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Güllewagen richtig bereifen

Bei großen Güllewagen gilt es den Bodendruck und den Zugkraftbedarf gering zu halten. An die Fahrwerke dieser Wagen sind deshalb hohe Anforderungen zu stellen. Was es bei der Auswahl eines guten Fahrwerks zu beachten gilt, erläutert Dr. H.- H. Kowalewsky von der Landwirtschaftskammer Weser-Ems.

An die Schlagkraft bei der Gülleausbringung werden immer höhere Anforderungen gestellt. Mehr Schlagkraft wird benötigt, um mehr Gülle zum pflanzenbaulich optimalen Termin ausbringen zu können. Möglich werden höhere Leistungen bei der Gülleausbringung durch größere Güllewagen. Größere Güllewagen werden aber auch gefordert, weil Gülle zunehmend überbetrieblich ausgebracht wird und weil auf den Betrieben heute Schlepper vorhanden sind, die auch größere Güllewagen ziehen können. Der Nachteil der größeren Güllewagen besteht in erster Linie darin, dass sie höheren Bodendruck verursachen. An die Bereifung dieser Wagen werden deshalb besondere Anforderungen gestellt.

Möglichst viele Reifen
Die Anzahl der Reifen ist abhängig von der Achskonstruktion. Zu den Achsen ist festzustellen, dass hier aufgrund der einfachen Konstruktion die Einzelachse die kostengünstigste Fahrwerksalternative darstellt. Sie kommt aber nur für Güllewagen mit einem nutzbaren Faßvolumen bis ca. 9 m³ in Betracht. Bei größeren Güllewagen würde die 10 t-Grenze für die höchstzulässige Achslast überschritten, d. h. mit diesen Wagen dürfen laut StVZO (Straßenverkehrszulassungsordnung) öffentliche Straßen nicht befahren werden.

Güllewagen mit Einzelachse sollten mit einer Federung ausgerüstet sein. Die Federung trägt dazu bei, dass insbesondere bei Leerfahrten die harten Stöße nicht direkt vom Fahrwerk auf den übrigen Wagen übertragen werden. Statt dicker Blattfederpakete werden heute immer häufiger Parabelfedern eingesetzt, weil sie bei gleicher Tragkraft etwa ein Drittel leichter sind. Weitere Vorteile sind die niedrigere Einbauhöhe und der kürzere Federweg. Letzterer verbessert die Fahrstabilität und verhindert ein Aufschwingen.

Mit zunehmender Faßgröße gewinnen die Doppelachsen immer mehr an Bedeutung. Bei den Doppelachsen sind starre Ausführungen nur noch selten anzutreffen, denn der Verschleiß im Bereich der Radlager ist groß, ein Fahrtrichtungswechsel auf dem Acker führt zu einem deutlich höheren Zugkraftbedarf und das Rangieren auf engen Hofstellen hat Schäden an den Reifen zur Folge. Bei Doppelachsen sollten deshalb die hinteren Räder aktiv gelenkt oder frei nachlaufend ausgeführt sein. Zum Rückwärtsfahren müssen die Räder arretiert werden. Das erfolgt meist hydraulisch oder mit Druckluft vom Schleppersitz aus. Mit Doppelachsen, die einen großen Pendelweg aufweisen, ist auch in unebenem Gelände eine gleichmäßige Lastverteilung auf alle Räder erreichbar.

Aufgrund des deutlich höheren Preises kommen Doppelachsen in erster Linie für Güllewagen in der Größe zwischen 9 und 16 m³ oder bei speziellen Einsatzverhältnissen in Betracht. Spezielle Einsatzverhältnisse bestehen, wenn mit dem Güllewagen auf sehr druckempfindlichen Böden oder in stehendem Mais gearbeitet werden soll. Bei der Ausbringung in stehenden Mais ist die Reifenbreite auf etwa 45 cm begrenzt (bei 75 cm Reihenabstand). Bei so schmalen Reifen ist selbst bei kleineren Güllewagen eine Doppelachse notwendig, um die Belastung des einzelnen Reifen und damit den Bodendruck in vertretbaren Grenzen zu halten. Gegenüber Einzelachsen bieten Doppelachsen außerdem den Vorteil, dass sie auf der Straße ruhiger laufen. Eine Federung ist bei Doppelachsen nicht unbedingt erforderlich, weil Unebenheiten zur Hälfte schon vom Achsaggregat "geschluckt" werden.

