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Sechs Hoflader im Test

Hoflader, auch Hofschlepper genannt, haben in den letzten Jahren in Pferdehaltungsbetrieben große Verbreitung gefunden. Dort werden sie nicht nur zur Entmistung, sondern auch zu vielen anderen Ladearbeiten eingesetzt. Im Vergleich zu Frontladerschleppern sind dabei die kompakte Bauweise, die Wendigkeit, die gute Sicht und die einfache Bedienung vorteilhaft.

Unterschiedliche Bauarten
Bei den Hofladern gibt es ein breites Angebot. Für unseren Test haben wir uns für die mittelgroßen Ausführungen entschieden. Bei diesen Ladern werden unterschiedliche Bauarten angeboten. Am verbreitesten sind die Knicklenker. Aber auch Ausführungen mit Hinterachslenkung und mit der sogenannten Panzerlenkung, bei der durch einseitiges Abbremsen der Räder die Fahrtrichtung geändert wird, waren im Test dabei. Einen Überblick über die sechs von uns getesteten Hoflader und deren wichtigste technische Daten gibt die Tabelle 1 (pdf-Datei im Anhang).

Nicht alle Testkandidaten sind voll vergleichbar, wie aus den technischen Daten deutlich wird. So zeigt sich beispielsweise beim Gewicht, dass der Andi und der Schäffer doch eine Nummer größer bzw. schwerer sind als die übrigen Testkandidaten. Das ist bei der Beurteilung der Meßergebnisse zu beachten. Der Bobcat bildet mit seiner Panzerlenkung, dem engen Achsabstand und der im Heck angebauten Ladeschwinge ebenfalls eine eigene Testkategorie. Wegen der im Einzelfall nur begrenzten Vergleichbarkeit haben wir die Bobcat-Ergebnisse grau hinterlegt.

Die Hoflader waren mit einer oder mit zwei Fahrstufen ausgerüstet. Eine zweite Fahrstufe ist technisch aufwendiger und damit teurer, sie ermöglicht es aber u. a. einen größeren Geschwindigkeitsbereich abzudecken. Der Weidemann und der Striegel hätten wahlweise aber auch mit zwei Fahrstufen ausgerüstet werden können.

Während es bei der Fahrzeughöhe nur vergleichsweise geringe Unterschiede zwischen unseren Testkandidaten gab, waren die Differenzen bei der Breite schon größer. Als relativ schmal erwiesen sich der Fuchs, der Weidemann und der Striegel. Bei einigen Fabrikaten lässt sich die Breite durch Wahl einer anderen Achse beeinflussen. Hier sollte man im Einzelfall nachfragen. Dabei ist zu beachten, dass Hoflader immer so schmal wie nötig aber so breit wie möglich sein sollten, um die Kippgefahr zu verringern. Über besonders viel Gewicht auf der Hinterachse verfügten der Andi und der Schäffer. Aber auch bei den übrigen Fabrikaten sind größere Ausführungen erhältlich, die dann auch über mehr Gewicht verfügen.

Die von uns getesteten Hoflader waren mit unterschiedlich hohen und unterschiedlich breiten Reifen ausgerüstet. Bauartbedingt waren die Reifen am Bobcat am kleinsten. Über die größte Bereifung verfügte der Schäffer. Große Reifen sind auf Wunsch bei allen Fabrikaten erhältlich. Bei Bobcat ist sogar eine Ausführung mit Ketten lieferbar. Dank seiner Panzerlenkung kann der Bobcat im Hinblick auf den Wendekreis deutliche Vorteile für sich verbuchen. Am schlechtesten schnitt hier der Hecklenker von Andi ab. Von den Knicklenkern wies der Weidemann den kleinsten und der Schäffer bereifungsbedingt den größten Wendekreis auf.

Praxisnahe Testergebnisse
Da Hoflader in erster Linie zu Ladearbeiten eingesetzt werden, stand bei den Tests der Bereich der Hydraulik und der Ladeschwinge im Vordergrund. Aber auch zum Dieselverbrauch und zu den Geräuschen wurden Messungen durchgeführt. Die dabei erzielten Ergebnisse sind der Tabelle 2 (pdf-Datei im Anhang) zu entnehmen.

