- Pflege- und Arbeitslosenversicherung – aber nur wenn die Arbeitszeit maximal 20 Stunden wöchentlich beträgt. Haben sie mehrere Nebenjobs, dann werden alle Arbeitszeiten zusammengezählt. Verrichten sie ihre Arbeit dagegen vorwiegend am Wochenende, sind auch mehr als 20 Stunden möglich. Voraussetzung ist immer, dass Zeit und Arbeitskraft überwiegend in das Studium fließen.
Ist die Arbeit von vorn herein auf maximal zwei Monate oder 50 Tage im Jahr befristet (kurzfristige Beschäftigung), dann sind Studierende von der Kranken- Pflege- Renten- und Arbeitslosenversicherung freigestellt. Gleiches gilt für eine geringfügige Beschäftigung bis 400 Euro monatlich. Für geringfügig Beschäftigte müssen jedoch vom Arbeitgeber Pauschalbeiträge (30,88 %) an die Knappschaft Bahn See abgeführt werden.

Beschäftigung während der vorlesungsfreien Zeit
Beträgt die wöchentliche Arbeitszeit in den Semesterferien mehr als 20 Stunden, besteht ebenfalls Versicherungsfreiheit in der Kranken- Pflege- und Arbeitslosenversicherung, weil davon auszugehen ist, dass Studierende während der Vorlesungszeit ausschließlich ihrem Studium nachgehen. Dagegen sind sie versicherungspflichtig, wenn die Beschäftigungszeit mehr als 20 Stunden wöchentlich über die Semesterferien hinaus andauert. Nur in Ausnahmefällen sind bis zu zwei Wochen erlaubt.

Beschäftigung in den Semesterferien und Vorlesungszeit
Arbeiten Studierende sowohl in den Semesterferien als auch in der Vorlesungszeit oder haben sie innerhalb eines Jahres mehrere Nebenjobs, ist im Einzelfall zu prüfen, was sie überwiegend in Anspruch nehmen: Ergibt sich unter dem Strich, dass innerhalb der eines Jahres Beschäftigungszeiten von mehr als 26 Wochen (182 Tage) mit mehr als 20 Wochenstunden vorliegen, sind sie kranken-, pflege-, arbeitslosen- und rentenversicherungspflichtig, und zwar von Beginn an!

Ausübung einer geringfügigen Beschäftigung
Eine geringfügige Beschäftigung liegt vor, wenn der Verdienst im Monatsdurchschnitt nicht über 400 Euro liegt. Bei der Berechnung können nur solche Monate herangezogen werden, in denen Studierende mindestens einmal pro Monat gearbeitet beziehungsweise mindestens einen Tag Urlaub hatten. Ist ein gesetzlich krankenversicherter Studierender geringfügig beschäftigt, dann muss der Arbeitgeber einen Pauschalbeitrag von 30,88 % an die Knappschaft Bahn See abführen, bestehend aus 13 % Krankenversicherung. 15 % Rentenversicherung. 2% Steuern und 0,88 % Umlage zur Lohnfortzahlung. Für Jobber im Privathaushalt ist die Pauschale 14,44 %. Dieser Beitrag besteht wiederum aus 5 % Krankenversicherung, 5 % Rentenversicherung, 2% Steuern, 1,6% Unfallversicherung und 0,84% Umlage.

Studierende haben die Möglichkeit, den Rentenversicherungsbeitrag von 15 % beziehungsweise 5 % im Privathaushalt durch einen eigenen Beitrag auf den vollen Rentenversicherungsbeitrag von 19,9 % aufzustocken. Dabei sind die Beiträge mindestens aus einer Bemessungsgrundlage von 155 Euro zu berechnen. Damit kann eine Anwartschaft auf Leistungen aus der Rentenversicherung, zum Beispiel zur Rehabilitation, erworben werden. Ob die Aufstockung sinnvoll ist, ist von Fall zu Fall verschieden.
Werden mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen nebeneinander ausgeübt, sind diese zusammenzurechnen. Überschreitet der Betreffende so die Entgeltgrenze von 400 Euro, entsteht wieder eine Beitragpflicht in allen vier genannten Versicherungen im Rahmen der Gleitzonenregelung (400 bis 800 Euro). Werkstudenten, die unter die 20- Stundenregelung fallen, sind wieder von der Kranken-, Pflege-, und Arbeitslosenversicherung befreit.

Kurzfristige Beschäftigung
Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn sie im Laufe eines Kalenderjahres auf nicht mehr als zwei Monate oder insgesamt 50 Arbeitstage begrenzt ist. Bestehen mehrere kurzfristige Beschäftigungen nebeneinander werden die Arbeitstage zusammengerechnet. Unbedingt sollte ein schriftlicher Arbeitsvertrag geschlossen werden, der die Art und die Dauer der Beschäftigung regelt. Kurzfristige Beschäftigungen sind sozialabgabenfrei. Die Besteuerung erfolgt pauschal durch den Arbeitgeber beziehungsweise über die Lohnsteuerkarte der Studierenden. Für Letztere bleiben eine geringfügige und eine kurzfristige Beschäftigung sozialversicherungsfrei. Dauert die kurzfristige Beschäftigung länger als vier Wochen, muss der Arbeitgeber 0,88% an die Lohnfortzahlungsversicherung entrichten.

Übungsleiterpauschale
Viele Studierende arbeiten bei gemeinnützigen Vereinen, Kirchen oder vergleichbaren Einrichtungen als Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder Übungsleiter. Damit kommt ihnen die sogenannte Übungsleiterpauschale in Höhe von 2.100 Euro jährlich bzw. 175 Euro monatlich zugute, die steuer- und sozialabgabenfrei ist. Das ist neben einer geringfügigen Beschäftigung (bis 400 Euro monatlich) möglich.
 


Kontakt:
Dirk Lüvolding
Arbeitnehmerberatung, Berufsbildung Landwirt
Telefon: 05439 9407-36
Telefax: 05439 9407-39
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Stand: 28.08.2012