Das für Doppelachsen Gesagte gilt in noch stärkerem Maße für die Drei- und Vierfachachsen. Diese sehr aufwendigen Achsaggregate werden bei sehr großen Güllewagen ab ca. 16 m³ eingesetzt. Sie sind teilweise mit einer Luftfederung versehen. Die Luftfederung bietet hier Vorteile, weil sie große Federwege ermöglicht, eine sehr gute Federwirkung aufweist und die automatische Bremskraftregelung hier problemlos funktioniert. Inzwischen sind sogar Dreifachachsen mit Luftfederung auf dem Markt, bei denen einzelne Achsen angehoben werden können, um mehr Gewicht auf den Schlepper zu übertragen. Bei anderen Güllewagen wird dazu der Gülletank auf dem Rahmen weiter in Richtung Schlepper geschoben oder zunächst die hintere und dann die vordere Tankhälfte entleert. Durch die Gewichtsübertragung auf den Schlepper wird dessen Zugkraft erhöht und der Zugkraftbedarf des Güllewagens verringert.

Ob sich Achsausführungen durchsetzen, bei denen die Güllewagenreifen neben der Schlepperspur laufen, bleibt abzuwarten. Auf Grünland oder unbewachsenem Acker kann das sinnvoll sein. Wo ein großer Teil der Gülle in stehende Bestände ausgebracht wird, kommt die Spurverschiebung allerdings nicht in Betracht. Bei der Ausbringung in stehende Bestände ist es wichtig, dass der Wagen möglichst exakt in der Schlepperspur läuft, um unnötige Schäden im Fahrspurbereich zu vermeiden.

Die Reifen sollten breit und hoch sein
Wie gut sich das Fahrwerk eines Güllewagens für das Fahren auf dem Acker bzw. dem Grünland eignet, ist nicht nur von der Achse und damit von der Reifenanzahl, sondern auch vom Reifen selbst abhängig. Im Hinblick auf den Bodendruck kommt der Aufstandsfläche besondere Bedeutung zu. Je größer die Aufstandsfläche der Reifen, desto kleiner ist bei gleicher Gewichtsbelastung der Druck, der auf den Boden einwirkt. Insbesondere für die Schonung des Krumenbereiches und für den Zugkraftbedarf kommt der Vergrößerung der Aufstandsfläche große Bedeutung zu. Die Größe der Aufstandsfläche wird bestimmt von der Reifenhöhe, der Reifenbreite, der Reifenbauart und dem Luftdruck im Reifen.

Zur Reifenhöhe ist festzustellen, dass ein höherer Reifen auch immer eine größere Aufstandsfläche aufweist und leichter läuft. Bei einigen Güllewagen ist die Reifenhöhe begrenzt, weil ansonsten die Reifen am Faß scheuern. Teilweise lassen sich bei einer Vergrößerung der Spurweite auch hier größere Reifen montieren. Ein Gesichtspunkt, der gegen höhere Bereifungen angeführt wird, ist die größere Kippgefahr. Da der Schwerpunkt eines Güllefasses aber lediglich um 10 cm höher liegt, wenn ein um 20 cm höherer Reifen montiert wird, sollte die Vergrößerung der Kippgefahr nicht überbewertet werden. Sie spielt nur bei extremen Hanglagen eine Rolle.

Für die Reifenbreite gilt, dass hier der Einfluß auf die Größe der Aufstandsfläche noch größer ist als bei der Reifenhöhe. Wer bei der Gülleausbringung nicht an Reihenkulturen oder Fahrgassen gebunden ist und im Hinblick auf den Bodendruck das Optimum erreichen will, sollte deshalb den breitesten Reifen wählen, der für seinen Wagen angeboten wird. Begrenzend kann hier allerdings die StVZO wirken, die vorschreibt, dass selbst bei Verwendung von Niederdruckreifen die Breite im Reifenbereich nur bis 3 m betragen darf. Einen Überblick über derzeit an Güllewagen häufiger verwendete Reifengrößen gibt die folgende Tabelle. In der Tabelle ist auch aufgeführt, wie hoch der Bodendruck beim Einsatz dieser Reifen an unterschiedlich großen Güllewagen (mit Doppelachse) ist.

