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Stallbau Milchvieh: Was ist im Vorfeld zu bedenken

Bei der Planung eines neuen Milchviehstalls sind viele Aspekte und Anforderungen zu berücksichtigen. Dazu gehören u.a. die Stallgröße, die Stallausführung, die Anbindung an bisherige Stallungen bzw. an dem bisherigen Melkbereich. Je nach einzelbetrieblicher Situation kann die favorisierte Lösung unterschiedlich aussehen. Beengte Hoflagen haben dabei beispielsweise einen großen Einfluss.

Richtiger Standort
Zunächst stellt sich die Frage nach dem Standort auf dem Hofgelände. Häufig stehen vorhandene Güllesilos oder auch Siloanlagen einer günstigen Entwicklung im Weg. Dann gilt es einen Kompromiss zu finden, ohne wiederrum einen evtl. späteren Entwicklungsschritt zu behindern. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll abzuklären, ob am Betriebsstandort eine Bestandsaufstockung überhaupt möglich ist.

Vielfach geben die bestehenden Gebäude, Siloanlagen und Güllebehälter einen möglichen Standort vor. Ob der zu Verfügung stehende Raum ausreicht, ohne sich zu viel zu „Verbauen“ muss sorgfältig geklärt werden. Grundsätzlich ist ein Stallneubau bzw. -anbau in Hinblick auf die derzeitige bzw. zukünftige Melktechnik zu sehen. Wie kann bei einer konventionellen Melktechnik der Kuhverkehr reibungslos gestaltet werden, ohne das sich zu weite oder sich kreuzende Zu- und Abtriebswege nachteilig auswirken. Einfacher ist es bei automatischen Melksystemen, da hier außerhalb des Stalls keine Laufwege erforderlich sind.

Aber auch die Ausrichtung des Gebäudes in Hinblick auf eine möglichst optimale natürliche Querlüftung spielt hier eine Rolle. Im Idealfall steht der Stall quer zur Hauptwindrichtung (Süd-West). Offene Seitenwände und eine entsprechende dimensionierte Firstentlüftung sorgen für ausreichend Frischluft. Wenn im Sommer der Luftaustausch nicht immer ausreicht, muss mit einer Unterstützungslüftung durch Ventilatoren Abhilfe geschaffen werden. Wird der Stall quer zur Hauptwindrichtung gebaut, ist die Ausrichtung der Dachfläche für den evtl. Aufbau einer PV-Anlage nicht ganz optimal. Dies hätte eine geringere Leistung der PV-Anlage von etwa 5 % zur Folge.

Ein ausreichend großer Wendeplatz vor dem Stallgebäude sowie ein breiter Futtertisch sind für ein zügiges und sicheres Arbeiten empfehlenswert. Dies spart Arbeitszeit und sorgt für weniger nicht anfahrbare Ecken bei der Futtervorlage. Bei der Überlegung in ein automatisches Fütterungssystem zu investieren, kann der Futtertisch schmaler ausgeführt werden, dafür muss ein Raum für Lagerung der Futterkomponenten geschaffen werden. Wichtig ist die Verlässlichkeit der Technik. Für eine evtl. notwendige Umstellung auf konventionelle Futtervorlagetechnik, muss der Futtertisch ausreichend breit sein.

Güllesystem
Beim Güllesystem stellt sich die Frage, ob die Lagerung im Stall unter Spaltenboden oder im Außenlager die richtige Wahl ist. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Ein Kostenvergleich ist nur schwer möglich, da die örtlichen Bedingungen hier eine große Rolle spielen. Bei größeren Lagerkapazitäten oder wenn Gülle an andere Betriebe abgegeben werden muss, bietet die Außenlagerung Vorteile.  Unabhängig davon ob im Stall ein planbefestigter Boden oder Spaltenboden ausgewählt wird, sollten die Laufbereiche möglichst trocken und sauber sein, denn dies ist für die Klauengesundheit entscheidend. Hier haben Spaltenböden Vorteile, besonders in Kombination mit einem Gülleschieber. Arbeitet dieser automatisch ist darauf zu achten, dass diese Schieberoboter keine Stufen überwinden können. Damit eine spätere Stallverlängerung nicht blockiert wird, ist eine Anordnung der Rührschächte seitlich neben dem Stall besser als an der Stirnseite des Stalles.

Planbefestigte Laufflächen müssen häufig abgeschoben werden und mit ausreichend Abwurfschächten versehen sein, damit die vom Gülleschieber bewegte Güllemenge nicht zu groß ist. Denn „Gülleseen“ verursachen eine höhere Klauenverschmutzung, was nachteilig für die Klauengesundheit ist.  Aber auch der Liegebereich der Boxen wird dann durch die Kühe stärker verschmutzt. Ebenso sind Senken mit Flüssigkeitsansammlungen negativ. Eine fachgerechte ebene Ausführung der planbefestigten Laufflächen ist deshalb sehr wichtig. Sind auch die Übergänge zwischen den Liegeboxenreihen planfestigt, muss dieser Bereich in der Regel von Hand gereinigt werden.

Liegeboxen
Je nach Ausführung als 2, 3 oder 4 Reiher ergibt sich die Stallform. Je mehr Liegeboxenreihen incl. der Laufgänge und Futtertische nebeneinander angeordnet werden, desto breiter und kürzer wird der Stall. In der Praxis wird häufig eine 3-reihige Aufstallung gewählt, da hierbei u.a. ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von etwa 1:1 ohne zusätzlichen Aufwand erreicht werden kann.

