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Altersvorsorge frühzeitig planen

Im Alter ausreichend abgesichert sein möchte jeder. Im landwirtschaftlichen Betrieb bedeutet dies möglichst unabhängig später vom Hofnachfolger und Betrieb zu sein. Wie Sie bei der Altersvorsorge vorgehen können, wird an einem Beispiel beschrieben.

Im Alter ausreichend abgesichert sein möchte wohl jeder. Für den 37-jährigen Landwirt M. und seine Ehefrau bedeutet dies, möglichst unabhängig vom Betrieb bzw. vom Hofnachfolger später zu sein. Doch wie bei der Altersvorsorge vorgehen?

Gemeinsam mit der Beraterin der Landwirtschaftskammer führt das Ehepaar M. eine Analyse  zur Altersvorsorge durch und erarbeitet dafür folgende Fragen:

1. Wie hoch ist mein finanzieller Bedarf im Alter?
2. Welche Einkünfte stehen mir zur Verfügung?
3. Wie groß ist die Lücke? - Wie viel muss ich sparen?

Wie hoch ist mein Bedarf im Alter?
Für Ehepaar M. ist der Ruhestand noch in weiter Ferne, daher wird es den Bedarf  nur schätzen können. Nach Auflistung aller Entnahmen kommt das Ehepaar M. nach derzeitigem Geldwert bei mietfreier Wohnung auf einen Bedarf von ca. 1.920 € monatlich (Tab. 1). Bis zum Rentenbeginn vergehen noch in 30 Jahre, also muss die Geldentwertung mitberücksichtigt werden. Bei einer durchschnittlichen Inflation von 2 % benötigt das Ehepaar dann einen Betrag von 3.478 €.

Welche Einkünfte stehen mir zur Verfügung?
Im nächsten Schritt werden die voraussichtlichen Einkünfte ermittelt. Eine wichtige Säule sind hierbei die Renten der landwirtschaftlichen Alterskasse. Der Unternehmer und seine Ehefrau gehen davon aus, noch weitere 30 Jahre Beiträge in die Alterskasse einzuzahlen. Auf der Basis der heutigen Rentenberechnung erhalten beide zusammen rund 890 € Altersrente (Tab. 2). Weiter haben beide Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung von derzeit310 €. Bei vorsichtiger Kalkulation mit einer Rentensteigerung um die 1% erhöhen sich die Rentenansprüche des Ehepaares in 30 Jahren auf 1.656 €.
Da die verbrauchsabhängigen Kosten für Wohnen wie Strom, Heizung, Wasser etc. später selber getragen werden sollen, setzt das Betriebsleiterehepaar ein entsprechendes Bar-Altenteil von 300 € monatlich nach heutigem Wert ein. Höher soll der Betrag im Ansatz nicht sein, um den Hofnachfolger später nicht zu sehr zu belasten. Unter Berücksichtigung von 2% Inflation ergibt sich später ein zu zahlendes Bar-Altenteil von 543 € pro Monat.

Wie groß ist die Lücke? – Wie viel muss ich sparen?
Stellt man die Einkünfte von hochgerechnet 2.199  € dem Bedarf von 3.478 € gegenüber, ergibt sich eine Lücke von monatlich 1.279 €. Die weitere Überlegung ist, wie viel Geld muss bis zum 67. Lebensjahr von Herrn M. angespart werden. Unterstellt man, dass aus dem Kapitalstock 20 Jahre monatlich der Betrag vom 1.279 € fließen soll, berücksichtigt man noch eine Inflationsrate von 2% und geht von einer Verzinsung des Kapitals von 2,5% aus, benötigen Herr und Frau M. eine Kapitalsumme von ca .292.208 €. Um dieses Kapital anzusparen hat Familie M. noch 30 Jahre Zeit und müsste bei angenommener 2 ,5%iger Verzinsung monatlich ca. 752 € zurücklegen.

Die Beraterin weist jedoch darauf hin, dass bei dieser Berechnung das Geld nach 20 Jahren aufgebraucht ist. Und dies bei immer längerer Lebenserwartung!
Soll das Geld 25 Jahre reichen, müssten rund 360.817 € zur Verfügung stehen, was monatliche Sparleistung von rund 929 € erfordern würde.

Wie die Altersvorsorge aufbauen?
Bevor Ehepaar M. sich Gedanken macht, in welcher Form Geld gespart wird, muss gerechnet werden, ob das Geld für die Altervorsorge auch wirklich über ist und dies auch in den nächsten Jahren. Ein Fehler, der öfter gemacht wird, ist, dass langfristige Verträge zur Altersvorsorge abgeschlossen werden und in schlechten Jahren die Beiträge dafür über Kontokorrent gezahlt werden, ein schlechtes Geschäft.