Technische Daten und Preise bei verschiedenen Güllewagenreifen (pdf-Datei im Anhang)

Die in dieser Tabelle dargestellte Aufstandsfläche wurde aus der Reifenhöhe und der Reifenbreite errechnet. Diese Aufstandsfläche wird in etwa erreicht, wenn der Reifen exakt mit dem Luftdruck gefahren wird, der zur Erreichung der notwendigen Tragfähigkeit erforderlich ist.

Ein noch so guter Reifen hilft wenig, wenn er mit einem zu hohen oder einem zu niedrigen Luftdruck gefahren wird. Vom Luftdruck werden u. a. die Tragfähigkeit und die Aufstandsfläche beeinflußt. Bei einer Erhöhung des Luftdrucks im Reifen um 50 % über den benötigten Wert wird seine Aufstandsfläche um etwa 30 % kleiner und auf dem Acker steigt der Zugkraftbedarf des Wagens um etwa 15 %. Auf der Straße läuft der Wagen aber um etwa 10 % leichter.

Die vom Güllewagenhersteller gemachte Vorgabe zum Luftdruck ist so ausgelegt, dass sich auch bei vollem Güllewagen und schneller Straßenfahrt der Verschleiß in Grenzen hält. Der Luftdruckwert ist für das Fahren auf dem Acker aber eigentlich zu hoch, denn dort wird wesentlich langsamer gefahren. Dieses Problem läßt sich mit einer Luftdruckregelanlage lösen. Damit kann der Luftdruck im Reifen während der Fahrt auf die jeweiligen Einsatzbedingungen (Straße oder Acker) eingestellt werden. Eine solche Anlage kostet für einen Güllewagen mit Einzelachse derzeit etwa 4.000 €. Aufgrund des Preises konnten Luftdruckregelanlagen bislang nur bei größeren Güllewagen Bedeutung erlangen. Untersuchungen von UPPENKAMP N. zeigen, dass durch die Reifendruckregelanlage nicht nur der Boden geschont, sondern auch der Dieselverbrauch beim Güllefahren um etwa 15 % verringert werden kann.

Bei Güllewagen, die nicht nur auf dem Acker, sondern auch auf dem Grünland eingesetzt werden, geht es nicht nur um die Schonung des Bodens, sondern auch um die Schonung der Grasnarbe. Gerade in Grünlandbetrieben stellt sich deshalb die Frage nach dem optimalen Reifenprofil. Bewährt haben sich für derartige Einsätze Reifen mit einem flachen Stollenprofil, bei dem die Stollen relativ dicht hintereinander angeordnet sind. Für das Fahren auf dem Acker sind diese Profile weniger gut geeignet, weil sich in ihnen mehr Erde festsetzt und deshalb bei feuchteren Bodenbedingungen die Straßen stärker verschmutzt werden. Hier, und für die Straßenfahrt selber, sind die meist auch billiger angebotenen Rillenprofile zu bevorzugen.

Zusammengefasst
Größere Güllewagen erfordern mehr und bessere Reifen, um den Bodendruck und den Zugkraftbedarf gering zu halten. Bei größeren Güllewagen führt deshalb an der Ausrüstung mit Doppel- oder Dreifachachsen kein Weg vorbei, auch wenn die Güllewagen dadurch deutlich teurer werden. Mit Ausnahme spezieller Einsätze z. B. in stehende Getreide- oder Maisbestände sind immer möglichst hohe und möglichst breite Reifen vorzuziehen, weil sie ein bodenschonenderes Befahren der Flächen ermöglichen.


Kontakt:
Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky
Fachbereich Landtechnik, Bauwesen
Telefon: 0441 801-320
Telefax: 0441 801-319
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Stand: 28.10.2010