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Leistungsfähige Mähwerke

Um eine erstklassige Grassilage zu erzeugen, ist unter anderem der richtige Schnittzeitpunkt, ein Anwelkgrad von 30 – 40 % und eine kurze Feldliegezeit entscheidend. Deshalb ist die Grassilage zügig und ohne große Verluste einzubringen. Dazu ist eine schlagkräftige Silagewerbe- und –bergekette erforderlich. Aus diesem Grund werden immer häufiger beim Gras mähen Mähkombinationen oder selbstfahrende Mähwerke mit großen Arbeitsbreiten eingesetzt

Bauarten
Zu den großen Mähkombinationen zählen z.B. die Schmetterlingsmähwerke. Hierbei wird ein Mähwerk in Front mit zwei Mähwerken im Heck des Schleppers kombiniert. Diese Mähwerksanordnung sorgt für eine gute Gewichtsverteilung, nachteilig ist das  zwei Arbeitsbereiche (Front und Heck) beobachtet werden müssen. Eine bessere Übersicht ist bei den Mähkombinationen gegeben, wo alle drei Mähwerke in Schubfahrt genutzt werden. In diesem Fall wird die Gesamtkombination im Heck an einem Schlepper mit Rückfahreinrichtung oder einem selbstfahrenden Trägerfahrzeug angebaut. Diese kompakte Anbauweise führt zu einer ungünstigen Gewichtsverteilung.

Selbstfahrende Mähwerke sind mit drei Mähwerken ausgestattet, wobei ein Mähwerk in Front und zwei Mähwerke zwischen den Achsen bzw. im Heck angebracht sind. Diese Anordnung der Mähwerke sorgt für eine optimale Gewichtsverteilung und somit für ein ruhiges Fahrverhalten.

Mähwerksausstattung
Selbstfahrende Mähwerke werden nur als Scheibenmähwerke angeboten, während es bei den Mähkombinationen auch Ausführungen mit Trommelmähwerken gibt. Dann ist allerdings die Arbeitsbreite begrenzt. Dies ist in erster Linie auf das höhere Gewicht und den höheren Antriebsbedarf von Trommelmähwerken zurückzuführen. Die Grasablage beim Mähen erfolgt je nach Ausstattung der Mähwerke in Einzelschwaden, breitflächig oder in einem Gesamtschwad. Bei Mähwerken ohne zusätzliche Ausstattung wird das Gras im Einzelschwaden abgelegt, dann ist zu bedenken, dass aufgrund der großen Flächenleistung der Mähkombinationen oder selbstfahrenden Mähwerke eine hohe Schlagkraft beim Zetten erforderlich ist. Wenn nicht unmittelbar nach dem Mähen gezettet werden kann, ist es überlegenswert das Mähen mit einem Aufbereiter durchzuführen. Dann sollte das Gras mittels einer Breitverteilhaube breitflächig abgelegt werden, damit keine wertvolle Anwelkzeit verloren geht.

Die Anwelkgeschwindigkeit zu reduzieren ist beispielsweise beim dritten Schnitt, wo die Aufwuchsmenge geringer ist und vielfach günstige Witterungsbedingungen herrschen, überlegenswert. Um dies zu erreichen, kann das Gras beim Mähen mittels Querförderbändern oder Förderschnecke in einem Schwad oder als Teilbreite ablegt werden. Die Förderbänder oder Schnecken werden an den äußeren Mähwerken angebracht, wodurch das abgemähte Gras zur Mitte gefördert und dort auf das Schwad vom Frontmähwerk ablegt wird. Dadurch entsteht ein großes Schwad für die nachfolgenden Bergemaschinen. Dies erspart das Wenden und Schwaden. Für eine gleichmäßigere Abtrocknung im Schwad kann es aber sinnvoll sein, dieses einmal zu drehen.

Flächenleistungen
Der große Vorteil von Mähwerkskombinationen und selbstfahrenden Mähwerken liegt in der großen Schlagkraft. Diese wird erreicht aufgrund der größeren Arbeitsbreite und dadurch dass mit einer höheren Fahrgeschwindigkeit beim Mähen gefahren werden kann, da die Mähwerksanlenkungen und -entlastungen verbessert sind. Für ein sauberes Arbeitsbild ist eine ausreichende Überlappung bei den Mähwerken erforderlich. Dies ist besonders bei Hanglagen sehr wichtig. Mähwerkskombinationen in Schmetterlingsausführung oder in Schubfahrt werden mit Arbeitsbreiten von 7,40 m bis 10,80 m angeboten. Hiermit sind unter guten Einsatzbedingungen Fahrgeschwindigkeiten um die 15 km/h möglich, so dass Flächenleistungen von über 10 ha pro Stunde erreichbar sind. Bei den selbstfahrenden Mähwerken gibt es Arbeitsbreiten von 9,70 m und 13,20 m. Hier sind unter guten Einsatzbedingungen Flächenleistungen im Bereich von 15 ha pro Stunde möglich. Wie hoch die Flächenleistung in der Praxis tatsächlich ist, hängt entscheidend von den örtlichen Bedingungen ab. Dazu gehören Faktoren wie die Flächengröße, die Befahrbarkeit der Flächen, die Aufwuchsmenge, die Ebenheit der Fläche und oder ob Grüppen vorhanden sind. Diese Einsatzbedingungen können sich regional deutlich unterscheiden und damit auch die erreichbare Flächenleistung.