Über die größte nutzbare Hubkraft im Test verfügten erwartungsgemäß der Schäffer 3033 und der Andi AC 436 H. Mit 1.800 daN (1 daN = 1 kg) im gerade stehenden Zustand konnte beispielsweise der Schäffer doppelt soviel heben wie der Bobcat. Begrenzt wurde die nutzbare Hubkraft bei den meisten Ladern aber nicht durch die Hydraulik oder die Schwingengeometrie, sondern dadurch, dass die Lader hinten abhoben. Es war deshalb nicht erstaunlich, dass Lader mit viel Gewicht auf der Hinterachse auch eine hohe nutzbare Hubkraft erreichten. Das Gewicht auf der Hinterachse ist deshalb ein wichtiges Kriterium für die Vergleichbarkeit von Hofladern.

Bei den Hubkraftmessungen wurde ein Nachteil der Knicklenker deutlich. Sobald diese Lader schwere Lasten im geknickten Zustand anheben sollen, gehen sie hinten früher hoch als bei geradem Stand. Der Unterschied bei der nutzbaren Hubkraft lag hier bei etwa 30 %. Der Andi mit der Hinterachslenkung und der Bobcat mit der Panzerlenkung weisen bauartbedingt diesen Nachteil nicht auf. Mit 1.600 daN nutzbarer Hubkraft in jeder Lenkposition erreichte der Andi bei diesen Messungen das Spitzenergebnis.

Über den größten Hubbereich verfügten bei unserem Test der Andi und der Striegel. An den vorderen Kupplungspunkten der Ladeschwinge erreichten sie einen Hubbereich von fast 3 m. Große Hubbereiche sind nötig, um hohe Fahrzeuge beladen zu können. Neben dem Hubbereich spricht für das Beladen aber auch ein Rolle, wie weit z. B. eine Schaufel beim Abkippen herunterklappt. Die Höhe der Schaufelspitze in abgekipptem Zustand wird als Kipphöhe bezeichnet. Sie war beim Schäffer am niedrigsten. Der Bobcat schnitt in diesem Punkt trotz geringer Hubhöhe gar nicht so schlecht ab. Hier wirkte sich positiv aus, dass dieser Hoflader mit einer breiten, aber relativ kurzen Erdschaufel ausgerüstet war.

Beim Beladen von Fahrzeugen ist vorteilhaft, wenn die Schwinge nach vorn relativ weit über den Hoflader hinausragt. Mit 100 cm Überstand erzielte der Andi in diesem Punkt das beste und mit 41 cm der Bobcat das schlechteste Ergebnis. Aufgrund unterschiedlicher Ausformung von Schaufel und Ladeschwinge wurden unterschiedliche Kippwinkel bei den verschiedenen Fabrikaten erreicht. Der Schäffer wies hier mit 54° den steilsten Kippwinkel auf. Das bedeutet, beim Auskippen steht die Schaufel relativ steil und wird deshalb z. B. beim Laden von feuchtem Boden besser entleert.

Überraschendes beim Dieselverbrauch
In Zeiten immer höherer Dieselpreise und sinkender Dieselrückvergütung ist auch der Dieselverbrauch von Hofladern zu einem Thema geworden. Wir haben den Dieselverbrauch unserer Testlader im Stand und bei Ladearbeiten ermittelt. Die wichtigsten Ergebnisse sind im mittleren Teil der Tabelle 2 (pdf-Datei im Anhang) dargestellt.

Entscheidend für die Praxis ist der hier ermittelte Verbrauch bei Ladearbeiten. Um den Verbrauch zu messen, haben wir Betonklötze mit der Palettengabel aufgenommen, über eine Strecke von 50 m transportiert, sie dann abgesetzt und in gleicher Weise den Rücktransport vorgenommen. Da auch der Zeitaufwand für diese mehrmals durchzuführende Arbeit ermittelt wurde, können wir den Dieselverbrauch in Beziehung zur Ladeleistung setzen. Die Unterscheidung ist wichtig, weil mit den verschiedenen Testladern unterschiedlich hohe Ladeleistungen erzielt wurden.