Die Ausstattung am Futtertisch geht vom Selbstfangfressgitter bis zum einfachen Nackenriegel. Futtertische mit einem Selbstfangfressgitter sind die teuerste Variante, haben aber beispielsweise den Vorteil, dass die Tiere fixiert werden können. Gerade bei größeren Kuhbeständen reicht der Selektionsbereich am Melkstand nicht immer aus, so dass nicht alle Behandlungs- bzw. Kontrollmaßnahmen dort ausgeführt werden können. Je mehr Tiere aus verschiedenen Gruppen behandelt und in ihre Gruppen zurückgeführt werden müssen, desto interessanter werden auch aus Arbeitszeitgründen die Selbstfangfressgitter.

Neben den Raum für die Behandlungsmaßnahmen ist in Melkstandsnähe eine Selektion mit Strohbereich für kranke und frisch abgekalbte Kühe von großem Vorteil. Ebenfalls muss in die Planungen ein ausreichend großer Abkalbebereich und Krankenstall eingeplant werden. Dabei ist es weniger wichtig, ob diese im Stallgebäude oder an anderer Stelle im Betrieb vorgesehen werden.

Ein großes Thema ist immer die Frage nach der der Ausführung der Liegeboxen, zwischen Hochboxen mit weicher Auflage und etwas Einstreu oder Tiefboxen mit deutlich mehr Einstreu (Matraze) ist hier zu wählen. Beide Bauarten haben Vor- und Nachteile. Für die Sauberkeit der Tiere und die Annahme der Boxen durch die Tiere ist in erster Linie entscheidend, dass sie gut bewirtschaftet (säubern, einstreuen usw.) werden. Bei Tiefboxen ist der Arbeitszeitaufwand in der Regel etwas höher, bieten dafür aber den Kühen etwas mehr Komfort. Ist die Liegeboxenfrage bei der Stallplanung noch nicht geklärt, könnte zunächst eine Tiefbox gebaut werden. Denn es ist deutlich einfacher aus einer Tiefbox eine Hochbox zu machen, als umgekehrt.

Ausstattung
Bei den Planungen sollten ausreichend breite Übergänge zwischen den Liegeboxenreihen vorgesehen werden. Diese sind so auszuführen, dass rangniedrige Tiere ausweichen können. Dies gilt besonders dann, wenn durch Tränkebecken und Kuhbürsten ein Teil des Überganges blockiert wird. Bei der Beleuchtung stellt sich die Frage nach der optimalen Beleuchtungsstärke. Hier liegen die Angaben bei Milchkühen im Bereich von 150 bis 200 Lux. Sinnvoll ist es einen Beleuchtungsplan zu erstellen, um festzulegen mit welchen Leuchtkörpern und deren Anzahl die gewünschte Beleuchtungsstärke erreicht wird. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass die Beleuchtungsstärke der Leuchtkörper durch Alterung geringer wird und dass Praxisbedingungen wie Schmutzanhaftungen an der Stalleinrichtung, Schattenwurf durch Wände oder Abtrennungen den Wirkungsgrad senken. In den letzten Jahren haben LED Lampen an Bedeutung gewonnen, da sie u.a. energiesparend sind. Aussagen zu ihrer Haltbarkeit sind derzeit aufgrund des noch zu kurzen Zeitraums nicht noch sicher möglich. Aber gesunkene Investitionskosten, sowie eine deutliche Verbesserung des Garantiezeitraums durch die Anbieterfirmen haben dazu geführt, dass immer häufiger LED Lampen in Milchviehställe eingebaut werden.

Wird aus Gründen des Tierwohls ein Laufhof geplant, sind einige Punkte zu bedenken. Je Tier sind mindestens 3 m² einzuplanen, besonders bei größeren Beständen ist der zusätzliche Platzbedarf nicht unerheblich und bei der Standortplanung zu berücksichtigen. Auch ist der zusätzliche Eintrag von Regenwasser beim Güllelagerraum einzukalkulieren. Dies führt zu einer Verteuerung der Baumaßnahme. Ein wichtiger Punkt ist die Reinigung der Laufflächen (planbefestigt oder Spaltenboden) beim Laufhof. Zur Zeit liegen aber nur wenig Erfahrungen vor, wie bei trockener Wetterlage oder bei Frost der Laufhof sauber gehalten werden kann. Unsicher ist man auch bei den Immissionen, die von Laufflächen ausgehen und bei der Beurteilung von arbeits- und betriebswirtschaftlichen Aspekten. Wenn Weidegang angeboten wird und ausreichend Klimareize auf die Tiere einwirken, ist ein Laufhof in der Regel nicht sinnvoll.

Fazit
Die Planungen für einen neuen Milchviehstall sollten sorgfältig erfolgen. Es gibt viele Punkte, die besonderer Betrachtung bedürfen. Dazu gehören beispielsweise die Melktechnik, das Entmistungssystem, die Anzahl Liegeboxenreihen oder die Anzahl und Breite der Futtertische. Diese Faktoren legen die weitere Bewirtschaftung des Stalls fest und haben somit einen Einfluss auf die Arbeitsabläufe. Fehler in der Stallplanung lassen sich später nicht oder nur mit hohem finanziellen Aufwand korrigieren.


Kontakt:
Alfons Fübbeker
Berater Landtechnik
Telefon: 0441 801-323
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Stand: 22.12.2016