Hat ein Landwirt beim ersten Schnitt 60 ha zu mähen, benötigt beispielsweise ein Lohnunternehmer mit einem Großflächenmähwerk bei günstigen Feldabmessungen etwa vier Stunden dafür. Somit ist es möglich, wenn morgens mit dem Mähen begonnen wird, die gesamte Flächen bis zum Mittag gemäht, aufbereitet und breit abgelegt zu haben. Dadurch kann die zur Verfügung stehende Anwelkzeit vollständig genutzt und somit die Feldliegezeit verkürzt werden. Im Gegensatz dazu ist der Zeitaufwand für das Mähen auf vielen Betrieben aufgrund der geringeren Schlagkraft der vorhandenen Mähtechnik deutlich höher. Zudem kommt es häufig vor, dass ohne Aufbereiter gearbeitet wird und somit noch gezettet werden muss. All dies hat einen zeitlichen Mehraufwand zur Folge, was in der Regel Einbußen bei der Silagequalität bedeutet. Je nach Wetterlage sind die Folgen einer zeitlich verzögerten Grasernte unterschiedlich. Herrscht eine unbeständige Wetterlage, wodurch das Erntezeitfenster sehr kurz ist, hat eine höhere Schlagkraft große Vorteile. Dies gilt auch bei günstigen Witterungsbedingungen, wenn es durch die schlagkräftige Mähtechnik gelingt, Eintagessilage zu bereiten.

Leistungsbedarf
Der Leistungsbedarf für eine Mähkombination mit drei Mähwerken ohne Aufbereiter und einer Arbeitsbreite von etwa 8,0 m liegt bei ca. 150 PS. Sind die Mähwerke mit einem Aufbereiter ausgestattet, erhöht sich der Leistungsbedarf um weitere 30 bis 40 PS, so dass schnell 180 bis 200 PS erforderlich sind. Ist die Mähwerkskombination zusätzlich noch mit einem Querförderband ausgestattet, ist der Kraftbedarf nicht viel höher, aber das zusätzliche Gewicht erfordert einen Schlepper im Bereich von 250 PS.

Bei größeren Arbeitsbreiten und unter schwierigen Einsatzbedingungen, wie z.B. hohe Aufwuchsmengen steigt der Leistungsbedarf weiter an. Ist die Leistung des Schleppers oder Trägerfahrzeugs zu knapp bemessen, können keine hohen Fahrgeschwindigkeiten beim Mähen erreicht werden, so das die Flächenleistung (ha/h) deutlich abnimmt. Neben der geringeren Flächenleistung führt eine zu geringe Leistungsausstattung dazu, dass beim Einsatz eines Aufbereiters das Gras nicht so intensiv aufbereitet wird. Ausreichend Leistung für die Mähkombinationen bereitzustellen ist für ein gutes und schlagkräftiges Mähen von großer Bedeutung. Im Gegensatz dazu sind die selbstfahrenden Mähwerken entsprechend ihrer Arbeitsbreite und Ausstattung mit 420 bzw. 520 PS ausreichend motorisiert.

Kosten der Technik
Mähkombinationen ohne Aufbereiter kosten ca. 50.000 €. Mit Aufbereiter sind ca. 15.000 € zusätzlich für die Mähkombination zu zahlen. Bei einer Ausstattung mit Querförderbändern steigt der Anschaffungspreis um 15.000 € bis 30.000 €. Neben den Investitionskosten für die Mähkombination ist bei den Kosten zu berücksichtigen, dass dafür ein leistungsstarker Schlepper benötigt wird. Ein Vorteil von Mähkombinationen liegt darin, dass der Schlepper oder das Trägerfahrzeug außerhalb der Mähsaison noch für andere Arbeiten genutzt werden kann. Der Anschaffungspreis von selbstfahrenden Mähwerken mit Aufbereiter und Schwadzusammenführung liegt bei einer Arbeitsbreite von rund 10 m bei ca. 360.000 € und bei einer Arbeitsbreite von 13,20 m bei etwa 500.000 €. Damit selbstfahrende Mähwerke wirtschaftlich eingesetzt werden können, ist eine hohe Auslastung pro Jahr erforderlich. Flächenleistungen von mindestens 2.000 ha pro Jahr werden angestrebt. Eine so hohe Auslastung der Maschinen lässt sich meist nur im überbetrieblichen Einsatz erreichen.

Fazit
Mähwerkskombinationen und selbstfahrende Mähwerke sind aufgrund ihrer hohen Schlagkraft vorteilhaft für eine schnelle Silagegewinnung. Dadurch kann das Wetterrisiko gemindert werden. Da die Anschaffungskosten besonders bei den selbstfahrenden Mähwerken hoch sind, kommen sie in der Regel nur für den überbetrieblichen Einsatz in Frage.


Kontakt:
Alfons Fübbeker
Berater Landtechnik
Telefon: 0441 801-323
Telefax: 0441 801-319
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Stand: 22.12.2016