Um 100 t Gewicht über eine Strecke von 50 m zu transportieren, benötigten der Striegel und der Fuchs besonders wenig Diesel. Deutlich mehr verbrauchte der Schäffer. Das wesentlich höhere Gewicht dieses Hofladers könnte hier neben dem Motor eine gewisse Rolle gespielt haben. An der Geschicklichkeit des Fahrers lag es vermutlich weniger, denn der Fahrer konnte sehr gut mit diesem Lader umgehen. Er ist allerdings im Gegensatz zu dem Striegelfahrer deutlich mehr auf Leistung als auf Dieseleinsparung gefahren. Deshalb hat der Schäffer für die gleiche Ladeleistung wie der Striegel nur 65 statt 96 Minuten benötigt.

Da Hoflader nicht wie z. B. Schlepper serienmäßig über eine geschlossene Kabine verfügen, kann es hier zu einer erheblichen Geräuschentwicklung kommen. Wir haben deshalb sowohl die Geräuschentwicklung am Fahrerohr als auch bei Vorbeifahrt in 5 m Entfernung gemessen. Die im unteren Teil der Tabelle 2 zur Geräuschentwicklung dargestellten dBA-Messwerte erwecken den Eindruck, als hätte es hier keine großen Unterschiede gegeben. Das täuscht. Da ein Anstieg von 10 dBA eine Verdoppelung der Geräuschentwicklung bedeutet, war der Striegel bei Vollgas um etwa das Eineinhalbfache lauter als der relativ leise Fuchs.

Unterschiede im Detail
Ob man mit seinem Hoflader zufrieden ist oder nicht hängt letztlich davon ab, wie die verschiedenen Details vom Aufstieg bis zum Gerätewechsel gelöst sind. Keines dieser Details allein ist kaufentscheidend, in der Summe sind sie dann aber doch von großer Bedeutung für den Gesamteindruck. Wie wir, d. h., wie Landwirte und Berater die verschiedenen Hoflader in dieser Hinsicht beurteilt haben, zeigt die Tabelle 3 (pdf-Datei im Anhang).

Der Aufstieg gefiel uns am besten beim Andi und beim Weidemann. Die Größe und Rutschfestigkeit der Stufen waren hier deutlich besser gelöst als beispielsweise beim Bobcat, wo man über die Schaufel einsteigen muss. Schlecht war beim Bobcat auch der beengte Weg zum Sitz und der Sitz selber. Fabrikate wie Schäffer und Fuchs hatten hier deutlich Besseres zu bieten. Die Fahrpedale und -griffe waren dagegen bei allen Fabrikaten gut angeordnet und problemlos zu bedienen.

Beim Ladevorgang ist die Bedienung der Hydraulik von großer Bedeutung. Hier waren bei allen Fabrikaten die entsprechenden Hebel an der optimalen Stelle angeordnet und ergonomisch ausgeformt. Nicht ganz so gut sah es dagegen beim Öffnen der Motorhaube aus. Die teils umständlichen und teils schwergängigen Lösungen von Andi, von Fuchs und insbesondere von Weidemann haben uns nicht gefallen. Um bei letzterem ganz an Motor und Getriebe heranzukommen, muss der gesamte Fahrstand samt Sitz zur Seite geklappt werden. Das ist auch nötig, um an den Ölpeilstab heranzukommen und um Öl nachzufüllen. Hier gab es bei anderen Herstellern deutlich bessere Lösungen. Wie uns mitgeteilt wurde, werden die Nachfolgetypen des Weidemann 1250 hier Verbesserungen aufweisen.