Staatliche Förderung nutzen
Zu den vom Staat geförderten Altersvorsorgeformen gehört die Riesterrente, die besonders für Frau M. interessant sein dürfte. Als Ehegatte eines landwirtschaftlichen Unternehmers ist sie beitragspflichtig zur Alterskasse und daher berechtigt, einen eigenen Riesterrentenvertrag abzuschließen. Vom Staat bekommt sie die Grundzulage von 154 € und für die beiden Kinder jeweils 185 €. Da sie kein eigenes Einkommen hat, muss sie selber nur den Sockelbeitrag von 60 € aufbringen. Also werden insgesamt in den Riester-Vertrag 584 € pro Jahr eingezahlt. D.h. solange die Kinderzulage fließt und Frau M. kein Einkommen hat, werden rund 90% der Sparleistung vom Staat gefördert.
Auch Herr M. kann „riestern“, doch er müsste als Sparleistung mindestens 4% seines zu versteuernden Einkommens, maximal jedoch 2.100 € als Gesamtsparleistung nachweisen, um die volle Förderung zu erhalten. Hier wären eventuell Steuervorteile zu überprüfen.
Zur Auswahl für einen Riester-Vertrag stehen je nach Spartyp verschiedene Anlageformen wie Bank- oder Fondssparpläne, klassische oder fondgebundene Rentenversicherungen und Bausparverträge.
Für Landwirte, die viel Steuern zahlen müssen, kann auch die so genannte Rürup-Rente, eine privat kapitalgedeckte Vorsorgeform, interessant sein. Aber nur, wenn man auf eine lebenslange Rente Wert legt, Kapitalauszahlung ist nicht möglich, und man sicher ist, die Beiträge bis zum vereinbarten Rentenalter zahlen zu können. Über die Vor- und Nachteile sollte man sich vor Abschluss jedoch eingehend informieren.

Anlagen streuen
Für die weitere Altersvorsorge stehen ansonsten Kapitalanlageprodukte unterschiedlichster Form zur Verfügung wie z.B. Sparpläne, private Rentenversicherungen, Immobilienfonds, Aktienfonds etc. Auch eine Immobile mit späteren Mieteinnahmen kann als Altersvorsorge dienen.
Wunschvorstellung ist, dass eine Anlage eine hohe Rendite abwirft, möglichst sicher ist und man jederzeit an das Geld herankommt. Ziele, die in der Praxis in Konkurrenz stehen. Daher wird empfohlen, dass bei der Auswahl Produkte gewählt werden, die den persönlichen Verhältnissen angepasst sind und auf keinen Fall alles auf eine Karte setzen. Nur die geschickte Kombination verschiedener Vorsorge-Bausteine, angepasst an die individuellen Verhältnisse, führen zu einer optimalen Altersvorsorge.

Altersvorsorge ist ein wichtiges Thema für die landwirtschaftliche Familie. Prüfen Sie von Zeit zu Zeit, wie groß ihre persönliche Lücke im Alter ist und ob Sie die richtige Vorsorge getroffen haben. Neutrale Beratung finden Sie u.a. bei den Landwirtschaftskammern und -verbänden, bei Ämtern und Verbraucherzentralen.

 

Tab. 1: Ermittlung des Bedarfs für das Altenteilerehepaar mit 67 Jahren

Bedarf für

 €

Lebenshaltung
   - Essen, Getränke
   - Haushaltsgeräte, -gegenstände
   - Bekleidung, Schuhe
   - Gesundheits-/Körperpflege
   - Freizeit, Hobby, Geschenke


360
50
200
90
100

verbrauchsabhängige Kosten Wohnen
   - Strom, Wasser, Heizung
   - Abwasser, Müll, Schornstein
   - Schönheitsreparaturen


250
70
50

PKW

400

Telefon, Rundfunk, Zeitung

100

Versicherungen

150

Private Steuern

50

Sonstiges

50

Bedarf nach heutigem Wert

1920

Hochrechnung Bedarf im 1. Rentenjahr (nach 30 Jahren)*

= 3478

* angenommene Inflationsrate 2%
 

Tab. 2: Ermittlung der Einkünfte für das Altenteilerehepaar mit 67 Jahren

Einnahmen aus

 €

Alterskasse
   - Landwirt*
   - Ehefrau**


520
370

Gesetzliche Rentenversicherung
   - Landwirt
   - Ehefrau


100
210

Einnahmen nach heutigem Wert

1.200

Hochrechnung Einnahmen im 1. Rentenjahr***

= 1.540

Baraltenteil

300

Hochrechnung Baraltenteil im 1. Rentenjahr****

543

Hochrechnung Einkünfte insgesamt

= 2.199

*40 Jahre Beitragszahlung
**vorz. Rentenbezug mit 62 Jahren, 35 Jahre Beitragszahlung
***angenommene Rentensteigerung 1%
****angenommene Inflationsrate 2%
 

Tab. 3: Ergebnis der Altersvorsorge-Analyse

Finanzielle Lücke monatlich  mit 67 Jahren
Einkünfte minus Bedarf

1.279

notwendiger Kapitalstock um 20 Jahre lang monatlich1.279 €  entnehmen zu können (bei Inflation von 2 % und angenommener Kapitalverzinsung von 2,5%)

. 292.208

Notwendige monatliche Sparquote über 30 Jahre bei 2,5% Verzinsung

=  752


Kontakt:
Katharina von Hahn
Beraterin Sozioökonomie für die Bezirksstellen Braunschweig und Hannover
Telefon: 0511 3665-4466
Telefax: 0511 3665-994466
E-Mail:


Stand: 29.01.2014