Motoröl- und Luftfilter ließen sich beim Fuchs am leichtesten wechseln. Bei den anderen Fabrikaten gab es dagegen wegen schlechter Zugänglichkeit teilweise deutliche Abstriche. Das Reinigen des Kühlers bereitete dagegen nur beim Bobcat gewisse Probleme. Gut erreichbare und eindeutig gekennzeichnete Sicherungen fanden wir beim Fuchs und beim Weidemann. Eine schlechte Note gab es in diesem Punkt für den Andi. Hier saß der Sicherungskasten unter der Motorhaube, die durch zwei Gummilaschen und ein Schloss gesichert war. Damit ist es zwar für Unbefugte nicht möglich, sich Zugang zu diesem Bereich zu verschaffen, der Sicherungswechsel wird aber aufwändiger.

Dass es beim Tanken große Unterschiede gibt, hatten wir eigentlich nicht erwartet. Was wir dann aber beim Weidemann fanden, hat uns doch überrascht. Hier war der Einfüllstutzen direkt unter dem Auspuff angebracht. Verbrennungen beim Öffnen des Tankdeckels sind da vorprogrammiert.

Die beste Sicht nach vorn auf das Arbeitsgerät hat man bauartbedingt beim Bobcat. Allerdings funktionierte bei diesem Hoflader die Parallelführung bei der Palettengabel deutlich schlechter als bei den übrigen Fabrikaten. Und Unterschiede gab es letztlich auch noch beim Gerätewechsel. Eine überdurchschnittlich gute Lösung, um beispielsweise von der Erdschaufel zur Palettengabel zu wechseln, bot der Striegel. Leider mussten wir nachträglich feststellen, dass dieses Gerätewechselsystem nicht zum serienmäßigen Lieferumfang gehört. Hervorzuheben ist, dass der Andi als einziger über eine sogenannte Euro-Geräteaufnahme und eine hydraulische Geräteverriegelung verfügte.

Schwieriger Preisvergleich
Schwieriger als Aussagen zu den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Hoflader sind Angaben zu deren Preise. Hier kommt zum Tragen, dass in verschiedenen Regionen ein unterschiedliches Preisniveau bei Hofladern herrscht, dass Händler je nach Auftragslage zu unterschiedlichen Preisnachlässen bereit sind und dass Landwirte unterschiedlich gut verhandeln. In der Tabelle 4 (pdf-Datei im Anhang) konnten wir deshalb nur Preisgrößenordnungen angeben, die nach unseren Beobachtungen im Mittel in Norddeutschland gezahlt werden. Sie beziehen sich auf die serienmäßige Ausstattung, die allerdings je nach Hersteller unterschiedlich ausfällt und enthalten als Arbeitswerkzeug ein Krokodilgebiss und eine Erdschaufel.

Nach unseren Erfahrungen ist der Schäffer 3033 der Teuerste unter unseren Testkandidaten. Etwas über dem Durchschnitt liegen auch die Preise des Weidemann 1250. Zwischen den überprüften Ladern von Andi, von Fuchs und von Striegel bestehen dagegen nach unseren Beobachtungen nur geringe Preisunterschiede und der Bobcat wird von unseren Testkandidaten am preisgünstigsten verkauft. Entscheidend für den Kauf sollte bei einem Hoflader aber nicht der Preis, sondern das Preis-Leistungsverhältnis sein. Welche der von uns überprüften Leistungen im Einzelfall die wichtigste ist, lässt sich allerdings nur unter Berücksichtigung der jeweils vorhandenen Anforderungen sagen. Deshalb kann es bei einem solchen Test auch keinen generellen Sieger geben.

Fazit
Bei diesem Praxistest von Hofladern haben Landwirte und Berater gemeinsam sechs verschiedene Hoflader überprüft. Dabei wurden nicht nur eine Vielzahl verschiedener Messungen zu Motor, Hydraulik, Getriebe und Fahrwerk durchgeführt, sondern auch Beurteilungen des Komforts und der Bedienung vorgenommen. Der Test zeigte, dass alle überprüften Hoflader ihre Stärken aber auch ihre Schwächen haben. Den Testsieger muss deshalb jeder Käufer für sich unter Berücksichtigung der im Einzelfall wichtigen Kriterien ermitteln.


Kontakt:
Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky
Fachbereich Landtechnik, Bauwesen
Telefon: 0441 801-320
Telefax: 0441 801-319
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Stand: 28.10.2009